ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Unkontrolliertes Asthma: Inhalation einüben und nach Eosinophilen fahnden

PHARMA

Unkontrolliertes Asthma: Inhalation einüben und nach Eosinophilen fahnden

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1823

Reisdorf, Simone

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein unkontrolliertes Asthma kann viele Gründe haben. Der Antikörper Reslizumab richtet sich gegen das für die Eosinophilenreifung bedeutsame Interleukin-5 und vermindert dadurch die inflammatorische Reaktion.

Ein Drittel der Asthmapatienten bleibt trotz Therapie symptomatisch. Fehlerhafte Inhalation oder ein für den Patienten subjektiv ungeeignetes Inhalationssystem können dabei eine Rolle spielen. „Bei Trockenpulverinhalatoren kommt alles auf den Inspirationsfluss an“, gibt Priv.-Doz. Dr. med. Christian Geßner, Leipzig, bei einem Symposium in Bremen zu bedenken. „Ist er zu schwach, dann erfolgt eine unvollständige Desagglomeration der Partikel, sie können nicht an den Zielort gelangen.“ Laut Studiendaten üben 22 bis 28 Prozent der Anwender eine zu geringe Inspiration aus (1). Ist die Inspiration dagegen allzu stark, landen laut Geßner viele Partikel wegen der Massenträgheit an der hinteren Rachenwand.

Aber auch bei Dosieraerosolen (metered dose inhaler, MDI) ist einiges zu beachten: Hier kommt es auf die richtige Koordination von Auslösung der Dosis und Einatmung an. Jeweils gut die Hälfte der Patienten atmet vor der Anwendung nicht aus, anschließend zu kraftvoll ein und hält schließlich den Atem nicht lange genug an, erklärt Dr. med. Thomas H. Voshaar, Moers. „Dazu kommt, dass etwa 37 Prozent nicht daran denken, das System vor der Anwendung zu schütteln (1).“

Anzeige

Bei Dosieraerosolen auf die Koordination achten

„Das Schütteln ist bei MDI bedeutsam, in denen der Wirkstoff in Form einer Suspension vorliegt“, konkretisiert Geßner. Bei MDI mit Lösungsaerosolen wie dem AutoHaler® und dem Easi-Breathe® dagegen entfällt diese Fehlerquelle; insgesamt spielt die Koordination hier keine große Rolle: Verteilung und Größe der Partikel sind nicht beeinflussbar und somit zuverlässig. So sorgt etwa beim Ventolair® Easi-Breathe® die extrafeine Teilchengröße des Glucocorticoids Beclometason von nur 1,1 Mikrometer für die tiefe Lungendeposition eines großen Wirkstoffanteils, erläuterte Geßner. Der Pneumologe erinnert daran, bei Verordnung eines Inhalationssystems möglichst immer das Aut-idem-Kreuz zu setzen: „Sonst kann es passieren, dass der Patient zwar den gleichen Wirkstoff bekommt, aber in einem ganz anderen Inhalationssystem, mit dem er nicht geschult wurde.“

Voshaar unterstreicht die Bedeutung der Schulung: In der VITA-Studie (Verbesserung der Inhalationstechnik von Menschen mit Asthma und COPD in Apotheken) machten zu Beginn 78,9 Prozent der Patienten mindestens einen Fehler bei der Anwendung ihrer Devices. Nach Überprüfung ihrer Inhalationstechnik und Schulung durch die örtlichen Apotheker hatten nur noch 28,3 Prozent Probleme mit ihrem Inhalationssystem (2, 3).

ACQ: signifikanter Vorteil für Reslizumab knapp verfehlt

Prof. Dr. med. Christian Taube, Leiden/Niederlande, beleuchtete einen anderen Aspekt des schwer kontrollierbaren Asthmas: „Asthma ist eine sehr heterogene Erkrankung; dazu gehört auch, dass jeder zweite Asthmapatient eine erhöhte Eosinophilenzahl in Blut und/oder Sputum hat.“ Der humanisierte Antikörper Reslizumab richtet sich gegen das für die Eosinophilenreifung bedeutsame Interleukin-5 (Anti-IL5). „Reslizumab hat eine Halbwertzeit von etwa 25 Tagen und hat in präklinischen Tests die eosinophile Entzündungsaktivität reduziert“, so Taube.

Der Pneumologe zitierte eine kontrollierte, randomisierte Phase-II-Studie. Hier wurden 106 Patienten auf die Zusatzbehandlung mit 3 mg/kg Reslizumab alle vier Wochen versus Placebo randomisiert. Die Injektionen erfolgten zu Studienbeginn sowie in Woche 4, 8 und 12. „Unter der Therapie wurden die Eosinophilen im Sputum komplett eliminiert“, so Taube.

Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Veränderung von Symptomen und Lungenfunktion laut Asthma Control Questionnaire (ACQ). Sie betrug –0,7 versus –0,3 Punkte in Woche 15, berichtete Taube. Mit einem p-Wert von 0,054 wurde ein signifikanter Vorteil für Reslizumab nur knapp verfehlt. Betrachtet man aber nur die Veränderung der Lungenfunktion, so schnitt Reslizumab (FEV1 +180 mL) im Vergleich zu Placebo (FEV1 80 mL) signifikant besser ab (p = 0,0025) (4).

„Die Verträglichkeit von Reslizumab ist gut, wir haben keine Steigerung von Autoimmunität, Tumoren oder Infektionen gesehen“, schloss Taube. „Die Eliminierung der Eosinophilen ist bei diesen Patienten ein erfolgversprechendes Konzept.“

Simone Reisdorf

Symposium „Wenn die inhalative Therapie nicht erfolgreich ist – Device, Inhalationstechnik, Phänotyp!“, in Bremen, DGP-Kongress, Veranstalter: Teva.

1.
Laube BL, et al.: ERJ 2011; 37: 1308–31. MEDLINE
2.
Hämmerlein A, et al.: JECP 2011; 17: 61–70. MEDLINE
3.
Leach CL, et al.: ERJ 1998; 12: 1346–53. MEDLINE
4.
Castro M, et al.: AJRCCM 2011; 184: 1125–32. MEDLINE
1.Laube BL, et al.: ERJ 2011; 37: 1308–31. MEDLINE
2.Hämmerlein A, et al.: JECP 2011; 17: 61–70. MEDLINE
3.Leach CL, et al.: ERJ 1998; 12: 1346–53. MEDLINE
4.Castro M, et al.: AJRCCM 2011; 184: 1125–32. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema