ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Psychisch Kranke: Lebenssinn mit Hilfe von Psychotherapie erkennen

Referiert

Psychisch Kranke: Lebenssinn mit Hilfe von Psychotherapie erkennen

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 449

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Im Gegensatz zu Gesunden sehen psychisch Kranke wenig Sinn im Leben. Dass dies ein Symptom bei vielen psychischen Erkrankungen, besonders aber bei Depressionen ist, fanden deutsche Psychologen heraus, indem sie 214 psychisch erkrankte, stationäre Patienten mit 856 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Beide Gruppen sagten aus, dass ihnen die Familie am meisten Sinn im Leben vermittelte. Darüber hinaus waren für die Patienten vor allem Partnerschaften und Freundschaften sinnstiftend, während die Kontrollpersonen auch Sinn aus ihrer Arbeit und ihren Freizeitaktivitäten zogen. „Die Psychotherapien, die mit den Patienten während ihres stationären Aufenthalts durchgeführt wurden, halfen den Patienten dabei, wieder mehr Sinn in ihrem Leben zu erkennen“, berichten Volkert und Kollegen. Diese Verbesserung war auch noch sechs Monate später festzustellen. Der Effekt stellte sich ein, obwohl die Psychotherapien nicht explizit den Sinn im Leben thematisierten. Aufgrund des positiven Zusammenhangs zwischen Lebenssinn und psychischer Gesundheit fordern die Autoren, den Lebenssinn in psychotherapeutischen Behandlungen stärker als bisher zu beachten und darauf hinzuarbeiten, dass Patienten wieder Antworten auf die Frage „Was soll ich mit meinem Leben anfangen?“ finden können. Anregungen hierzu kann beispielsweise die „Meaning Therapy“ von Paul Wong geben. Dieser therapeutische Ansatz betont die Wichtigkeit von Lebenssinn und Beziehungen und integriert verschiedene Vorgehensweisen, wie zum Beispiel kognitive, psychodynamische und psychoedukative Techniken. Er versteht sich als ganzheitlich und ressourcenorientiert und kann der positiven Psychotherapie zugeordnet werden. ms

Volkert J, Schulz H, Brütt AL, Andreas S: Meaning in life: Relationship to clinical diagnosis and psychotherapy outcome. Journal of Clinical Psychology 2014; 70(6): 528–35.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema