ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Wechsel der Hausbank: Nichts überstürzen

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Wechsel der Hausbank: Nichts überstürzen

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1820 / B-1558 / C-1490

Vetter, Michael

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Spannungen zwischen Ärzten und Banken sollten seitens des Kunden nicht zu unüberlegten Handlungen führen.

Der Anruf erfolgte für Sebastian M., Arzt in Niedersachsen, zum richtigen Zeitpunkt: Nach kürzlich erfolglos geführten Kreditverhandlungen mit seiner langjährigen Hausbank (es konnte keine Einigung über Kredithöhe und Zinssatz erzielt werden) freute er sich über das „große Interesse an einer Geschäftsverbindung“, das ihm nun der Mitarbeiter eines privaten Bankinstitutes signalisierte. Zwar arbeitet der Arzt seit vielen Jahren mit der örtlichen Sparkasse zusammen, eine Verlagerung eines Großteils seiner Aktivitäten schließt er aber wegen der doch allzu pauschalen Ablehnung seines Kreditwunsches („Anforderungen an die bankinternen Kreditvergaberichtlinien“) jetzt nicht mehr aus.

Die neue Bank kennenlernen

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Während des Telefongesprächs stellte der Mitarbeiter der privaten Bank heraus, dass ihm M’s Praxis „als vorbildlich geführt“ empfohlen wurde. Von wem er diese Information erhielt, verriet er nicht. Auch bei seinen weiteren Äußerungen blieb er im Allgemeinen. So bezeichnete er seinen Arbeitgeber als „kompetenten Gesprächspartner in sämtlichen Bankgeschäften“ und als „Problemlöser in Finanzangelegenheiten der Medizinbranche“. Weiterführende Einzelheiten würde er gern in einem persönlichen Gespräch mit M. bereden. M. ist nach diesem Gespräch skeptisch. Daran ändert auch der aktuelle Ärger mit seiner Hausbank nichts. Er erstellt eine detaillierte Liste mit Punkten, die er im Gespräch mit der neuen Bank geklärt haben will: Zunächst einmal interessiert ihn die Beantwortung der Frage nach der Quelle, die der Empfehlung seiner Praxis zugrunde liegt. Wichtig ist für M. zu erfahren, ob es sich um eine örtliche Empfehlung handelt, auf die er gegebenenfalls Einfluss nehmen kann, oder ob es sich beispielsweise um das Abarbeiten einer von der Bank selbst aus öffentlichen Quellen zusammengestellten Liste von Arztpraxen handelt, die in der Region tätig sind und die als interessant für eine mögliche Geschäftsverbindung gelten. Darüber hinaus ist M. neugierig auf die konkreten Angebote dieser Bank, die sich naturgemäß auf die Besonderheiten der Medizinbranche beziehen sollten. Ebenso wichtig sind für ihn die Entscheidungswege der Bank. Von seiner Hausbank ist er hier bei konkreten Ansprechpartnern kurze Zeiträume gewohnt. Ein sehr wichtiges Kriterium innerhalb einer konstruktiven Zusammenarbeit ist für M. auch die Transparenz bei Kreditentscheidungen. Das gilt sowohl für Details seines Ratings oder Scorings, also seiner Kreditbeurteilung, als auch für das Nachvollziehen von Veränderungen bestimmter Faktoren wie Zinssätze oder Gebühren. Das gilt auch für die Bereitstellung von Kreditsicherheiten. Auf der anderen Seite wäre M., das entspricht ebenso der bisherigen Übung mit seiner Hausbank, seinerseits selbstverständlich ebenfalls zu umfangreicher Transparenz bei Zahlen zu seiner wirtschaftlichen Lage bereit.

Schrittweise vorgehen

M. sieht sich für das Gespräch gut vorbereitet. Sollte sein Gesprächspartner nach Einzelheiten zu seiner wirtschaftlichen Lage fragen, wird sich M. zunächst weitgehend zurückhalten. Sollte es später tatsächlich zu einer Kontoverbindung kommen, wird sich ohnehin zeigen, ob die gegenseitigen Ansprüche von Bank und Kunde gerechtfertigt sind. M. denkt in einem solchen Fall daher auch nicht an einen vollständigen Bankwechsel. Er würde seine geschäftlichen Aktivitäten zunächst vielmehr schrittweise verlagern, damit beide Geschäftspartner sich kennenlernen können.

Sollte sich der Arzt nach sorgfältiger Prüfung zu einem Bankwechsel entscheiden, kann er mit einer Vollmacht zugunsten der übernehmenden Bank seinen Wechselaufwand relativ gering halten. Durch die Vollmacht wird das Kreditinstitut ermächtigt, die Übertragung der Konten zu veranlassen. Gleichzeitig erhält die abgebende Bank gegebenenfalls noch vorhandene Bank- und Kreditkarten und fertigt eine Schlussabrechnung an. Die Ablösung bestehender Kreditlinien und Darlehen erfolgt zudem „Zug um Zug“. Die bisherige Bank überträgt alle Kreditsicherheiten an die übernehmende Bank und erhält im Gegenzug den Betrag zum Ausgleich der Kreditkonten einschließlich des Barkredits auf dem bisherigen Praxiskonto des Arztes. Es ist daher wichtig, vor einem beabsichtigten Bankwechsel rechtsverbindlich zu klären, dass der neue Kreditgeber auch tatsächlich alle Kredite übernimmt. Reine Absichtserklärungen reichen hier also nicht aus.

Michael Vetter

Was zu beachten ist

  • Die Erfahrung lehrt, dass vor einem Bankwechsel nochmals ein Gespräch mit der bisherigen Bank geführt werden sollte. Gegebenenfalls sollte an diesem Gespräch neben dem Ansprechpartner des Arztes auch der zuständige Abteilungsleiter teilnehmen. Vielfach lassen sich in einer solchen Gruppe Missverständnisse doch noch rechtzeitig ausräumen.
  • Zur Vorbereitung auf dieses Gespräch sollten die Kritikpunkte vom Arzt sorgfältig analysiert und aufbereitet werden (falls erforderlich mit Hilfe seines Steuerberaters). Somit können verbale Allgemeinplätze auf beiden Seiten vermieden werden.
  • Wenn die Entscheidung, ein weiteres Kreditinstitut als Geschäftspartner zu gewinnen, gefallen ist, sollte rechtzeitig recherchiert werden, welche Bankengruppe sich für die konkreten Belange der Praxis am besten eignet. Wird zum Beispiel auf eine Präsenz vor Ort Wert gelegt, kann sich eine Volksbank oder Sparkasse dazu eher eignen als eine Großbank.

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