ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Fortbildung: Mehr Selbstkritik gefragt
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Wenn laut Umfrage etwa 60 Prozent der Ärzte glauben, nicht durch Geschenke der Pharmaindustrie beeinflusst zu werden, dann sollten sich doch bitte alle die Diskrepanz überlegen, dass in anderen Umfragen über zwei Drittel der Kollegen antworten, nur die anderen Ärzte seien beeinflussbar. Somit liegt das Problem noch viel tiefer, da selbst viele Autoren die Problematik noch nicht erkannt haben oder ihre Abhängigkeit nicht sehen wollen. Auch ist es mir selbst schon passiert, dass ich Referenten auf pharmafinanzierten Veranstaltungen hören durfte (auch ich bin nicht frei von Beeinflussung), die später diesen Vortrag als Artikel veröffentlichten, ohne den Interessenkonflikt durch die
Honorierung durch die Pharmaindustrie zu benennen. Wenn sich dann auch noch herausstellt, dass der gleiche Autor auch noch Mitverfasser der Leitlinien zum entsprechenden Thema ist, dann wird es mit der Glaubwürdigkeit bezüglich pharma-unabhängiger Therapieempfehlungen sehr schwierig. Vielleicht müssen die Herausgeber von medizinischen Zeitschriften ihre Autoren nicht nur zu Interessenkonflikten aktiv im Vorfeld befragen, sondern auch dazu recherchieren und somit überprüfen; ansonsten werden sie ihrem Anspruch auf Seriosität nicht mehr gerecht.

Gleichzeitig sollten wir uns alle über unser eigenes Fortbildungsverhalten (Welche Zeitschriften lese ich? Welche QZs und sonstige Veranstaltungen besuche ich?) selbstkritisch Gedanken machen und eventuell mehr Finanzmittel für unabhängige Information investieren. Nichts gegen klar gekennzeichnete Werbung; indirekte und subtile Beeinflussung machen mich sauer!

Dr. med. Joachim Suder, 72072 Tübingen

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