ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Kampf gegen Ebola: Mehr als nur Militär

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Kampf gegen Ebola: Mehr als nur Militär

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1730 / B-1488 / C-1420

Neuber, Harald

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In den Medien wird die Rolle der Bundeswehr im Kampf gegen das Virus betont. Tatsächlich leistet die Truppe in erster Linie logistische Hilfe.

Hilfstransport: Ende September lädt die Bundeswehr am Flughafen Köln/Bonn medizinisches Material in ein Transportflugzeug. Ziel: die senegalesische Hauptstadt Dakar. Foto: dpa
Hilfstransport: Ende September lädt die Bundeswehr am Flughafen Köln/Bonn medizinisches Material in ein Transportflugzeug. Ziel: die senegalesische Hauptstadt Dakar. Foto: dpa

Die deutsche Beteiligung an dem internationalen Einsatz zur Eindämmung der Ebola-Epidemie in Westafrika ist in der öffentlichen Wahrnehmung zurzeit stark vom Engagement der Bundeswehr bestimmt. Einen maßgeblichen Anteil daran hat die Öffentlichkeitsarbeit des Verteidigungsministeriums. Aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob in einer Stellungnahme Ende September die „schnelle Einsatzbereitschaft“ der Truppe hervor. Unter entwicklungspolitischen Organisationen und Nothelfern ist diese Akzentuierung der Bundeswehr-Beteiligung jedoch umstritten.

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Konkret ist die Luftwaffe mit zwei Transall-Maschinen an einer internationalen Luftbrücke zum Transport von Hilfsgütern aus der senegalesischen Hauptstadt Dakar in die Hauptstadt von Liberia, Monrovia, beteiligt. Befördert werden medizinisches Material und Schutzanzüge. Rund 100 Soldaten unterstützten die Operation, die jedoch Teil eines weitaus umfassenderen Einsatzes ziviler Kräfte ist.

Dabei scheint die Mitwirkung der Bundeswehr zunächst wenig geplant angelaufen zu sein. Als die Operation bekannt gegeben wurde, war der rechtliche Rahmen noch gar nicht geklärt. Und während einige Medien bereits von einem „Bundeswehreinsatz“ sprachen, wies ein von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am 22. September ausgegebener Tagesbefehl auf eine Gleichstellung der Truppe gegenüber den zivilen Partnern hin. Angesichts der „humanitären Katastrophe größeren Ausmaßes“ bat von der Leyen darum, „sich für diese außergewöhnliche Aufgabe zur Verfügung zu stellen“. Der Grund: Zahlreiche Mitarbeiter in Bundeswehr-Einrichtungen sind Zivilisten, die nicht per Einsatzbefehl mobilisiert werden können. Tatsächlich hatten an einem Krisentreffen von Staatssekretären mehrerer Ministerien Ende der dritten Septemberwoche auch der Vorstandsvorsitzende des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM), Prof. Dr. med. Rolf Horstmann, und der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Burger, teilgenommen.

Keine schnellen PR-Aktionen

Beide Institute sind seit längerem im westafrikanischen Krisengebiet aktiv. Sie sind neben anderen europäischen Institutionen Teil des European Mobile Lab, eines Diagnostiklabors, mit dessen Hilfe das Ebolavirus in Patientenproben nachgewiesen werden kann. Das Projekt wurde vom BNITM initiiert und wird von ihm koordiniert.

Neben den beiden Instituten sind am Kampf gegen Ebola derzeit mehrere regierungsunabhängige Hilfsorganisationen, das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz beteiligt – worauf fünf Minister aus dem Regierungskabinett Ende September in einem Informationsschreiben an die Mitglieder des Bundestags hinwiesen. Die Ressortchefs reagierten damit offenbar auch auf Kritik von Hilfsorganisationen. Der Vorsitzende von Ärzte ohne Grenzen, Dr. med. Tankred Stöbe, etwa beklagte im Interview mit dem Sender n-tv, dass erste Warnungen vor dem Ebolavirus im Juni übergangen worden seien.

Dem Deutschen Ärzteblatt sagte Katja Maurer von medico international: „Effektiv wäre in dieser Krise nur ein funktionierendes Gesundheitswesen in den betroffenen Ländern, das schon zuvor dafür gesorgt hätte, dass die Bevölkerung Krankenhäuser für Orte der Hilfe und nicht für Orte der Infektion halten würde.“ Die nun notwendigen Notlazarette seien nicht das einzige und effektivste Mittel. „Es geht darum, die Verbreitung der Infektion zu verhindern, also dafür Sorge zu tragen, dass die Menschen an ihren Wohnorten Mittel an die Hand bekommen, sich zu schützen.“ Man müsse nun die lokalen Ressourcen stärken: „Hier sind schnelle PR-Aktionen, die uns als Fernsehzuschauer sinnvoll erscheinen, fehl am Platze.“

Harald Neuber

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