ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Börsebius: Die Zinsfalle

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Börsebius: Die Zinsfalle

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1764 / B-1516 / C-1448

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In den Vereinigten Staaten von Amerika stehen die Zeichen längst auf eine Umkehr in der Zinspolitik. Will heißen die Renditen in den USA werden schneller steigen als so mancher sich vorstellen mag. Am besten lässt sich das am Auslaufen des sogenannten Tapering-Programmes erkennen, wonach Janet Yellen, die Chefin der Federal Reserve, drastisch das Neudrucken von Geld über zusätzliche Bondkaufprogramme beendet. Das hätte vor einem Jahr wirklich noch keiner in dieser Konsequenz vorhergesehen. Die Amerikaner können sich diese restriktive Geldpolitik übrigens leisten, die dortige Konjunktur macht einen durchaus lebendigen Eindruck. Erste Feststellung also: In den USA werden die Zinsen steigen, das ist per se schlecht für die Aktienmärkte.

In Europa sieht dagegen derzeit noch alles ganz anders aus. Noch. Dort fährt Mario Draghi, der mächtige EZB-Chef, nach wie vor die Politik des leichten Geldes. Und nicht nur das. Draghi plant sogar, den Banken sogenannte ABS, also Asset Backed Securities, abzukaufen. Wir erinnern uns: ABS waren genau die Papiere (verbriefte und mehrfach verpackte Kreditportfolios), die zum Ausbruch der Finanzmarktkrise geführt haben. Das ABS-Programm soll einen Umfang von mehreren Hundert Milliarden Euro haben. Mit ABS lassen sich Risiken wunderbar portionieren und auch verstecken. Er, Draghi, wolle aber nur „gute“ ABS kaufen. So ein Quatsch. ABS sind ABS und fertig. Der Zweck heiligt an dieser Stelle offenbar auch die ungeeignetsten Mittel.

Doch langsam wehren sich einige europäische Regierungschefs gegen dieses tollkühne Vorhaben. Vor allem die Deutschen und die Franzosen maulen vehement. Das bringt gar nichts, sagen sie. Schon alle Programme davor haben es nicht vermocht, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen und die Konjunktur anzukurbeln. Zweite Feststellung: Wenn sich also herumspricht, dass Mario Draghi sein Pulver verschossen hat, dann wird auch die Politik des leichten Geldes sich langsam dem Ende zuneigen. Das heißt auch hier: Die Zinsen werden steigen.

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Die Folgen für die Aktienmärkte können durchaus gravierend sein. Dies vor allem deswegen, weil genau die Flutung der Märkte mit billigem Geld die Kurse ja so richtig befeuert hat. Also heißt es, mit Argusaugen auf den DAX zu achten und sich vor allem mit Werten abzusichern, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Der Rest ist dann auch Glückssache.

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