ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2014Borderline-Persönlichkeitsstörung: Sinnvolle Weiterentwicklung

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Borderline-Persönlichkeitsstörung: Sinnvolle Weiterentwicklung

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 470

Behrens, Stefan

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Bereits im Vorwort stellt Wolfgang Wöller die wichtige Frage zur Diskussion, ob es noch eines weiteren Therapiekonzeptes zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung bedarf, obwohl es doch bereits mehrere und mehrfach auf wissenschaftliche Evidenz überprüfte sowie etablierte gibt. Bereits in seinem Buch „Trauma und Persönlichkeitsstörung“ von 2013 beschreibt er die Ressourcenbasierte Psychodynamische Therapie (RPT) und gibt damit einen wichtigen Fingerzeig auf die Fokussierung komorbider und komplexer Traumatisierungen im psychotherapeutischen Prozess, die die Pathogenese zumindest begleiten oder gar verstärken. Somit soll sich eine sinnvolle Erweiterung durch die Kombination bisheriger Therapieansätze mit der RPT ergeben.

Das Buch „Bindungstrauma und Borderline-Störung“ ist nun die Weiterentwicklung und umfassende Darlegung dieser Therapiemethode sowie der Behandlungstechnik. In gewohnt gut verständlicher didaktischer Manier, wenn auch später in den beispielhaften Therapiegesprächen etwas überzeichnet adaptiv konstruiert, werden zunächst die allgemeinen psychodynamischen Grundlagen hinsichtlich der Borderline-Störung und der strukturellen Defizite dargestellt. Darauf, anhand der Einordnung in das Feld aktueller Borderline-Therapien, enthebt sich die RPT aufgrund des hohen Integrationsniveaus hinsichtlich schulenübergreifender Interventionstechniken – wie beispielsweise EMDR oder Klopftechniken aus der Energetischen Psychologie – der zuvor vermuteten, vermeintlich adjuvanten Rolle.

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Kernstück der RPT bildet ein fünfstufiges Phasenmodell. Eng an die defizitären Strukturdimensionen der Borderline-Störung gelehnt, ergibt sich ein Aufbau des therapeutischen Verlaufs über eine Halt und Sicherheit gebende therapeutische Beziehung, die vermeintliche Bedrohungsgefühle reduziert (Phase eins), um sich darauf den Affekten gemeinsam besser nähern und Positivierungen möglich machen zu können (Phase zwei). Beinhaltete die dritte Phase 2013 „lediglich“ die Stärkung und Entwicklung der Mentalisierungsfähigkeiten, so wurde diese nun um weitere Techniken zur Stärkung der defizitären Ich-Funktionen erweitert. Die „schonende Traumabearbeitung“ bildet die vierte, die Bearbeitung der Konflikte sowie die Aufarbeitung der maladaptiven Beziehungsmuster die fünfte und abschließende Therapiestufe.

Der Autor selbst schließt mit einem recht flüchtigen Einblick in die Therapie schwerwiegender, komorbider Störungen, wie etwa dissoziativer oder Essstörungen, in den Einbezug der Familie, des Partners und gruppenpsychotherapeutische Hinweise.

Die praktische Anwendung der RPT am Beispiel der Rhein-Klinik Bad Honnef in der teamorientierten Stationsarbeit wird ad finem von der dort durchführenden Psychotherapeutin, der Fachärztin sowie der zuständigen Krankenpflegerin dargestellt.

Lesern mit bereits geschultem Überblick über die moderne psychodynamische Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung ergibt sich wohl vornehmlich durch die Phasentherapie und Betonung der Traumabehandlungsaspekte eine sinnvolle Erweiterung. Stefan Behrens

Wolfgang Wöller: Bindungstrauma und Borderline-Störung. Schattauer, Stuttgart 2014, 349 Seiten, gebunden, 49,99 Euro

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