ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Schlaganfall: Computergestützte Therapie bei Sehstörungen

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Schlaganfall: Computergestützte Therapie bei Sehstörungen

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1761 / B-1513 / C-1445

EB

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Nach einem Schlaganfall leiden viele Patienten unter Sehstörungen. Sie haben etwa Probleme beim Lesen oder sehen Doppelbilder. Zwar bieten Krankenhäuser wirksame Behandlungen an. Im Anschluss daran ist es aber oft schwer, eine geeignete Therapie zu finden. Abhilfe könnte ein neuer Ansatz schaffen, den Forscher aus Großbritannien, Erlangen und Saarbrücken untersucht haben. Die Patienten schulen dabei zu Hause – unter therapeutischer Aufsicht – mit einem speziellen Computerprogramm ihr Sehvermögen.

Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann sie auch zu Hause am Computer absolvieren. Foto: Oliver Dietze
Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann sie auch zu Hause am Computer absolvieren. Foto: Oliver Dietze

Für die Studie* wurden zwei vergleichbare Patientengruppen mit Gesichtsfeldausfällen (28 und 24 Teilnehmer) einem Training von insgesamt 35 Stunden am heimischen PC unterzogen. Die eine Gruppe erhielt ein Training, das gezielt das Lesen und die visuelle Suche im Raum verbessern soll. Die Patienten mussten dazu am Bildschirm etwa aus einer Reihe von Wörtern ein „Nicht-Wort“ heraussuchen oder in einer blauen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. „Dabei schulen die Patienten willentlich kontrollierbare Blickbewegungen“, erläuterte Georg Kerkhoff, Professor für Klinische Neuropsychologie der Universität des Saarlandes und Leiter der Neuropsychologischen Universitätsambulanz. Diese Therapie sei gut untersucht und wirksam, wenn sie unter kontinuierlicher, therapeutischer Beobachtung durchgeführt werde.

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Die Kontrollgruppe erhielt parallel dazu ein unspezifisches Aufmerksamkeitstraining. Nach der Therapie verbesserte sich das Sehvermögen hier nur gering. Zudem brachen die Teilnehmer die Therapie häufiger vorzeitig ab. Die Probanden aus der ersten Gruppe verbuchten dagegen deutliche Erfolge. Auch bei der Bewältigung bestimmter Alltagsleistungen, etwa dem Überqueren einer Straße, waren sie generell zufriedener.

Während der Studie haben Therapeuten alle Patienten per Telefon und mit Hausbesuchen unterstützt. Der Personalaufwand hierfür lag bei durchschnittlich 137 Minuten. Das macht in fünf Wochen einen Betreuungsaufwand von zwei Stunden. „Dieser vergleichsweise geringe Aufwand und die objektiven Verbesserungen in der ersten Gruppe zeigen, dass eine neurovisuelle Therapie zu Hause die ambulante oder stationäre Therapie wirksam unterstützen kann“, meinte Kerkhoff. „Dies ist für Patienten hilfreich, die zunächst eine Therapie in einer Klinik oder einer Ambulanz erhalten haben, anschließend aber noch weiter therapiert werden sollten.“ Auch eignet sich die Therapie für Patienten aus ländlichen Regionen. EB

*Aimola L, Lane AL, Smith DT, Kerkhoff G,
Ford G, Schenk Th: Efficacy and feasibility of a home-based computer training for individuals with homonymous visual field defects. Neurorehabilitation & Neural Repair 2014; 28: 207–18.
DOI: 10.1177/1545968313503219

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