ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Hausärztemangel: Initiative reicht nicht aus

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Hausärztemangel: Initiative reicht nicht aus

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1786

Hillienhof, Arne

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Alle bislang gestarteten Initiativen zur Förderung der Allgemeinmedizin reichen nicht aus, um den Bedarf an Hausärzten in den nächsten Jahren zu decken. So lautet das Fazit einer neuen Studie der Wissenschaftler des Versorgungsatlas. Danach gehen in den kommenden fünf Jahren bundesweit rund 13 000 Hausärzte in den Ruhestand. Statistisch gesehen wird jedoch nur jeder Zweite einen Nachfolger für seine Praxis finden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat anlässlich dieser Zahlen ihre Forderung nach einer bundesweiten Stiftung zur Förderung der ambulanten Medizin bekräftigt.

2009 haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Spitzenverband der Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft in Abstimmung mit der Bundes­ärzte­kammer und dem Verband der Privaten Kran­ken­ver­siche­rungen ein Förderprogramm Allgemeinmedizin aufgelegt. Ziel war die finanzielle Förderung von mindestens 5 000 Weiterbildungsstellen pro Jahr für Allgemeinmediziner. Hinzu kamen zahlreiche weitere Initiativen einzelner Bundesländer, der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammern.

Laut der Studie haben diese Bemühungen zwar Wirkung gezeigt – diese reichen aber nicht aus. Die Wissenschaftler des Versorgungsatlas haben in ihrer Studie die regionalen Auswirkungen der Förderprogramme in den Jahren 2010 bis 2012 bundesweit untersucht.

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„Die Zahl der im Förderprogramm weitergebildeten Fachärzte für Allgemeinmedizin nahm um knapp 20 Prozent zu“, schreiben die Forscher um Jörg Bätzing-Feigenbaum, dem Leiter des Versorgungsatlas. 2010 waren 1 809 Ärzte in der Weiterbildung Allgemeinmedizin, 2012 waren es 2 156. „Der Beitrag des Förderprogramms reicht angesichts der Größenordnung des zu lösenden Problems nicht aus“, betonen die Versorgungsforscher.

Den jährlich durchschnittlich etwa 2 600 Hausärzten, die in den nächsten fünf Jahren in Ruhestand gingen, stünden pro Jahr knapp 1 400 neu anerkannte Allgemeinmediziner gegenüber. „Das Förderprogramm hat die Zahl der jungen Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin stabilisiert, es konnte das Problem aber nicht aus der Welt schaffen“, sagte der Sprecher der KBV, Roland Stahl, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Es seien daher weitere zusätzliche Initiativen nötig, um den Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu gewinnen. Ein Modell sei die seit 2009 in Thüringen bestehende Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung. Sie vergibt unter anderem Stipendien an Ärzte, die sich verpflichten, sich später in dem Bundesland niederzulassen.

Arne Hillienhof

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