THEMEN DER ZEIT

Globale Gesundheit: Verbesserungen erwünscht

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1801 / B-1546 / C-1478

Ollenschläger, Philipp

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Verschiedene Verbände begrüßen das von der alten Bundesregierung vorgelegte Konzept zur Verbesserung der globalen Gesundheit, fordern aber Nachbesserungen.

Foto: iStockphoto
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Ein Jahr ist es jetzt alt. Kurz vor Beendigung ihrer Regierungszeit legte die schwarz-gelbe Koalition ein Konzept- und Strategiepapier mit dem Titel „Globale Gesundheitspolitik gestalten – gemeinsam handeln“ vor, in dem sie verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitsversorgung nannte. Drei Jahre hatten das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Auswärtige Amt sowie das Forschungsministerium an dem Konzept gearbeitet (siehe Kasten). Der damalige Ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) sagte dazu: „Grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren wie die Zunahme von Antibiotikaresistenzen, aber auch die gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltbelastungen und dem Klimawandel, machen deutlich: Nur wenn wir global handeln, können wir umfassenden gesundheitliche Schutz der Bevölkerung in Deutschland sicherstellen.“

Die Deutsche Plattform für globale Gesundheit (DPGG) hat kritisch zu dem Konzeptpapier Stellung genommen. Sie begrüßte zwar, dass die Bundesregierung die Dringlichkeit des Themas erkannt habe, allerdings seien in dem Papier zentrale gesundheitspolitische Probleme nicht hinreichend adressiert worden. Zudem gehe die Bundesregierung von einem „verkürzten Gesundheitsbegriff“ aus, heißt es in dem Positionspapier der DPGG. Das Handeln der Regierung ziele lediglich darauf ab, den Schutz der deutschen Bevölkerung zu sichern, und nicht gleichrangig den Schutz aller Menschen weltweit. Eine Gesundheitspolitik, die primär auf die Sicherung nationaler Territorien und Bevölkerungen etwa durch Abwehr grenzüberschreitender Gesundheitsgefahren ziele, vertrage sich nicht mit dem universellen Anspruch der Menschenrechte, zu dem sich die Bundesregierung bekenne. Globale Gesundheitspolitik müsse vielmehr Strategien zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage aller Menschen entwickeln und anwenden. Darüber hinaus sei der Ansatz, mit dem die Bundesregierung sich globaler Gesundheit nähere, zu „klinisch-medizinisch“. Dadurch gerieten die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen, die gesundheitsfördernd oder gesundheitsschädlich sein könnten, aus dem Fokus. Globale Gesundheitspolitik sei vor allem als eine soziale und gesellschaftspolitische Herausforderung zu verstehen. Das vorgelegte Konzept mache deutlich, wie weit der Weg zu einem umfassenden Verständnis von globaler Gesundheitspolitik und geeigneten politischen Strategien zur Verbesserung der weltweiten Gesundheit noch sei. Von nationalen und wirtschaftlichen Interessen getragene Ansätze gäben keine erfolgsversprechenden Antworten auf drängende Gesundheitsprobleme wie die Zunahme nicht-übertragbarer Krankheiten, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels oder das zunehmende Einkommensgefälle.

Mehr Engagement bei Lehre und Forschung

Ein stärkeres Engagement bei Lehre und Forschung über globale Gesundheit fordert die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) mit Blick auf das Konzept der Bundesregierung. Globale Gesundheit gehe über biomedizinische und pharmazeutische Forschung hinaus – im angelsächsischen Raum sei man weiter, was das interdisziplinäre Verständnis von globaler Gesundheit betreffe. In Deutschland sei die Forschung bislang unterrepräsentiert. Um dies zu ändern, müssten Lehrstühle für globale Gesundheit eingerichtet werden.

Der bvmd verweist auf die Auswirkungen nationaler gesundheitspolitischer Entscheidungen auf die Gesundheitssituation anderer Länder, zum Beispiel bei der staatlichen Regulierung von Arzneimittelpreisen. Im Konzeptpapier der Bundesregierung bleibe dieser Aspekt unerwähnt. Es müsse berücksichtigt werden, dass Gesundheit für alle nur mit einer sozial ausgeglichenen wirtschaftlichen Entwicklung in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen realisierbar sei. Die Medizinstudierendenvertretung fordert die Bundesregierung auf, eine verbesserte Transparenz bei globaler Gesundheitspolitik sicherzustellen. Dazu zähle insbesondere die Dokumentation von Positionen, Zielsetzungen und Beiträgen der Bundesregierung zu nationalen und internationalen politischen Prozessen und Debatten.

Philipp Ollenschläger

Darum geht es im Konzeptpapier der Bundesregierung

Das Konzept- und Strategiepapier der Bundesregierung sieht fünf Schwerpunkte in der globalen Gesundheitspolitik vor: den Schutz vor Gesundheitsgefahren, die Stärkung von Gesundheitssystemen, den Ausbau der Kooperation mit anderen Politikbereichen, die Förderung von Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft sowie die Stärkung der globalen Gesundheitsarchitektur. Deutschland wolle Verantwortung in der globalen Gesundheitspolitik wahrnehmen, indem Erfahrungen, Expertise und Finanzmittel zur Verbesserung der globalen Gesundheit bereitgestellt werden, heißt es in dem Konzeptpapier. Zusammen mit den internationalen Partnern könne man dazu beitragen, das Recht auf Gesundheit zu verwirklichen und damit allen Menschen Zugang zu umfassenden Gesundheitsdiensten zu ermöglichen.

Ganz konkret geht es darum, wie grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren wirksam bekämpft und Gesundheitssysteme weltweit gestärkt werden können. Außerdem müssten die deutsche Gesundheitsforschung und die Gesundheitswirtschaft Impulse für die globale Gesundheit setzen. Entscheidend für die globale Gesundheit sei auch der Zugang zu sicheren und wirksamen Arzneimitteln und Impfstoffen.

Eine zentrale Rolle wird der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in dem Konzept zuteil. Insbesondere bei der Bekämpfung von Infektionen, die vor Ländergrenzen keinen Halt machten, benötige man eine international gut abgestimmte Zusammenarbeit, sagte der ehemalige Ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr dem Deutschen Ärzteblatt anlässlich des World Health Summits 2013 in Berlin.

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