ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Kleinzelliges Bronchialkarzinom: Längeres Überleben nach Thoraxbestrahlung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kleinzelliges Bronchialkarzinom: Längeres Überleben nach Thoraxbestrahlung

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1807 / B-1551 / C-1483

Siegmund-Schultze, Nicola

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In Deutschland gibt es Daten der Gesellschaft für epidemiologische Krebsregister zufolge jährlich circa 50 000 Lungenkrebsneudiagnosen. Auf das kleinzellige Bronchialkarzinom (SCLC) entfallen circa 14 %. Meist sind die Tumore bei Diagnose schon metastasiert. Üblich ist eine Chemotherapie mit Cisplatin plus Etoposid, teils gefolgt von einer prophylaktischen Bestrahlung des Gehirns. Dennoch ist die Prognose im Allgemeinen schlecht. Bei den meisten Patienten ist nach Chemotherapie noch Tumor nachweisbar. In einer randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie ist untersucht worden, ob eine zusätzliche Thoraxbestrahlung die Therapieergebnisse verbessern kann.

Gesamtüberleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom mit und ohne Thoraxbestrahlung zusätzlich zur Chemoradiotherapie
Gesamtüberleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom mit und ohne Thoraxbestrahlung zusätzlich zur Chemoradiotherapie
Grafik
Gesamtüberleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom mit und ohne Thoraxbestrahlung zusätzlich zur Chemoradiotherapie

498 Patienten aus europäischen Zentren erhielten 6 Wochen nach Chemotherapie entweder nur eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung oder zusätzlich eine Bestrahlung des Thorax mit einer Gesamtdosis von 30 Gray in 10 Teilbestrahlungen binnen 2 Wochen. Die zusätzliche Radiotherapie hatte positive Effekte auf das progressionsfreie Überleben (PFS): Nach 6 Monaten waren 24 % in der Thoraxradiotherapie-Gruppe progressionsfrei (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 19–30) versus 7 % im Kontrollarm (95-%-KI: 4–11; p = 0,001). Ein Jahr nach Thoraxbestrahlung waren noch 33 % im Radiotherapie-Arm und 28 % in der Kontrollgruppe am Leben, hier gab es keine statistisch signifikante Differenz (Hazard Ratio: 0,84; 95-%-KI: 0,69–1,01; p = 0,066). Nach 2 Jahren aber war der Unterschied signifikant: 13 versus 3 % (plus versus ohne Thoraxbestrahlung; 95-%-KI: 2–8; p = 0,004; number-needed-to-treat: 10,6). Klinisch gravierende Toxizitäten der Thoraxbestrahlung wurden nicht beobachtet. Fatigue oder Dyspnoe traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf.

Fazit: Bei Patienten mit metastasiertem, kleinzelligen Bronchialkarzinom erhöht die zusätzliche Thoraxbestrahlung nach Chemotherapie das 2-Jahresüberleben signifikant. „Die Studie zeigt erstmals, dass eine additive, lokale Strahlentherapie auch bei primär metastasiertem kleinzelligen Bronchialkarzinomen das Überleben verlängern kann und nicht nur palliativ-symptomatisch wirkt“, erläutert Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie Kiel/Lübeck am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Offen sei die Definition des Zielvolumens der Radiotherapie: Sollte das ganze Mediastinum bestrahlt werden wie in dieser Studie oder nur der Restbefund nach Chemotherapie oder auch extrathorakale Metastasen? Ebenfalls zu klären seien der Stellenwert neuer Bestrahlungstechniken und die Abstimmung von Chemo- und Strahlentherapie. „Hier gibt es erhebliches Optimierungspotenzial – nicht nur beim kleinzelligen Lungenkarzinom, sondern auch bei anderen „oligometastasierten Tumoren“, kommentiert Dunst.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Slotman BJ, van Tinteren H, Praag OJ, et al.: Use of thoracic radiotherapy for extensive stage small-cell lung cancer: a phase 3 randomized controlled trial. Lancet 2014;
DOI: 10.1016/S0140–6736(14)61085–0

Gesamtüberleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom mit und ohne Thoraxbestrahlung zusätzlich zur Chemoradiotherapie
Gesamtüberleben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom mit und ohne Thoraxbestrahlung zusätzlich zur Chemoradiotherapie
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