ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Vertragsarzt: Folgende Randbedingungen wären erforderlich
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Die KVen können derzeit die in diesem Artikel formulierten hehren Anforderungen an die Sicherstellung der freien Ausübung des Arztseins zum Wohle aller Kranken ohne ökonomische Zwänge einerseits und unter Verzicht auf das Streben nach Gewinnmaximierung andererseits nicht wirklich sicherstellen. Um das zu ändern, wären folgende Randbedingungen erforderlich (wobei die Auflistung nur als spontaner Denkanstoß zu werten ist):

  • Die Übernahme einer Kassenpraxis geht einher mit dem Verbot jeglicher privatärztlicher Tätigkeit. Jedem „Kassenarzt“ wird, gemessen am durchschnittlichen Patientendurchsatz seiner Fachgruppe oder anderen Kriterien, das Netto-Einkommen eines Oberarztes im Krankenhaus garantiert.
  • Die Gründung einer Privatpraxis außerhalb des KV-Systems geht einher mit dem Verbot, Kassenpatienten zulasten der GKV (auch anteilig) zu behandeln.
  • Die erforderliche technische Grundausstattung einer Praxis wird je nach Fachgebiet normiert. Die erforderlichen Gerätschaften werden von den KVen unter Nutzung ihrer Nachfragemacht beschafft und der Praxis bei Gründung/Übernahme kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der technische Fortschritt in Diagnostik und Therapie sowie zusätzliche Qualifikationen werden als Kriterium der Normierung herangezogen.
  • Jeder gesetzlich Versicherte hat freien Zugang zu jedem Arzt. Die wohl nach wie vor erforderliche Kopfpauschale für jeden Patienten („Entschädigung“) wird ohne Obergrenze gezahlt. Damit einher geht das Gebot, dass eine zweite Praxis der selben Fachrichtung nur mit zwingendem Grund und nur auf Überweisung vom Versicherten in Anspruch genommen werden kann und darf, es sei denn, es handelt sich um eine Privatpraxis (siehe 2.) – Vermeidung von Ärztehopping.
  • Die KBV legt fest, dass Medikamente ausschließlich als Wirkstoff verordnet werden. Es obliegt den Apotheken, das preiswerteste Medikament abzugeben. Ärzte werden nicht regressiert, bei „Ausreißern“ erfolgt eine Analyse/Beratung unter Berücksichtigung aller möglicher Einflussgrößen.

Die positive Folge: Der einzelne „Kassenarzt“ müsste nicht in Wettbewerb treten mit Praxen, die „toll ausgestattet“ sind – weil sie sich über den Anteil an Privatpatienten quersubventionieren, oder der Betreiber aus anderen Quellen über entsprechende finanzielle Mittel verfügt. Er wäre nicht Angestellter, sondern wie bisher Selbstständiger – aber mit beschränktem Risiko.

Wer sich diesen Beschränkungen nicht unterwerfen will, kann seine Praxis als „Privatarzt“ und freier Unternehmer mit allen Chancen und Risiken betreiben.

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Dr. Donald O. Schramm, 37170 Uslar

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