ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2014Randnotiz: Die Ideologie vom Essen

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Randnotiz: Die Ideologie vom Essen

Dtsch Arztebl 2014; 111(41): A-1723 / B-1483 / C-1415

Korzilius, Heike

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Neulich in der Fußgängerzone: Kurz hinter dem Stand der Salafisten, die die Passanten mit dem Motto „Lies“ auffordern, sich mit dem Koran auseinanderzusetzen, findet man sich plötzlich Auge in Auge mit einem Ferkel wieder, das einen von einem Plakat herab vorwurfsvoll anschaut. Die Überschrift hier: „Schau ihm in die Augen! Dein Schnitzel stammt aus diesem Tier!“ Die veganische Bewegung will ihre Mitmenschen bekehren.

An sich ist es ja begrüßenswert, dass die Verbraucher sensibler werden und sich um die Qualität ihrer Nahrungsmittel und deren Produktion sorgen, dass das Kriterium „möglichst gut“ das „Hauptsache billig“ abgelöst hat – zumindest bei den Konsumenten, die sich das leisten können. Es ist schließlich nicht egal, ob das Ferkel auf dem Plakat im Hof im Dreck scharren und schnüffeln darf oder auf engstem Raum mit Tausenden anderen industriell und unter Einsatz jeder Menge Medikamente „turbo-gezüchtet“ wird.

Die „Lasst uns leben“-Aktion der Veganer aber weist auf einen aktuellen Trend: Essen wird zur Weltanschauung. In diesem Fall geht es um ein Leben völlig ohne Fleisch und tierische Produkte wie Leder. Frutarier wiederum wollen auch Pflanzen nicht oder möglichst wenig schädigen und essen deshalb vor allem Fallobst und Nüsse. Doch auch für viele Vegetarierer ist ihre Diät eine Art Lebensphilosophie, wonach man sich vegetarisch nicht nur gesund ernährt, sondern auch zu geistiger Balance findet.

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Macht man sich deshalb als Flexitarier, der einfach Wert auf gesundes Essen legt, schuldig, wenn man (beim Biometzger) für das Schnitzel „Wiener Art“ einkauft? Am 1. Oktober war übrigens Weltvegetariertag.

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