ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Selbstunsichere Persönlichkeit: Hartnäckigkeit und Geduld sind gefragt

BÜCHER

Selbstunsichere Persönlichkeit: Hartnäckigkeit und Geduld sind gefragt

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 467

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Im Band 6 der Buchreihe „Praxis der Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen“ wird die selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (SU) behandelt, bei der der Kern der Problematik in der Verunsicherung hinsichtlich der sozialen Akzeptanz besteht. Grundsätzlich besteht weiterhin die Kontroverse, ob es sinnvoll ist, eine SU von einer sozialen Phobie oder generalisierten sozialen Ängstlichkeit abzugrenzen. In einer klinisch-psychologischen Perspektive unterscheidet das Autorenteam Klienten nach zwei Arten von SU: Bei Personen mit allgemeiner SU ist eine generalisierte soziale Verunsicherung festzustellen, während bei Personen mit spezifischer SU Befürchtungen im Mittelpunkt stehen, die die Kontaktaufnahme zu engen Kontaktpersonen betreffen. Dann wird die Störungstheorie behandelt. Die zentralen Motive nach Anerkennung und Wertschätzung und nach Wichtigkeit werden beschrieben.

Die Schemata von Personen mit SU enthalten viele versteckte Annahmen, die im therapeutischen Prozess mühsam zur Sprache gebracht werden müssen, denn mit diesen impliziten Annahmen sind hoch dysfunktionale Vorstellungen verbunden, die zu sehr ungünstigen Handlungen führen. Die Herausarbeitung und Bearbeitung dysfunktionaler Schemata steht dann auch im Zentrum der therapeutischen Strategien. Hartnäckigkeit und Geduld sind als Qualitäten des Therapeuten gefragt, um den Patienten immer mehr Differenzierungen seiner Sichtweisen entwickeln zu lassen. Mit der Methode des Ein-Personen-Rollenspiels kann der Patient auf der Therapeuten-Position einen Perspektivwechsel vollziehen und Änderungsmotivation entwickeln. Häufig ist ein soziales Kompetenztraining bei Personen besonders wichtig, die soziale Interaktionen lange Zeit vermieden haben.

Anzeige

In einem eigenen Kapitel geht es um das Thema, wie Therapeuten gut mit Beziehungsangeboten selbstunsicherer Klienten umgehen können. Beziehungsintentionen des Patienten müssen angesprochen und geklärt werden, sonst droht die Psychotherapie wirkungslos zu werden. Joachim Koch

Rainer Sachse, Jana Fasbender, Meike Sachse: Klärungsorientierte Psychotherapie der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung. Hogrefe, Göttingen 2014, 93 Seiten, kartoniert, 22,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema