ArchivDeutsches Ärzteblatt40/20141. Internationaler Hausärztetag: Hausarztmedizin besser fördern

POLITIK

1. Internationaler Hausärztetag: Hausarztmedizin besser fördern

Dtsch Arztebl 2014; 111(40): A-1671 / B-1443 / C-1375

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Hausärzte fordern eine Trendwende in der Aus- und Weiterbildung sowie eine bessere Interessenvertretung in den ärztlichen Körperschaften.

Bekenntnis zur Rolle des Hausarztes: Staatssekretär Lutz Stroppe, HÄV- Chef Ulrich Weigeldt und die nordrhein-westfäliche Gesund- heitsministerin Barbara Steffens (v.l.) Foto: Georg J. Lopata
Bekenntnis zur Rolle des Hausarztes: Staatssekretär Lutz Stroppe, HÄV- Chef Ulrich Weigeldt und die nordrhein-westfäliche Gesund- heitsministerin Barbara Steffens (v.l.) Foto: Georg J. Lopata

Einen festen Hausarzt haben 91 Prozent der Menschen in Deutschland; 94 Prozent halten seine Rolle als Lotse im Gesundheitssystem für wichtig. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 1 000 Bürgern, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im September im Auftrag des Deutschen Hausärzteverbands (HÄV) durchführte. „Das Ergebnis bestärkt uns in unserer Arbeit“, sagte dessen Bundesvorsitzender, Ulrich Weigeldt, beim 1. Internationalen Hausärztetag, der am 25. und 26. September in Bonn stattfand. Ein Grund, sich zurückzulehnen, ist es aber nicht.

Anzeige

Bis 2020 werden nach Berechnungen des HÄV jährlich 2 000 Hausärzte ihre Praxen schließen. Dass diese genügend Nachfolger finden, ist unwahrscheinlich. Der Anteil der Fachärzte für Allgemeinmedizin an den Facharztanerkennungen liegt nur noch bei zehn Prozent. Anlass genug für Weigeldt, eine Trendwende zu fordern. Denn: „Um eine älter werdende Gesellschaft mit mehr chronisch kranken und multimorbiden Menschen angemessen behandeln zu können, benötigen wir eine gute Primärversorgung.“ Sie verhindere Fehl- und Unterversorgung und setze Ressourcen frei für eine koordinierte fachärztliche Versorgung.

Der HÄV-Vorsitzende hält es für einen Skandal, dass es an elf der 37 medizinischen Fakultäten noch immer keine Lehrstühle für Allgemeinmedizin gibt, an denen die Studierenden mit dem Fach in Berührung kommen. Man könne sich schließlich nicht für etwas entscheiden, das man gar nicht kenne, sagte Weigeldt. Neben Verbesserungen in der ärztlichen Ausbildung forderte er aber auch eine bessere Betreuung der Ärzte in Weiterbildung beispielsweise durch Weiterbildungsverbünde sowie eine angemessene Bezahlung der Weiterzubildenden in den Hausarztpraxen.

Die KV als Hemmschuh

Die notwendige Stärkung der Hausarztmedizin werde aber vor allem von der ärztlichen Selbstverwaltung behindert, kritisierte Weigeldt. So werde das Förderprogramm für die allgemeinmedizinische Weiterbildung in einigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) nicht zielstrebig umgesetzt. Außerdem unterliefen die KVen die hausarztzentrierte Versorgung (HZV). Druckmittel seien, wie jüngst in Bremen, die Weigerung, den ärztlichen Notdienst für die Versicherten des HZV-Vertrags sicherzustellen oder komplizierte Regelungen zur Bereinigung der Gesamtvergütung.

Mehr Gleichberechtigung

Weigeldt nutzte den Hausärztetag, um erneut mehr Gleichberechtigung für die Hausärzte in den Gremien der Selbstverwaltung zu fordern. Der Beschluss der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) von Mitte September, mit einem neuen Ausschuss für einen faireren Interessenausgleich zwischen Haus- und Fachärzten zu sorgen, schreibe lediglich die Facharztdominanz in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung fort, so der HÄV-Vorsitzende. Ein Alternativvorschlag aus den eigenen Reihen hatte in der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung keine Mehrheit gefunden. Die Hausärzte hatten sich unter anderem dafür ausgesprochen, dass künftig jeder Versorgungsbereich separat ein Mitglied des KBV-Vorstands wählt und eigenständig über die Vergütung entscheidet.

Rückenwind erhielt der HÄV aus der Politik. Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, erklärte vor den Delegierten: „Wir sind der Meinung, dass man hier gesetzlich nachsteuern muss.“ Es gebe eine klare Aussage im Koalitionsvertrag zur paritätischen Besetzung der ärztlichen Körperschaften. Das Ministerium will die hausärztliche Interessenvertretung im Oktober im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes regeln. Auch weitere Forderungen des HÄV dürften Eingang in das Gesetz finden. So sollen Weigeldt zufolge die Förderung der Allgemeinmedizin verbessert und Hürden für die HZV beseitigt werden.

Heike Korzilius

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema