ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Reisemedizin: Medizinische Ausrüstung an Bord teilweise suboptimal

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Reisemedizin: Medizinische Ausrüstung an Bord teilweise suboptimal

Gerste, Ronald D.

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Statistisch ist bei einem von 14 000 bis 39 000 Flugpassagieren medizinische Hilfe an Bord erforderlich. Sie erfordert allerdings ein Minimum an Ausstattung und Medikamentenvorrat, der in Passagierflugzeugen vorgeschrieben ist.

Wie es um diese Notfallausrüstung bei deutschen Fluggesellschaften bestellt ist, hat jetzt eine Autorengruppe unter Federführung des Instituts für Anästhesiologie der Universität Köln untersucht. 13 deutsche Fluggesellschaften wurden befragt, darunter große Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air Berlin, Condor und Germanwings. Die Mindestausstattung, einen Erste-Hilfe-Kasten, hatten alle an Bord; dieser enthält meist leichte Pharmaka unter anderem gegen Schmerzen und Übelkeit. 7 Airlines gaben an, Material zur Venenpunktion und damit zur intravenösen Zufuhr von Medikamenten oder für Infusionen bereit zu halten, 6 haben Laryngoskope, Endotrachealtuben und Anästhetika an Bord. Bei 6 Gesellschaften fliegen Instrumente für die „kleine Chirurgie“ mit wie Skalpell, Schere und Nahtmaterial. Die Möglichkeit, ein EKG zu erheben und eine Defibrillation durchzuführen, bieten 4 Fluggesellschaften, 7 sind auf eine Verbindung zu einem medizinischen Zentrum über Satellit zum Beispiel eingerichtet, das der zu einem Notfall an Bord gerufene Mediziner konsultieren kann. Die Autoren merken an, dass die gesetzlichen Regelungen von allen 13 befragten Gesellschaften eingehalten werden, dass es jedoch deutliche Unterschiede gebe: Einige Airlines seien hervorragend, andere nur „marginal“ ausgestattet.

Fazit: Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einerseits und dem Wunsch vieler Menschen, auch im höheren Alter Fernreisen zu machen, besteht aus ärztlicher Sicht die Notwendigkeit – insbesondere auf Langstrecken – den zu einem Notfall gerufenen Ärzten eine optimale medizinische Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, so die Autoren. „Der internationale Versicherungsschutz für die Ärzte muss zum Beispiel bei der Lufthansa auch schriftlich den aktiv werdenden Kolleginnen und Kollegen übergeben werden“, betont Dr. med. Walter Gaber, Leitender Arzt der Fraport AG in Frankfurt am Main. Dr. med. Ronald D. Gerste

Hinkelbein J, et al.: Emergency medical equipment on board of german airliners.
J Travel Med 2014;
DOI: 10.1111/jtm.12138

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