ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Telemonitoring in der Kardiologie: Der Nutzen bei chronischer Herzinsuffizienz ist belegt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Telemonitoring in der Kardiologie: Der Nutzen bei chronischer Herzinsuffizienz ist belegt

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1752 / B-1505 / C-1437

Siegmund-Schultze, Nicola

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Implantierbare Zweikammer-Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und Defibrillatoren zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-D) sind immer häufiger mit Telemonitoringfunktionen ausgestattet. Ob sich eine Verschlechterung des Zustands herzinsuffizienter Patienten mit Hilfe solcher Telemonitoringfunktionen so rechtzeitig feststellen lässt, dass eine präemptive Intervention möglich ist, die die Gesamtmortalität reduziert, war Fragestellung der randomisierten, kontrollierten, aber unverblindeten IN-TIME-Studie*. 664 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse-II/III-Symptomatik), einer Ejektionsfraktion von ≤ 35 % unter optimaler pharmakologischer Therapie und kürzlicher Implantation von ICD oder CRT-D wurden nach einer Run-in-Phase von einem Monat randomisiert in eine Gruppe mit täglichem Telemonitoring zusätzlich zur Standardtherapie (n = 333) und eine Kontrollgruppe ohne Telemonitoring (n = 331). Beim Telemonitoring werden Daten zu Arrhythmien und Funktionsparametern des Geräts automatisch an ein Datencenter übermittelt und die behandelnden Ärzte informiert.

Überlebenswahrscheinlichkeit (Kaplan-Meier-Kurven) für Patienten mit täglichem Telemonitoring oder ausschließlicher Standardbetreuung (Kontrolle)
Überlebenswahrscheinlichkeit (Kaplan-Meier-Kurven) für Patienten mit täglichem Telemonitoring oder ausschließlicher Standardbetreuung (Kontrolle)
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Überlebenswahrscheinlichkeit (Kaplan-Meier-Kurven) für Patienten mit täglichem Telemonitoring oder ausschließlicher Standardbetreuung (Kontrolle)

Die Teilnehmer, durchschnittlich 65,5 Jahre alt, hatten eine durchschnittliche Ejektionsfraktion von 26 %. 390 Patienten (58,7 %) war ein CRT-D implantiert worden, das follow-up betrug 1 Jahr. Der primäre Endpunkt war zusammengesetzt aus Tod jeglicher Ursache, stationäre Aufnahme für mindestens eine Nacht wegen Herzversagens, einem Wechsel der NYHA-Klasse und einer Beurteilung des Gesundheitszustands durch die Patienten selbst.

Mit Telemonitoring verschlechterte sich die Herzinsuffizienz seltener als ohne (18,9 % versus 27,2 %; Odds Ratio für Erreichen des primären klinischen Endpunktes Behandlungs- vs. Kontrollgruppe: 0,63; 95-%-Konfidenzintervall: 0,43 – 0,90; p = 0,013). 10 versus 27 Patienten (Telemonitoring vs. Kontrolle) starben in der Nachbeobachtungszeit. Vor allem bei Vorhofflimmern in der Anamnese war das Fernnachsorgesystem vorteilhaft.

Fazit: Bei herzinsuffizienten Patienten mit implantierten Defibrillatoren verbessert eine tägliche Übertragung von klinischen und technischen Daten der Geräte an die Ärzte das Behandlungsergebnis signifikant. Die Autoren vermuten, dass der Beginn oder die Verschlechterung ventrikulärer und atrialer Tachyarrhythmien frühzeitig erkannt und die Therapie rechtzeitig angepasst werden konnten. Europäische und deutsche Fachgesellschaften empfehlen eine Fernnachsorge zur Früherkennung medizinischer und technischer Probleme. „Die Studie ist ein Meilenstein in der Versorgung schwer herzkranker Patienten mit ICD, nicht nur für Deutschland“, meint Prof. Dr. med. Jörg O. Schwab von der Universitätsklinik Bonn. „Für eine flächendeckende Versorgung sind die Schulung der beteiligten Kardiologen und ihrer Mitarbeiter und eine angemessene Vergütung im ambulanten Sektor eine ,conditio sine qua nonʻ: Nur so kann der wissenschaftliche Fortschritt zur spürbaren Verbesserung der Versorgung führen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Hindricks G, Taborsky M, Glikson M, et al: Implant-based multiparameter telemonitoring of patients with heart failure (IN-TIME): a randomised controlled trial. Lancet 2014; 384: 583–90

*IN-TIME: Influence of home monitoring on mortality and morbidity in heart failure patients with impaired left ventricular function

Überlebenswahrscheinlichkeit (Kaplan-Meier-Kurven) für Patienten mit täglichem Telemonitoring oder ausschließlicher Standardbetreuung (Kontrolle)
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