ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Mitgefühl: Zu viel Abstand
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Diesen Artikel empfinde ich als zwischenzeilig gruselig und insgesamt sehr ärgerlich. Am Anfang steht einiges über Menschen drin und Mitgefühl, „sie“ streben danach, „sie“ brauchen das, und wenn „sie“ es nicht kriegen, gehen sie kaputt. Gut zu wissen, aha, Menschen sind soziale Lebewesen, wieder was gelernt.

(...) Oder geht es um „uns“ Menschen und um das, was „wir“ brauchen? Wie kommt jemand zu einem solch weiten Abstand? Ist das hilfreich, nützlich oder sinnvoll?

Sich mit dem Thema Scham zu befassen, ist wichtig und nützlich. Es gibt ein paar einzelne gute Bücher dazu, zum Beispiel: „Vom Schämen und Beschämt werden“ Udo Baer/Gabriele Frick-Baer, „Die Würde des Menschen oder Der blinde Fleck in unserer Gesellschaft“ von Stephan Marks und „Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“, Joachim Bauer.

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Im Text wird weiter darauf hingewiesen, dass die Compassion Focused Therapy (CFT) sowohl eigenständig als auch integrativ eingesetzt werden kann. Mitgefühl wird „angewendet“ und „eingesetzt“. Wie schön. Wir dürfen darauf hoffen, dass es bald auf Krankenschein erhältlich sein wird. Wie es allerdings dosiert wird und ob es sich um organisches, natürliches Mitgefühl handelt oder um einen synthetischen Abklatsch, ist die Frage.

Im Ernst: Wer als traumatisierter Mensch mit therapeutischem „Mitgefühl“ behandelt wird, fühlt sich früher oder später verarscht. Und retraumatisiert. Mitgefühl? Ja, es hat all diese wunderbaren heilsamen Wirkungen. Zeitgeist? Klar, Mitgefühl ist ganz neu und total trendy wie eben Buddhismus und Neues Testament auch. Im Text wird darauf hingewiesen, dass Mitgefühl auch die Arbeitsfähigkeit erhöht. Das ist wichtig. Ein paar Leute werden mit CFT erfolgreich und verdienen Geld, die Patienten werden „behandelt“ und gehen schneller wieder arbeiten. Und alles ist wieder gut. (...)

Ellen Ermert, 10559 Berlin

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