ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/201425 Jahre Grünes Band: Über Grenzen zusammengewachsen

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25 Jahre Grünes Band: Über Grenzen zusammengewachsen

PP 13, Ausgabe Oktober 2014, Seite 471

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Der einstige „Todesstreifen“, der mit Wachtürmen, Stacheldraht und Selbstschussanlagen Ost- und Westdeutschland trennte, gilt heute als Nationales Naturerbe.

Zeitgeschichte und Naturerleben sind auf dem „Grünen Band“ untrennbar miteinander verbunden. Fotos: dpa
Zeitgeschichte und Naturerleben sind auf dem „Grünen Band“ untrennbar miteinander verbunden. Fotos: dpa

Über 1 393 Kilometer und durch 17 unterschiedliche Naturräume verläuft entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ein grünes Band, das ungeachtet seiner menschenverachtenden Geschichte ein Eigenleben entfalten konnte. „Es ist Deutschlands größter Biotopverbund“, erklärt Dr. rer. nat. Liana Geidezis. Die Biologin ist Leiterin des Projektbüros „Das Grüne Band“, das sich innerhalb des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) um Erhalt und Sicherung der Flächen am früheren Grenzstreifen kümmert. Die Initiative wurde unmittelbar nach der Öffnung der Grenzen von Naturschützern aus West und Ost ins Leben gerufen. Die Verbindung unterschiedlichster Lebensräume, von Brachflächen und Altgrasfluren über Pionierwälder bis zu Mooren und Gewässern, charakterisiert den Landstrich.

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Wo einst Wachtürme, Stacheldraht und Selbstschussanlagen den „antiimperialistischen Schutzwall“ der DDR bildeten, sind 87 Prozent der 177 Quadratkilometer großen Fläche naturnahe Landschaften. 150 Naturschutzgebiete liegen am Grünen Band oder schließen direkt dort an. „Und mehr als 1 200 seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten sind am Grünen Band heimisch geworden“, erklärt Liana Geidezis. Unter der Überschrift „Erlebnis Grünes Band“ sind die naturtouristischen Angebote zusammengefasst.

„Wir wollen keinen Käseglocken-Naturschutz“

Die Nachfrage sei erstaunlich groß, meint Liana Geidezis. „Wir wollen keinen Käseglocken-Naturschutz. Interessierte sollen das Grüne Band selbst erleben dürfen.“ Die Angebote zielen auf einen gelenkten Tourismus, der außergewöhnliche Einblicke gewähren soll. In drei Modellregionen ist das bislang möglich: im Elbe-Altmark-Wendland, im Harz sowie im Thüringer- und Frankenwald. Liana Geidezis betont, dass bei der touristischen Entdeckung dieser Regionen die Erinnerung an die Zeitgeschichte untrennbar mit dem Naturerlebnis verbunden ist.

Buchbar sind „Grenzerfahrungstouren“, Führungen über den ehemaligen Todesstreifen und der Besuch historischer Stätten, aber auch individuelle (Rad-)Wanderungen mit Audioguides, die dem Reisenden Natur und Geschichte nahebringen. Auch die Kooperation mit Grenzmuseen etwa in Teistungen im Eichsfeld, Point Alpha in der Rhön oder Mödlareuth, dem geteilten Dorf an der bayerischthüringischen Grenze, spielt bei den touristischen Angeboten eine wichtige Rolle.

In der Politik ist der hohe Stellenwert des Grünen Bandes inzwischen angekommen. Das Projekt ist Nationales Naturerbe. „Wenn man bedenkt, dass heute Menschen durch intakte Natur wandern, wo früher Stacheldraht und Selbstschussanlagen waren, dann kann ich sagen, dass sich die Arbeit für das Grüne Band gelohnt hat“, resümiert Liana Greidezis. Auch international wird das Projekt wahrgenommen. Seit 2002 arbeiten Naturschützer ausgehend von den Erfahrungen in Deutschland an der Vision eines Grünen Bandes Europa, das sich über die gesamte Länge des Eisernen Vorhangs, vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer, erstrecken soll. Informationen: www.erlebnisgruenesband.de Ulrich Traub

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