ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014HIV-infizierte Patienten: Integrasehemmer ist Alternative zum Proteasehemmer

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

HIV-infizierte Patienten: Integrasehemmer ist Alternative zum Proteasehemmer

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1754 / B-1506 / C-1438

Warpakowski, Andrea

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für die initiale HIV-Therapie empfehlen internationale und nationale Leitlinien eine Kombination aus zwei nukleosidalen/nukleotidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) und einer dritten Substanz: entweder einem nicht-nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI), einem mit Ritonavir (r) geboosterten Proteaseinhibitor (PI/r) oder einen Integrasehemmer (INI).

Eine Option ist der INI Dolutegravir. Die Substanz war in zwei Placebo-kontrollierten, doppelblinden Phase-III-Studien bei unvorbehandelten HIV-Patienten gegenüber dem NNRTI Efavirenz überlegen und gegenüber dem INI Raltegravir nicht unterlegen (jeweils kombiniert mit 2 Nukleosidanaloga). Die aktuelle Auswertung der offenen, randomisierten Studie FLAMINGO ergab nach 48 Wochen für eine Dolutegravir-haltige initiale Therapie eine Überlegenheit gegenüber einer initialen Therapie, die den PI/r Darunavir/r enthielt.

Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma
Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma
Grafik
Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma

In der auf Nicht-Unterlegenheit ausgerichteten Studie FLAMINGO erhielten jeweils 242 unvorbehandelte Patienten Dolutegravir (1 × täglich 50 mg) oder Darunavir/r (1 × täglich 800 mg/100 mg) in Kombination mit den beiden koformulierten NRTIs Tenofovir/Emtricitabin oder Abacavir/3TC, auch jeweils 1 × tägliche Einnahme. Nach 48 Wochen lag bei 90 % der Patienten unter Dolutegravir und 83 % unter Darunavir/r die Viruslast unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien/mL Plasma. Damit war der INI im primären Endpunkt dem PI/r nicht unterlegen und in der sekundären Auswertung signifikant überlegen (p = 0,025). Die Überlegenheit beruhte vor allem darauf, dass weniger Patienten aus dem Dolutegravir-Arm wegen Nebenwirkungen die Studie vorzeitig abbrachen (2 % versus 4 %) und mehr Patienten mit einer Viruslast von > 100 000 Kopien/mL zu Studienbeginn nach 48 Wochen < 50 Kopien/mL erreichten (93 % versus 70 %). Die häufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhoe (Dolutegravir 16 % versus Darunavir/r 29 %), Übelkeit (16 % versus 18 %) und Kopfschmerzen (15 % versus 10 %). Jeweils zwei Patienten (1 %) beendeten in jeder Gruppe die Studie vorzeitig wegen eines virologischen Nicht-Ansprechens. Viren mit Resistenz-assoziierten Mutationen konnten nicht nachgewiesen werden.

Fazit: „Die Substanzklasse der Integrasehemmer hat aufgrund ihrer ausgezeichneten Verträglichkeit im Vergleich zu anderen empfohlenen Firstline-Kombinationen in der Langzeittherapie Vorteile“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh von der Universitätsklinik Bonn. Für die Praxis sei das sehr wichtig, da eine HIV-Therapie mehrere Jahrzehnte dauere und der Langzeiterfolg auch von der Verträglichkeit abhänge. Eine Dolutegravir-basierte Therapie sei eine einfach einzunehmende, sehr gut verträgliche Option für die initiale HIV-Therapie. Andrea Warpakowski

Clotet B, et al.: Once-daily Dolutegravir versus Darunavir plus ritonavir in antiretroviral-naïve adults with HIV-1 infection (FLAMINGO): 48 week results from the randomised open-label phase 3b study. Lancet 2014; 383: 2222–31.

Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma
Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma
Grafik
Anteil der Patienten mit weniger als 50 HIV-1-RNA-Kopien pro mL Plasma

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema