ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Erster Weltkrieg 1914–1918: „Keine Wohltat, sondern Arbeit für verkrüppelte Krieger“

THEMEN DER ZEIT

Erster Weltkrieg 1914–1918: „Keine Wohltat, sondern Arbeit für verkrüppelte Krieger“

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1790 / B-1538 / C-1470

Osten, Philipp

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Die medizinische Versorgung von Kriegsversehrten im Ersten Weltkrieg.

Fotos: Stadtarchiv Heidelberg
Fotos: Stadtarchiv Heidelberg

Monate bevor in Sarajevo die ersten Schüsse fielen, begann in deutschen Städten die Umwandlung von Schulen, Theatern und Turnhallen in Lazarette. In der Universitätsstadt Heidelberg war der Soziologe Max Weber als Disziplinaroffizier der Lazarettkommission dafür zuständig. Bereits im Mai 1914 wurden die Schulen seiner Heimatstadt auf ihre Eignung für die Aufnahme von Verwundeten geprüft. Am 3. August verfügte Weber die Räumung einer Stadthalle, eines Vergnügungslokals und mehrerer Volksschulhäuser (1). Mit 6 500 Lazarettbetten verwandelte sich die Stadt am Neckar in ein Großklinikum mit Gleisanschluss an die westlichen Fronten. Die Universitätsklinik lag unmittelbar neben dem Hauptbahnhof, Bildungseinrichtungen und zahlreiche Hotels boten zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten. Alles war akribisch geplant. Regionale Rot-Kreuz-Vereine gaben an Umschlagplätzen Kaffee an Verwundete aus und organisierten Sammlungen von Verbandmaterial, Lebensmitteln und Liebesgaben. Detailliert erläuterten Lehrbücher die Infrastruktur der Verwundetenversorgung, von den frontnahen Verbands- und Sammelplätzen über die Barackenlager in der Etappe bis hin zu den Transportzügen in die Heimatlazarette.

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Völlige Planlosigkeit bei der Langzeitbetreuung

In Heidelberg dokumentierte der Fotograf Max Krögel (1860–1925) mit seiner Kamera die Ankunft der ersten Verwundeten. Seine Fotos zeigen Kinder, die vor dem Zaun ihrer ehemaligen Schule stehen. Auf dem Pausenhof liegen Tragen mit verletzten Soldaten. Krögels Bilder hielten den Straßenbahnwagen fest, der zu einem offenen Transportvehikel für Verwundete umgebaut war und sie dokumentieren wie das offiziell zum Foto aufgestellte Empfangskomitee des Rot-Kreuz-Vereins bei Ankunft eines Lazarettzugs der grausamen Realität gewahr wurde: Einige der Honoratioren blicken noch feierlich in das Objektiv des Fotografen, während Sanitäter bereits damit beginnen, die Wunden der Soldaten zu begutachten.

Lange vor dem 1. August 1914 stand fest, wie mit einer großen Zahl Verwundeter zu verfahren sei. Das Angebot an Reserve-, Vereinslazaretten war weit höher als der Bedarf. Doch der perfekt organisierten Akutversorgung stand nahezu völlige Planlosigkeit bei der Langzeitbetreuung der dauerhaft vom Krieg gezeichneten Soldaten gegenüber. Selbst darüber, wie die vielen arm- und beinamputieren Männer zu bezeichnen seien, herrschte Verwirrung (2). „Kriegskrüppel“ wurden sie zunächst genannt, und es existieren bis heute keine genauen Angaben darüber, wie viele es waren. Die letzten verlässlichen Statistiken stammen vom Juni 1918. Da hatte die Zahl der „dienstunbrauchbar“ aus dem Militärdienst Entlassenen längst die 700 000er Marke überschritten, von denen knapp 90 000 eine „Verstümmelungszulage“ bewilligt worden war (3). Methoden, nach denen die arm- und beinamputierten Kriegsopfer medizinisch betreut werden sollten, waren erst kurz zuvor entwickelt worden – zur Behandlung körperbehinderter Kinder.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges fällt in eine entscheidende Phase der Disziplinengenese der noch jungen Orthopädie, die sich rasant von einem konservativen zu einem chirurgischen Fach entwickelte. Eine gesetzlich geregelte Versorgung für körperbehinderte Menschen existierte zu Anfang des 20. Jahrhunderts nicht. Immerhin hatten konfessionelle Heime für körperbehinderte Kinder damit begonnen, ihre Zöglinge zu Korbflechtern auszubilden. An eine medizinische Behandlung aber war um 1900 noch nicht zu denken, denn Körperbehinderungen galten nicht als Krankheiten. Kassen zahlten nicht bei sogenannten „statischen Leiden“ des Skelettsystems. Leidtragende waren vor allem Kinder. In Industriestädten litt ein Drittel der Schulanfänger unter Rachitis, die Knochen- und Gelenktuberkulose war die Haupttodesursache bei Jugendlichen und die Poliomyelitis war eine überaus häufig epidemisch auftretende Infektionskrankheit unklarer Genese. Zeitgleich waren die wissenschaftlichen Fortschritte der Knochen- und Gelenkchirurgie unübersehbar – vor allem befördert durch die neue Röntgendiagnostik. Aseptische Operationsmethoden reduzierten die Infektionsgefahr. Tuberkulös infizierte Wirbelkörper wurden mit Knocheninterponaten stabilisiert, was die drohende Gefahr einer Querschnittslähmung bannte. Operative Sehnenverlagerungen und Gelenkversteifungen boten bei neurologischen Erkrankungen die Möglichkeit, die Gehfähigkeit wiederherzustellen. Doch ohne Kostenträger blieb all das Theorie. An die Einrichtung Orthopädischer Universitätskliniken, an denen die neuen Operationsmethoden auf wissenschaftlichem Niveau hätten verfeinert werden können, war nicht nur aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Groß war auch der Widerstand chirurgischer Fachvertreter gegen die Etablierung einer Orthopädischen Chirurgie. Sechs Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges war dieses Dilemma auch dem Preußischen Unterrichtsministerium aufgefallen. Gemeinsam mit dem kurz darauf verstorbenen Extraordinarius für Orthopädie an der Berliner Universität, Albert Hoffa, initiierte der Leiter der preußischen Medizinalabteilung ein Modellprojekt, bei dem private Spender und kommunale Armenverwaltungen gemeinsam für die medizinische Betreuung und Berufsausbildung körperbehinderter Kinder sorgen sollten. Betraut mit dem Projekt wurde der Leiter der Röntgenabteilung am Berliner Städtischen Krankenhaus Am Urban, der Chirurg Konrad Biesalski (1868–1930). Durch eine großzügige Spende des Fabrikantenpaars Oskar und Helene Pintsch konnte Biesalski im Mai 1914 eine 400-Betten-Klinik im Berliner Grunewald eröffnen, die nach ihren Stiftern Oskar-Helene-Heim für die Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder getauft wurde. In einer – ebenfalls unter der Ägide des Preußischen Unterrichtsministeriums ins Leben gerufenen – Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge hatten sich Kirchen, Armenverbände und Orthopäden zusammengeschlossen, um den Ausbau weiterer Einrichtungen zu fördern.

Vollständig neues Feld der Sozialfürsorge

Die Berliner Modellanstalt Oskar-Helene-Heim befand sich auf einem weitläufigen Waldgelände und bot Jungen und Mädchen eine Vielzahl moderner Ausbildungsberufe. Zwei Monate nach der feierlichen Eröffnung der Anstalt durch Kaiserin Auguste Viktoria begann der Erste Weltkrieg. Überzeugt, das richtige Konzept für die Nachbetreuung verwundeter Soldaten in der Hand zu haben, betrieb der 45-jährige Anstaltsleiter Konrad Biesalski die „Mobilmachung der Krüppelfürsorge“ (4). Er diktierte dem Kabinettssekretär der Kaiserin Auguste Viktoria ein Schreiben, das er über Wolfs Telegrafen Büro, die damals bekannteste halbamtliche Nachrichtenagentur, verbreiten ließ. In dem fingierten Telegramm wies die Kaiserin alle „Krüppelheime“ an, fortan „die orthopädische Nachbehandlung von Verwundeten“ zu übernehmen und „die Schwerverletzten wieder beruflichem Erwerb zuzuführen“ (5). In der Zeitschrift für Krüppelfürsorge erläuterte Biesalski, wie er sich die Umwandlung der Heime für körperbehinderte Kinder in orthopädische Lazarette vorstellte: „… der eine wird seine Kinder zusammendrängen können und etwa die Schulklassen frei machen; der andere hat vielleicht Baracken oder ein leer stehendes Haus oder ein Gebäude, das er räumen kann; dem Dritten nehmen einen Teil der Pfleglinge vielleicht gute Freunde oder Nachbarn ab“(6).

Kriegsinvaliden bei Übungen an gymnastischen Geräten. Foto: Ullstein Bild
Kriegsinvaliden bei Übungen an gymnastischen Geräten. Foto: Ullstein Bild

In Ermangelung eines alternativen Konzepts griff die Generalsanitätsverwaltung die Initiative des Berliner Arztes dankbar auf. Der von Biesalski geleiteten Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge, wohlbemerkt einer Fürsorgeinitiative für körperbehinderte Kinder, der bisher private Philanthropen, Ärzte, Pastoren, Heimleiter und städtische Wohlfahrtsorganisationen angehört hatten, traten nun Fabriken, Zechen, Handelskammern, Kirchenbehörden, Landesversicherungsanstalten, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Eisenbahndirektionen bei. Binnen Jahresfrist erhöhte sich die Zahl der Mitglieder von 372 auf knapp 3 000. Für die Invalidenrenten der im Krieg verwundeten Soldaten mussten nach dem Mannschaftsversorgungsgesetz aus dem Jahr 1906 die zivilen Unfallversicherungen aufkommen (7). Diese Gelder nicht für Renten, sondern für die medizinische Nachbehandlung und für die Umschulung kriegsversehrter Soldaten zu verwenden, eröffnete ein bisher unbekanntes und vollständig neues Feld der Sozialfürsorge. Das Konzept der Rehabilitation war geboren. Dennoch fehlte eine einheitliche Regelung der Invalidenrenten. Soldaten, die im Zivilleben Eisenbahner gewesen waren, standen weit besser da als viele Industriearbeiter. Auf den Vorschlag der Budgetkommission des Reichstags, rasch einheitliche Bemessungsgrundlagen zu beschließen, reagierte die Reichsregierung mit der Ausrede, über einen entsprechenden Gesetzesentwurf werde gleich „in der ersten Tagung des Reichstages nach Friedensschluss“ beraten (8).

Schwerverletzte Soldaten sollten in der Berliner Modellanstalt „Oskar-Helene-Heim“ einer beruflichen Erwerbsmöglichkeit zugeführt werden. Fotos: Biesalski, Kriegskrüppelfürsorge (1915)
Schwerverletzte Soldaten sollten in der Berliner Modellanstalt „Oskar-Helene-Heim“ einer beruflichen Erwerbsmöglichkeit zugeführt werden. Fotos: Biesalski, Kriegskrüppelfürsorge (1915)

Dennoch waren die einmal bekannt gegebenen Maßnahmen zur orthopädischen Nachbehandlung nicht mehr zurückzunehmen. Der öffentliche Druck war groß, eine optimale Versorgung für die zunehmend das Straßenbild prägenden Kriegsversehrten zu gewährleisten. Wolfgang Eckart berichtet in seinem neu erschienenen Buch Medizin und Krieg: Deutschland 1914 – 1924 über die im Herbst 1916 beginnenden Massendemonstrationen gegen Hunger und Krieg: Viele dieser eindrucksvollen und von der Militärregierung gefürchteten Protestmärsche wurden durch Verwundete, aus dem Dienst entlassene Soldaten angeführt. 1917 verarbeitete der Schriftsteller Leonhard Frank seine Eindrücke dieser Demonstrationen in einer pazifistischen Novelle, der er den Titel Die Kriegskrüppel gab. In Deutschland war die Publikation verboten, aber sie wurde in der Schweiz gedruckt und als anonyme Flugschrift im süddeutschen Raum verbreitet. Franks Geschichte beginnt in der „Metzgerküche“ eines Frontlazaretts, die Verwundeten werden mit einem Lazarettzug nach Berlin gebracht (Textauszug siehe Kasten). Dort erkennen die Massen der Millionenstadt beim Anblick der Verletzten und entstellten Männer den ganzen Schrecken des Krieges und sammeln sich zur Revolution „der Freiheit und der Liebe“ (9).

Großes Betätigungsfeld für die Orthopädie

Die Ankunft des ersten Lazarettzugs in Heidelberg. Empfang der Verwundeten auf dem Bahnsteig; Transport in einem umgebauten Straßenbahnwagen; Tragen mit den verletzten Soldaten auf dem Pausenhof einer Schule.
Die Ankunft des ersten Lazarettzugs in Heidelberg. Empfang der Verwundeten auf dem Bahnsteig; Transport in einem umgebauten Straßenbahnwagen; Tragen mit den verletzten Soldaten auf dem Pausenhof einer Schule.

Früh hatten die großen offiziellen Kriegsausstellungen das Thema Amputationen aufgegriffen und versucht, die Kriegsversehrtenproblematik propagandistisch ins Positive zu wenden. Säle voller Prothesen sollten die Leistungsfähigkeit der industriellen Orthopädiemechanik vorführen. Bildberichte aus den orthopädischen Lazaretten füllten die Zeitungen: „Der deutsche Kriegsinvalide – Nicht mehr Leiermann“ titelte die Vossische Zeitung am 30. Dezember 1914, die Welt am Montag schrieb über „Die soziale Rettung der Kriegskrüppel“ und die Frankfurter Zeitung berichtete unter der Schlagzeile „Heldenheim oder Arbeit“ über das neue Konzept der Rehabilitation. Auch die ersten Produktionen der zu Kriegszwecken verstaatlichten Filmindustrie zeigten Arbeiter mit hoch spezialisierten Werkzeugprothesen, die schmieden, hämmern, und komplexe Maschinen bedienen konnten. Die bekannteste Prothese war der Sauerbrucharm, entwickelt von dem Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (1875–1951). Seine Patienten mussten sich einer ganzen Kette von Operationen unterziehen, bis der Armstumpf auf die Apparatur vorbereitet war. Die Erkenntnis, dass die Verwundeten mit Armprothesen weit schlechter umgehen konnten als mit dem verbliebenen Teil ihrer Extremität, setzte sich zuerst bei Ärzten durch, die langfristige Nachbetreuungen übernahmen. Bei Orthopäden war eine (1917 von Hermann Kruckenberg entwickelte) Operationstechnik populär, bei der nach dem Verlust der Hand Elle und Speiche voneinander getrennt, und mit Haut umschlossen wurden, was den Unterarm in eine Greifzange verwandelte.

Hunderttausendfach aufgelegt wurde Konrad Biesalskis reich bebilderter „Ratgeber zum Troste und zur Mahnung“ Kriegskrüppelfürsorge. Abgebildet wurden armamputierte Männer, die in den Schulzimmern des Berliner Oskar-Helene-Heims an viel zu kleinen Bänken sitzen und lernen, mit der linken Hand zu schreiben, sogar Soldaten an den „Webstühlen für weibliche Zöglinge“ wurden gezeigt, um die Konversion der Friedens- auf die Kriegskrüppelfürsorge zu demonstrieren.

Mit eisernem Willen gegen das „Krüppeltum“

Vier „Leitsätze der Kriegskrüppelfürsorge“ formulierte Biesalski unter dem Titel „Wer ist der Führer in der gesamten Fürsorge für unsere heimkehrenden Krieger“. Sie lauteten:

  • Keine Wohltat, sondern Arbeit für verkrüppelte Krieger.
  • Zurückschaffung in die Heimat und die alten Verhältnisse, wo möglich die alte Arbeitsstelle.
  • Verstreuung unter die Masse des schaffenden Volkes, als wenn nichts geschehen wäre.
  • Es gibt kein Krüppeltum, wenn der eiserne Wille besteht, die Behinderung der Bewegungsfreiheit zu überwinden (10).

Auch an die Kriegsbeschädigten selbst richtete sich die Propaganda. Ihnen wurde in Aussicht gestellt, eroberte Gebiete zu kolonialisieren. Der „Urwaldes von Bialowies“ sei ein guter Platz, „die Arbeitslosen bei Zeiten unterzubringen“ (11). Bald registrierten die Lazarettinsassen, dass ein Ziel der Operationen und Umschulungsmaßnahmen darin bestand, ihnen die Invalidenrente zu kürzen. Doch Widerstand war verboten. Verwundete blieben auch im Lazarett Militärpersonen. Sie unterstanden der Wehrdisziplinarordnung und hatten den Anweisungen ihrer Ärzte Folge zu leisten.

Mit dem Ende des Krieges ihrem Schicksal überlassen

Mit der Demobilisierung im November 1918 endete das Experiment „Kriegskrüppelfürsorge“. Fluchtartig verließen die Verwundeten das Berliner Oskar-Helene-Heim. In Heidelberg, wo in der Stadthalle ein Orthopädisches Lazarett untergebracht war, zeigte sich das ganze Dilemma der provisorischen Langzeitversorgung. Ohne realistische Aussicht auf eine Erwerbsmöglichkeit waren die körperbehinderten Männer im Lazarett gestrandet. In öffentlichen Demonstrationen forderten sie, weiter mit Lebensmitteln versorgt zu werden, während die Lazarettleitung darauf drängte, den schmucken Repräsentationsbau zügig zu räumen. In einem verzweifelten Leserbrief appellierten die Patienten der Stadthalle an die Öffentlichkeit: „Haben wir das wirklich verdient, dass wir jetzt noch kämpfen müssen für ein Plätzchen, an dem sich unsere Wunden schließen können?“ (12) Ein Jahr lang wurden sie geduldet. Zynisch kommentierte der örtliche Lazarettleiter den Abzug der letzten Patienten im Dezember 1919: „Eine Träne hat ihnen niemand nachgeweint, im Gegenteil, wir atmeten auf, als das Haus endlich geräumt war.“ (13)

  • Zitierweise dieses Beitrags:
    Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A 1790–4

Anschrift des Verfassers
PD Dr. med. Philipp Osten
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 327
69120 Heidelberg
osten@uni-heidelberg.de

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit4214
oder über QR-Code

DÄ-Serie zum Weltkrieg

Anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren sind für dieses Jahr die folgenden Beiträge im Deutschen Ärzteblatt vorgesehen:

  • Die deutsche Ärzteschaft im Furor teutonicus (Heft 17)
  • Der ärztliche Pazifist Georg Friedrich Nicolai (Heft 20)
  • Konzepte von Angst in der deutschen und französischen Kriegspsychiatrie Heft (3334)
  • Die medizinische Versorgung von Kriegsversehrten
  • Probleme der Militärmedizin
  • Die Gesundheitssituation der Zivilbevölkerung

Die Serie im Internet: www.aerzteblatt.de/ersterweltkrieg

ein Lazarettzug

Beschreibung eines Lazarettzugs aus der 1917 als anonyme Flugschrift veröffentlichten Novelle „Die Kriegskrüppel“ von Leonhard Frank:

„Zweiundzwanzig“, sagt das Kind, das an der Landstraßenschranke steht und dem Zuge nachsieht.

Es sind nur zwanzig Wagen; das Kind hat die Lokomotive und den Tender mitgezählt. In jedem Wagen zwanzig Kranke, langgestreckt und unbeweglich in den übereinander befestigten Betten.

Die Blinden stehen im Laufgang an den Fenstern und schauen hinaus in die wunderbare, schimmernde Herbstlandschaft. Sie fühlen die Sonne und sehen die Finsternis.

Die Irrsinnigen sind beisammen in einem Wagen. Eine Bank an den vier Wänden entlang. Genügend viel Sitzplätze. Aber alle Irren hocken am Boden, in einem dreifachen Kreise, und lachen, lächeln, schwätzen, schweigen, schütteln schlau den Kopf. Nur einer steht. Er betrachtet die Wand. Er betrachtet seit sechzig Stunden die Wand. Im Wagen hinter dem Tender ist die Apotheke und das Operationszimmer, mit dem Zinkblechtisch in der Mitte. Im vorletzten Wagen schlafen die Sanitätssoldaten. Im letzten Wagen des Zugs liegen die, die während der Reise verendet sind. Der letzte Wagen füllt sich allmählich.

1.
Stadtarchiv Heidelberg, Bestand 171 Fasc. 1.
2.
Thomann KD: „Es gibt kein Krüppeltum, wenn der eiserne Wille vorhanden ist, es zu überwinden!“ Konrad Biesalski und die Kriegsbeschädigtenfürsorge. Medizinisch-orthopädische Technik 1994; 114: 114–21.
3.
Eckart WU: Medizin und Krieg: Deutschland 1914–1924. Paderborn: Schöningh 2014; 303.
4.
Biesalski an den Geheimen Ober-Medizinalrat Dietrich v. 21.8.1914. Archiv Oskar Helene Heim, Akte Biesalski 1914, unpaginiert.
5.
Spitzemberg L: Telegramm der Kaiserin. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1914; 7: 267.
6.
Biesalski K: Aus der Deutschen Vereinigung. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1914; 7: 268–9.
7.
Wissell R: Die Renten unserer Kriegsbeschädigten. Berlin 1916; 8.
8.
Ebendort; 51.
9.
Frank L [ anonym veröffentlicht]: Die Kriegskrüppel. Ohne Orts-, Verlags- und Jahresangabe [1917].
10.
Biesalski K: Wer ist der Führer in der gesamten Fürsorge für unsere heimkehrenden Krieger? Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1915; 8: 14–9.
11.
Riegler H: Siedlungsmöglichkeiten im Deutschen Urwald. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1918; 11: 158–62.
12.
Die Patienten der Stadthalle: Räumung der Stadthalle. In: Heidelberger Zeitung vom 19. Juni 1919; 4.
13.
Häberle D: Verwaltungsbericht der Wirtschaftsabteilung des Roten Kreuzes in der Reservelazarett-Abteilung XVIII (Stadthalle) für die Zeit vom 1. August 1918 bis 31. Dezember 1919. Mit Schlussbericht vom 31. Mai 1920. Heidelberg 1920.
1. Stadtarchiv Heidelberg, Bestand 171 Fasc. 1.
2. Thomann KD: „Es gibt kein Krüppeltum, wenn der eiserne Wille vorhanden ist, es zu überwinden!“ Konrad Biesalski und die Kriegsbeschädigtenfürsorge. Medizinisch-orthopädische Technik 1994; 114: 114–21.
3. Eckart WU: Medizin und Krieg: Deutschland 1914–1924. Paderborn: Schöningh 2014; 303.
4. Biesalski an den Geheimen Ober-Medizinalrat Dietrich v. 21.8.1914. Archiv Oskar Helene Heim, Akte Biesalski 1914, unpaginiert.
5. Spitzemberg L: Telegramm der Kaiserin. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1914; 7: 267.
6. Biesalski K: Aus der Deutschen Vereinigung. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1914; 7: 268–9.
7. Wissell R: Die Renten unserer Kriegsbeschädigten. Berlin 1916; 8.
8. Ebendort; 51.
9. Frank L [ anonym veröffentlicht]: Die Kriegskrüppel. Ohne Orts-, Verlags- und Jahresangabe [1917].
10. Biesalski K: Wer ist der Führer in der gesamten Fürsorge für unsere heimkehrenden Krieger? Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1915; 8: 14–9.
11. Riegler H: Siedlungsmöglichkeiten im Deutschen Urwald. Zeitschrift für Krüppelfürsorge 1918; 11: 158–62.
12. Die Patienten der Stadthalle: Räumung der Stadthalle. In: Heidelberger Zeitung vom 19. Juni 1919; 4.
13. Häberle D: Verwaltungsbericht der Wirtschaftsabteilung des Roten Kreuzes in der Reservelazarett-Abteilung XVIII (Stadthalle) für die Zeit vom 1. August 1918 bis 31. Dezember 1919. Mit Schlussbericht vom 31. Mai 1920. Heidelberg 1920.

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Winter T.
am Sonntag, 10. Mai 2015, 19:18

Heidelberger Fotograf

Bei dem Heidelberger Fotografen handelt es sich nicht um "Krögel", sondern um meinen Ur-Großvater, den Heidelberger Hoffotografen Max Kögel. Dieser war auch Mitglied beim Heidelberger Roten Kreuz und erhielt für seine freiwilligen Hilfe das badische "Kreuz für freiwillige Kriegshilfe. Sein Sohn Dr. med. Eugen Kögel war von 1914-1918 Frontarzt beim württembergischen Landwehr Infanterie Regiment.