ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Randnotiz: Moral ist ansteckend

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Randnotiz: Moral ist ansteckend

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 437

Klinkhammer, Gisela

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Wie häufig sind moralische Taten und Erfahrungen im täglichen Leben? Welche Rolle spielen dabei Religiosität und politische Einstellung? Und macht Moral glücklich? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Kölner Psychologe Prof. Dr. Wilhelm Hofmann in einer Studie, die jetzt im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurde (doi:10.1126/ science.1251560). Drei Tage lang sandte Hofmann 1 200 Teilnehmern jeweils fünf SMS mit der Bitte, in einem Onlinefragebogen Auskunft zu geben, welches moralische oder unmoralische Verhalten sie in der letzten Stunde selbst an den Tag gelegt oder beobachtet hatten. Es ging dabei, so Hofmann, um „Ereignisse, die mit Fürsorge beziehungsweise Schädigung zu tun hatten – die wichtigste Grunddimension moralischen Verhaltens und Urteilens“.

Eines der Ergebnisse seiner Studie: Moral ist ansteckend, oder anders ausgedrückt: Gutes tut, wem Gutes widerfährt. Wenn die Versuchsteilnehmer also Ziel einer moralischen Tat waren, steigerte dies die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst Gutes taten. Die These, dass religiöse Menschen mehr moralische Taten vollbringen als nichtreligiöse, konnte durch die Studie nicht gestützt werden. So fanden die Forscher keinerlei Unterschiede in der durchschnittlichen Häufigkeit begangener moralischer und unmoralischer Taten zwischen religiösen und nichtreligiösen Teilnehmern. Ebenso wenig Einfluss auf die Moral hatte die politische Einstellung der Versuchsteilnehmer.

Am glücklichsten waren sie übrigens, wenn sie selbst Adressaten der moralischen Taten anderer waren. Dagegen verliehen die eigenen moralischen Taten am meisten Sinn.

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