ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Ärztemangel: Genugtuung
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Nun werden die Voraussagen also wahr: Die gute alte DDR-Gemeindeschwester kommt wieder. Und wird beim Hausbesuch fast besser bezahlt als der Mediziner. Sei es drum: Irgendwie erfüllt mich das alles mit einer gewissen Genugtuung.

Seit mehr als 20 Jahren werden wir Ärzte von der Politik verladen. An Warnungen hat es nicht gefehlt. Angefangen mit Seehofer und weiter in einer raschen Folge von ahnungslosen . . . und zum Teil malignen Ge­sund­heits­mi­nis­tern . . . wurden im Vertrauen auf die „Ärzteschwemme“ die Ärzte in Salamitaktik gekürzt, verschaukelt und obendrein verhöhnt und diskreditiert. Und die Folgen werden nun offenkundig: Trotz „genügender“Absolventenzahlen fanden immer weniger Jungärzte den Weg in die kurative Medizin. In den nächsten zehn Jahren geht ein Drittel der Niedergelassenen in den Ruhestand, und es gibt nichts und niemand, der sie ersetzen könnte. Merke: Es dauert mindestens zwölf Jahre, um einen Arzt auszubrüten.

Auch im Krankenhausbereich wäre ohne die Anwerbung von „EU-Ärzten“ längst Feierabend. Man nimmt den Russen und Bulgaren die dort dringend gebrauchten Ärzte weg . . .

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Im Kliniksektor machen sich die Investoren breit, die ein „Lean Management“ auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Nicht etwa, um der Gesellschaft Kosten zu sparen – nein: um ihren Aktionären einen möglichst hohen Shareholder Value garantieren zu können. Die große Hoffnung: das MVZ! Auch das wird sich als Rohrkrepierer erweisen . . .

Und die Lage wird sich bald noch dramatisch verschärfen:

Bei abnehmender Arztdichte werden wohl immer mehr Kollegen sich diesem Hamsterrad entziehen und ganz oder teilweise ihre GKV-Tätigkeit einstellen.

Und hoffen Sie mal nicht auf Kollegen, die das Geriatrieproblem dadurch lösen, dass sie selber so alt sind, dass sie aus eigener Erfahrung hier hilfreich tätig werden könnten . . .

Dr. Rupert Holderied, 81671 München

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