ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Prüfung Organtransplantation: Nur wenige Unregelmäßigkeiten

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Prüfung Organtransplantation: Nur wenige Unregelmäßigkeiten

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1725 / B-1485 / C-1417

Richter-Kuhlmann, Eva

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Im Fokus des Jahresberichts 2013/2014 der Prüfungs- und der Überwachungskommission standen die Herz-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogramme.

Eine weitere Etappe bei den Überprüfungen der Transplantationsprogramme in Deutschland ist abgeschlossen. Nachdem die Prüfungs- und die Überwachungskommission von Bundes­ärzte­kammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen vor einem Jahr die Ergebnisse der Prüfungen von Leber­trans­plan­tations­pro­grammen veröffentlichten hatten, beschäftigten sie sich zwischen September 2013 und August 2014 vornehmlich mit den flächendeckenden Prüfungen der Herz-, Nieren- und Pankreastransplantationsprogramme. Dabei fanden sie nur wenige Auffälligkeiten.

Geprüft haben die Kommissionen 33 Transplantationszentren mit 60 Programmen auf der Grundlage des seit 2012 gesetzlich ausgeweiteten Kontrollsystems in der Transplantationsmedizin. Erfasst wurden dabei Transplantationen, die zwischen den Jahren 2010 bis 2012 erfolgten – also noch vor dem Bekanntwerden erster Unregelmäßigkeiten und den Gesetzesänderungen. Darauf verwiesen die Kommissionsvorsitzenden, Anne-Gret Rinder, Vorsitzende Richterin am Kammergericht i. R., und Prof. Dr. med. Hans Lippert bei der Vorstellung des gemeinsamen Jahresberichts 2013/14 der Kommissionen am 30. September in Berlin.

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Auffällig: Herzzentrum Berlin

Konkret konnten dem Bericht zufolge im Bereich der Nierentransplantationsprogramme keine Anhaltspunkte für systematische Richtlinienverstöße oder Manipulationen bei den Prüfungen gefunden werden. Es wurden lediglich vereinzelte unrichtige Mitteilungen gegenüber der Vermittlungsstelle Eurotransplant festgestellt, die sich auf das Datum der Erstdialyse bezogen und auf Dokumentationsfehler zurückzuführen waren. Auch bei den Pankreas- und kombinierten Nieren-Pankreastransplantationen konnten die Kommissionen keine Auffälligkeiten feststellen.

Unregelmäßigkeiten gab es allerdings bei den Herztransplantationsprüfungen im Herzzentrum Berlin. „Bei den insgesamt 82 überprüften Herztransplantationen wiesen 14 Anträge auf eine dringend notwendige Transplantation (High Urgency, HU) Auffälligkeiten auf, die den Schluss rechtfertigen, dass es sich wahrscheinlich um Manipulationen handelt“, erklärte Rinder. Bei den Falschangaben hätte es sich hauptsächlich um die Verabreichung und Dosierung von Katecholaminen gehandelt, die dazu dienten, eine HU-Listung zu erreichen. Jedoch hätte es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Privatpatienten bevorzugt transplantiert worden seien, sagte Rinder.

Die Prüfungen werden von jeweils zwei Mitgliedern der Prüfungskommission oder der Überwachungskommission sowie zwei für das jeweilige Transplantationsprogramm sachverständigen unabhängigen Ärzten vorgenommen, erläuterte Lippert. Weiterhin hätten Vertreter der zuständigen Landesministerien an den Prüfungen teilgenommen. Meist würden die Kontrollen auch nur einen Tag vorher angekündigt, erläuterte der Strafrechtler Prof. Dr. jur. Hans Lilie. Ein nachträgliches „Frisieren“ der umfangreichen Patientenunterlagen sei so unmöglich.

Abschließender Bericht 2015

Lilie, der Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundes­ärzte­kammer ist, kündigte an, dass die Ergebnisse der Prüfungen in die Richtlinienarbeit des Gremiums einfließen werden. „Wir arbeiten derzeit intensiv an der Entwicklung eines medizinischen Scores für die Herzallokation, ähnlich wie wir ihn für die Leber- oder die Lungen­trans­plan­ta­tion bereits haben“, berichtete er. Überdies habe die Kommission eine grundlegende Überarbeitung der Richtlinien für die Wartelistenführung und die Organvermittlung zur Lebertransplantation, zur Nierentransplantation und zur Pankreastransplantation auf den Weg gebracht.

Im kommenden Herbst dann soll die Überprüfung aller Transplantationszentren und -programme durch die Kommissionen abgeschlossen sein. Es stehen noch die Kontrollen der Lungen­trans­plan­ta­tionsprogramme aus, mit denen Anfang 2015 begonnen werden soll.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

@Der Jahresbericht sowie der Kommissionsbericht zum Herzzentrum Berlin unter:
www.aerzteblatt.de/141725

Wer prüft was?

  • Die Überwachungskommission prüft, ob die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), also die Koordinierungsstelle bei Organtransplantationen, ihre Aufgaben bezüglich der Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen den gesetzlichen Vorgaben entsprechend erfüllt hat.
  • Die Prüfungskommission kontrolliert, ob die Vermittlungsentscheidungen der Stiftung Eurotransplant unter Einhaltung der Gesetze und der Allokationsrichtlinien erfolgt sind.
  • Beide Kommissionen werden gemeinsam von Bundes­ärzte­kammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen getragen.

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