ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Chronikerprogramme: Entscheidung gegen Depression in der Kritik

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Chronikerprogramme: Entscheidung gegen Depression in der Kritik

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 436

Bühring, Petra

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Der ehemalige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA), Dr. Rainer Hess, bedauert die Entscheidung des obersten Gremiums der ärztlichen Selbstverwaltung, Depression nicht als Disease-Management-Programm (DMP) aufzulegen. „Ein strukturiertes Behandlungsprogramm Depression würde einen Prozess zur Verbesserung der Behandlungsqualität einleiten“, sagte Hess bei dem Kongress „Psychische Gesundheit 2030“ am 18. September in Berlin.

Rund vier Millionen Menschen mit einer behandlungsbedürftigen Depression gibt es in Deutschland.Foto: iStockphoto
Rund vier Millionen Menschen mit einer behandlungsbedürftigen Depression gibt es in Deutschland.
Foto: iStockphoto

Der G-BA hatte zuvor angekündigt, vier chronische Erkrankungen auf ihre Eignung als DMP überprüfen zu wollen. Die Entscheidung gegen Depression begründete der G-BA unter anderem mit der Überarbeitung der Psychotherapie-Richtlinie, die Vorrang habe. Außerdem gebe es keine evaluierten Selbsthilfeprogramme für Depressionspatienten.

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Hess räumte ein, dass es akute Versorgungsprobleme gebe, die man vor der Einführung eines DMP lösen sollte. Außerdem würden die Hausärzte mit der Koordinatorenfunktion bei einem zusätzlichen DMP Depression womöglich überfordert und auch die Schulungsprogramme seien recht aufwendig. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass psychische Erkrankungen nicht aus den Chronikerprogrammen ausgeklammert werden dürften. Über den Kooperationsverbund Gesundheitsziele.de, dessen Vorsitzender Hess auch ist, will er „nicht lockerlassen, sich in die Arbeit des G-BA einzumischen“. Ein nationales Gesundheitsziel ist es, Depression frühzeitig zu erkennen und nachhaltig zu behandeln. Darüber hinaus sei es dringend notwendig, die Fortbildung der Ärzte auf der Grundlage der Nationalen Versorgungsleitlinie Depression von 2010 zu intensivieren. Prof. Dr. Dr. Martin Härter, Hamburg, machte bei dem Kongress darauf aufmerksam, dass „40 Prozent der Hausärzte diese S3-Leitlinie zur unipolaren Depression nicht kennen“. PB

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