ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Mikroskopisch kontrollierte Chirurgie
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Als Koautor der sich in der Endbearbeitung befindlichen 2k-Leitlinie zum Basalzellkarzinom (BZK) mit 40 Jahren tumorchirurgischer Erfahrung an der Gesichtshaut und unter Stützung auf Langzeitanalysen von über 3 800 Eingriffen wegen fazialer BZK vertrete ich geringfügig andere Ansichten im Vergleich zu dem Beitrag:

Hedgehoge-Signalweg-Inhibitoren erlauben ein neues Therapieprinzip beim BZK. Wegen der kurzen Einsatzzeit sind allerdings noch viele Fragen offen. In der Leitlinie werden Indikationen bei ausgedehnten – weder bestrahlungs- noch operationsfähigen – und metastasierten BZK gesehen. Ein Tumorboard entscheidet über den Einsatz. Ihm gehören zwingend kompetente Operateure und Radiologen an.

Nichtchirurgische Lokaltherapien (Laser, Kryotherapie, Immunmodulatoren [Imoliquid], 5-Fluorouracil, fotodynamische Therapie) bleiben wegen wenig vorhersagbarer onkologischer und ästhetischer Ergebnisse Einzelfällen vorbehalten. In über 10 % der Fälle treten nach derartigen Behandlungen Lokalrezidive oder Resttumoren auf. Diese führen bei gegebenenfalls nachfolgenden Operationen zu Problemen hinsichtlich einer R0-Resektion aufgrund multilokulärer und schlecht lokalisierbarer Tumorreste.

Nach der Leitlinie stellt die Operation mit möglichst kompletter Schnittrandkontrolle (MKC, mikroskopisch kontrollierte Chirurgie) die Therapie der Wahl dar. Sie senkt im Vergleich zur konventionellen Chirurgie die Rezidivrate beim primären BZK um lediglich 1 %, also ohne relevante Prognoseverbesserung. Sie verbessert bei der Behandlung von Tumorrezidiven die Rezidivrate von 12 auf 2,4 %. Die operative BZK-Therapie seitens der MKG-Chirurgie mit Einsatz plastisch-chirurgischer oder seltener epithetischer Defektdeckungen im Gesicht führt nach eigenen Analysen bei primärem BZK zu einer Wahrscheinlichkeit einer 20-jährigen Tumorfreiheit von 98,2 %, bei Rezidivbehandlungen in retrospektiver Analyse von 74 % und in prospektiver Analyse unter Einsatz der MKC von 98 %. Unbehandelte R1-Befunde senken diese Erfolgswahrscheinlichkeit drastisch auf 52 % (primäres BZK) beziehungsweise 29 % (BZK-Rezidiv). Dies belegt die Wertigkeit des R1-Befundes für die Tumorfreiheit. Einen Einfluss auf das Überleben hat er nicht. Virtuose Defektrekonstruktionen in Verbindung mit der MKC erlauben selbst bei ausgedehnten BZK eine hohe onkologische Sicherheit bei guten ästhetischen Ergebnissen auch in der anspruchsvollen Gesichtsregion.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0704a

Dr. med. habil. Lutz Tischendorf, Saale
dr.tischendorf@gmx.net

Interessenkonflikt

Dr. Tischendorf hat Kongressgebühren- und Reisekostenerstattung sowie Vortragshonorare erhalten von der Firma Roche.

1.
Berking C, Hauschild A, Kölbl O, Mast G, Gutzmer R: Basal cell carcinoma—treatments for the commonest skin cancer. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 389–95.
VOLLTEXT
1.Berking C, Hauschild A, Kölbl O, Mast G, Gutzmer R: Basal cell carcinoma—treatments for the commonest skin cancer. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 389–95.
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