ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Digitale Arztpraxis: Arztbriefe direkt aus der Praxis-EDV

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Digitale Arztpraxis: Arztbriefe direkt aus der Praxis-EDV

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1732 / B-1490 / C-1422

Krüger-Brand, Heike E.

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Über den verschlüsselten Kommunikationskanal KV-Connect können Ärzte und Psychotherapeuten Nachrichten und Daten sicher elektronisch austauschen.

Foto: picture alliance
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Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wollen das KV-SafeNet als hardwarebasierte VPN-Anbindung an das sichere Netz der KVen (SNK) in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Auch das KV-FlexNet als Software-VPN wird weiterhin angeboten, allerdings werden die KVen die Ärzte auf die damit verbundenen höheren Sicherheitsrisiken hinweisen. Derzeit seien etwa 43 000 Ärzte über diese beiden Anbindungswege an das SNK angeschlossen und nutzten Dienste darüber, berichtete Bernd Greve, der bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für den IT-Bereich zuständige Dezernent, beim traditionellen Anbietermeet-ing für die Softwarehäuser in Berlin. „Ein größeres einheitliches Gesundheitsnetz ist zumindest derzeit nicht etabliert.“ Einige KVen haben zudem Förderprogramme zu KV-SafeNet beschlossen, so etwa aktuell in Bayern und Hessen, um die Verbreitung zu erhöhen.

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Das KV-WebNet – der Sammelbegriff für die geschützten Online-Portale der KVen – soll aus Sicherheitsgründen nach einer Übergangsfrist Mitte 2015 abgeschaltet werden, so dass dann die Online-Awendungen nur noch im SNK angeboten werden, erklärte Greve. Unter Datenschutzaspekten ist das KV-WebNet kein Verfahren mehr, das für die Übertragung von Abrechnungsdaten oder gar medizinischen Daten geeignet ist.

Migration von D2D auf KV-Connect

Zudem soll die „Anwendungslandschaft“ stärker konsolidiert werden, kündigte Greve an, auch wenn das „mit 17 KVen nicht immer einfach ist“. So soll etwa D2D, der mit circa 10 000 Praxen vor allem in den KVen Nordrhein, Bayern, Baden-Württemberg, Bremen und Westfalen-Lippe verbreitete Kommunikationsdienst, mit dem im Jahr 2013 immerhin fünf Millionen Nachrichten versandt wurden, auf den Kommunikationskanal KV-Connect migriert werden (Kasten). Dieser Prozess soll bereits Mitte Februar 2016 abgeschlossen sein.

Der Hintergrund: Viele D2D-Anwender nutzen immer noch die veraltete ISDN-Technologie als Online-Zugang. Dies führt bei der notwendigen Umstellung vom Betriebssystem Windows XP (dessen Support Microsoft schon im April 2014 eingestellt hat) auf Windows 7 zu erheblichen Problemen. Daher werde die KV Nordrhein den ISDN-Zugang auf ihren D2D-Server spätestens Ende Juni 2015 abschalten, erklärte Gilbert Mohr, Leiter der Stabsstelle IT in der Arztpraxis der KV.

Neben den spezifischen Online-Diensten der KVen, wie etwa der Online-Abrechnung, laufen im SNK bereits verschiedene Mehrwertanwendungen, so zum Beispiel die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) oder die Dokumentation von Krebserkrankungen in Nordrhein-Westfalen.

Auch für telemedizinische Anwendungen kann das SNK genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist laut Greve der elektronische Arztbrief. „Wenn der Gesetzgeber die Möglichkeit der Finanzierung über eine EBM-Ziffer vorsieht, warum sollte man das SNK nicht nutzen, um einen Einstieg in die Vernetzung hinzubekommen“, meinte Greve. Aus Sicht von KBV und KVen ist das SNK für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten daher alternativlos: „Wir brauchen schon heute für den KV-Bereich ein Netzwerk, das vom Internet abgeschottet ist, denn der Arzt darf nicht einfach mit dem Praxis-PC ungeschützt ins Internet“, betonte Greve. Klar sei aber auch, dass eine Vernetzung über den KV-Sektor hinaus sinnvoll sei, etwa mit Krankenhäusern, Apotheken und Zahnärzten. Hierfür sei die künftige Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) geeignet.

Das Risiko einer Parallelentwicklung besteht dabei aus KBV-Sicht nicht: „Es gibt keine Parallelität in der Anbindung, sondern wir docken uns als KV-System an die TI an. Wenn die Erprobung der TI erfolgreich verläuft, werden alle Praxen, die einen KV-SafeNet-Router haben, diesen gegen einen gematik-Konnektor tauschen. Die TI ist die zentrale Plattform, die eigene Anwendungen anbietet, insbesondere die, die der Gesetzgeber vorgesehen hat. Daneben ist Platz für die einzelnen Sektoren, die auch eigene Anwendungen anbieten können“, erläuterte Greve.

KV-Connect für die sichere Kommunikation

Um den sicheren Datenaustausch in den Arztpraxen voranzubringen, hat die KV Telematik GmbH, eine 100-prozentige Dienstleistungstochter der KBV, den Kommunikationskanal KV-Connect innerhalb des SNK um eine wichtige Funktion erweitert: Erstmals können Ärzte neben der Online-Abrechnung und dem E-Mail-Dienst direkt aus ihrer Praxissoftware heraus auch standardisierte elektronische Arztbriefe (eArztbriefe) an andere Ärzte versenden. Das spart Zeit und erhöht die Sicherheit der Kommunikation, die für sensible Patientendaten gefordert wird.

Dazu hat das Unternehmen zusammen mit den KVen und den Praxissoftwareherstellern eine Spezifikation erstellt, die allen Softwarehäusern zur Implementierung in ihre Praxisverwaltungssysteme zur Verfügung steht. Einige Anbieter haben diese Spezifikation bereits in ihren Systemen umgesetzt. Das Interesse daran sei groß, berichtete Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH. Einige KVen hätten sich zudem bereit erklärt, den eArztbrief finanziell zu fördern.

Dies scheint auch nötig, denn derzeit arbeiten erst 1 400 Nutzer aktiv mit KV-Connect. Allerdings sind Fuhrmann zufolge bereits 27 000 Konten ohne Zertifikat eingerichtet und müssten nur noch durch die Ärzte aufgerufen werden. Durch Vereinfachung der Anmeldeprozesse soll KV-Connect künftig möglichst rasch für die Ärzte nutzbar sein.

Der Vorteil von KV-Connect: „Der Austausch ist unabhängig von Hersteller und verwendetem System“, erläuterte Fuhrman. Dabei besteht für die Patientendaten höchste Datensicherheit, da der Kommunikationskanal verschlüsselt ist und über das SNK läuft. „Die Vernetzung im Gesundheitswesen unter Wahrung der Datensicherheit ist gerade in vollem Gange. Genau das bietet unser eArztbrief den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, Ärztenetzen sowie Krankenhäusern“, betonte Fuhrmann. Zudem ist der eArztbrief interoperabel, das heißt, die unterschiedlichen Praxisverwaltungssysteme der Ärzte arbeiten nahtlos beim Austausch der Informationen zusammen. Das gilt ebenso für Krankenhausinformationssysteme, die KV-Connect integriert haben.

Labordatentransfer als nächste Baustelle

Ein zentrales Thema für das Jahr 2015 ist darüber hinaus die Labordatenkommunikation. „Da stecken wir jetzt sehr viel Arbeit hinein, denn der Labordatentransfer über KV-Connect ist eine Lücke, die wir noch schließen müssen“, kündigte Fuhrmann an.

Katrin Berger vom Qualitätsring Medizinische Software e.V. berichtete von der Überarbeitung der Schnittstelle für den Labordatenaustausch (LDT). Die KBV gibt zwar regelmäßig Updates für den LDT heraus, eine grundsätzliche Überarbeitung der Schnittstelle ist jedoch seit 20 Jahren nicht erfolgt. Änderungsbedarf ergab sich vor allem für Funktionen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der KBV, etwa bei Privatabrechnungen, Hausarztverträgen und individuellen Gesundheitsleistungen, denen mit der Überarbeitung Rechnung getragen werden soll. „Es muss zum Beispiel einfach möglich sein, innerhalb eines Untersuchungsauftrages auf einen Selektivvertrag zu verlinken oder eine individuelle Gesundheitsleistung abzurechnen, wenn der Patient das so möchte“, erläuterte Berger.

Der LDT 3.0 soll künftig pro Auftrag mehrere Untersuchungen und Materialien sowie eine exakte Abrechnungszuordnung je Untersuchung ermöglichen. Außerdem sind digitale Signaturen für Aufträge und Befunde vorgesehen, so dass daraus rechtssichere Dokumente werden, die auch revisionssicher archiviert werden können. Schließlich sei es eines der nächsten großen Ziele, in der Laborkommunikation vom Papier wegzukommen, unterstrich Berger. Zudem kann künftig die Herkunft der Materialien angegeben werden. Objekte für häufig gebrauchte Fachbereiche wie Zytologie, Pathologie, Transfusionsmedizin sind enthalten. Auch wird die Mikrobiologie stärker mit berücksichtigt.

Anfang 2015 soll der neue LDT-Standard zur Verfügung stehen. Mitte 2015 will die KBV mit der Zertifizierung beginnen. Transportstandard für den LDT 3.0 wird KV-Connect.

Heike E. Krüger-Brand

sicher Kommunizieren

KV-Connect ist ein besonders geschützter verschlüsselter Kommunikationskanal, über den niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten Nachrichten und medizinische Daten direkt aus ihrer Praxissoftware heraus versenden können. Mit einer elektronischen Signatur wird dabei zusätzlich sichergestellt, dass die Daten während des Transports nicht verändert werden. KV-Connect ist in allen zertifizierten Praxisverwaltungssystemen verpflichtend integriert und nutzt als Infrastruktur das sichere Netz der KVen (SNK). Der Zugang ist über einen KV-SafeNet- oder auch KV-FlexNet-Anschluss möglich. Ärzte müssen sich zur Registrierung für KV-Connect an ihre KV wenden.

Anwendungen: Derzeit stehen folgende Dienste via KV-Connect bereit:

  • 1-Click-Abrechnung (Online-Abrechnung)
  • eNachricht („freie“ E-Mail)
  • standardisierter eArztbrief

Ausbau: 2015 sollen weitere Spezifikationen folgen, so etwa eDMP, Labordatentransfer, DALE-UV (Online-Meldeverfahren von Arbeitsunfällen an die Berufsgenossenschaften), eBI (elektronische Behandlungsinformation der Knappschaft) und das Projekt zur Arznei­mittel­therapie­sicherheit ARMIN. Zudem sollen weitere Nutzergruppen einbezogen werden.

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