ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Interview mit BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery zum Kampf gegen Ebola: Große Gemeinschaftsaktion nötig

POLITIK: Das Interview

Interview mit BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery zum Kampf gegen Ebola: Große Gemeinschaftsaktion nötig

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1776 / B-1528 / C-1460

Maibach-Nagel, Egbert

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Als nationaler Vertreter im Weltärztebund hat der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, eine Resolution der internationalen Ärzteschaft für einen verstärkten Kampf gegen Ebola mitbeschlossen. Er fordert dazu auf, die Maßnahmen durch aktive Hilfe und durch Spenden zu unterstützen.

Foto: dpa
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Herr Professor Montgomery, der Weltärztebund hat auf seinem aktuellen Treffen im südafrikanischen Durban eine Notlagen-Resolution verabschiedet, die die Nationalstaaten dazu auffordert, deutlich mehr gegen Ebola zu tun. Was sind die Beweggründe?

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Montgomery: Vertreter des Roten Kreuzes und Ärzte aus afrikanischen Staaten haben darauf hingewiesen, dass die Lage in Westafrika eskaliert. Wir alle haben aber ein großes Interesse, die Infektion lokal einzugrenzen und dort zu behandeln, wo sie entstanden ist. Es bedarf einer großen Gemeinschaftsaktion von WHO, Nationalstaaten und Hilfsorganisationen, um diesen Krankheitsausbruch unter Kontrolle zu bekommen. Dazu fordert der Weltärztebund auf.

In den letzten Tagen zeigt die Entwicklung, dass der Ebola-Ausbruch kein auf Westafrika lokalisierbares Problem, vielmehr eine globale Krise ist, die weltweit zu koordinierende Gegenmaßnahmen erfordert. Was ist jetzt vordringlich?

Montgomery: Zuallererst muss die Ausbreitung der Epidemie eingedämmt werden. Dann müssen die weitgehend aufgelösten Strukturen des Gesundheitswesens in den westafrikanischen Ländern, die betroffen sind, wieder aufgebaut werden. Und schließlich müssen wir langfristig wirksame Strategien zur Entwicklung von Impfstoffen und Durchführung von Impfungen entwickeln.

Was bedeutet das für Sie als Vertreter der Ärzteschaft Deutschlands? Was kann und muss Deutschland zur Bekämpfung von Ebola akut beitragen?

Montgomery: Hilfe vor Ort leisten, Helfer schützen und, wenn Helfer doch erkranken, in Deutschland behandeln. Das alles kostet viel Arbeit, Zeit und Geld. Es lohnt aber, hier zu investieren. Bisher ist es gelungen, einen epidemischen Ausbruch in Europa zu verhindern. Glücklicherweise haben wir es bis jetzt außerhalb Westafrikas nur sporadisch mit Ebola-Infizierten zu tun. Damit das weiter so bleibt, müssen wir unsere Hilfe vor Ort verstärken.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, die Bundes­ärzte­kammer und das Deutsche Rote Kreuz haben Ärzte und andere Gesundheitsberufe um Unterstützung im Kampf gegen Ebola in West-Afrika aufgerufen. Wie ist die Resonanz?

Montgomery: Die Resonanz ist gut. Wir müssen allerdings hohe Ausbildungs- und Erfahrungskompetenzen fordern, damit die Helfer nicht selber am Ende Hilfe brauchen. Deswegen darf man die hohe Zahl derjenigen, die sich melden, nicht verwechseln mit der Zahl derjenigen, die für den Einsatz in Frage kommen. Diese ist eher gering. Das DRK meldet, dass von den bisher 1 600 Bewerbern 117 als geeignet eingestuft wurden. Darunter sind 43 Ärzte. Deswegen müssen wir immer wieder unseren Aufruf wiederholen, sich beim Deutschen Roten Kreuz zu melden, wenn man die Qualifikationsanforderungen erfüllt. Aber auch alle anderen Menschen können mit Geldspenden helfen. (siehe Kasten mit Angaben zum Spendenkonto, Anm. d. Red).

Der Einsatz ist riskant. Wie werden die Helfer auf ihre Aufgaben vorbereitet?

Montgomery: Die Helfer werden über das Deutsche Rote Kreuz in einem einwöchigen Spezialkurs auf den Einsatz vorbereitet. Sie erhalten dann vor Ort ein länderspezifisches Briefing und sollen alle vier bis sechs Wochen rotieren. Wichtig ist aber auch eine mindestens dreiwöchige „Dekontaminationsphase“ nach dem Einsatz, damit keine Patienten in Deutschland durch eingeschleppte Infektionen gefährdet werden.

Der Weltärztebund hat dazu aufgefordert, national und international die notwendigen Strukturen zu schaffen, um künftig schlagkräftiger gegen Epidemien vorgehen zu können. Ist Deutschland nach den aktuellen Erfahrungen gut aufgestellt, oder gibt es Optimierungsmöglichkeiten?

Montgomery: Deutschland ist national sicher gut aufgestellt. Dennoch gibt es natürlich noch Verbesserungsbedarf. Dieser betrifft Transportflugzeuge und Spezialkrankenwagen, Weiter- und Fortbildung und vor allem Training im Umgang mit der konkreten selbstgefährdenden Situation. Vor allem aber müssen wir in Impfstoffforschung investieren, auch wenn wegen der großen Armut der Länder Westafrikas nicht mit einem profitablen Geschäft zu rechnen ist. Es darf uns nicht noch einmal geschehen, dass wir ein Virus seit mehr als 40 Jahren kennen und keine effektiven weltweiten Abwehrstrategien entwickeln.

Das Interview führte Egbert Maibach-Nagel.

WMA-Resolution gegen Ebola

Auf seiner Generalversammlung in Durban, Südafrika, hat der Weltärztebund (WMA) die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und alle nationalen Regierungen aufgefordert, die Ebola-Seuche rasch und entschlossen durch international koordiniertes Handeln zu bekämpfen.

Freiwillige medizinische Helfer können sich über das Deutsche Rote Kreuz für diesen Hilfseinsatz melden: https://drkhrnet.drk.de/Home Aktion Deutschland Hilft, Spenden-Stichwort: Ebola, Spendenkonto: 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Aktuelle Berichterstattung im Internet: www.aerzteblatt.de/ebola Foto: dpa
Freiwillige medizinische Helfer können sich über das Deutsche Rote Kreuz für diesen Hilfseinsatz melden: https://drkhrnet.drk.de/Home Aktion Deutschland Hilft, Spenden-Stichwort: Ebola, Spendenkonto: 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Aktuelle Berichterstattung im Internet: www.aerzteblatt.de/ebola Foto: dpa

„Ebola muss als globale Krise, nicht als lokales Problem behandelt werden“, heißt es in der von der WMA in der letzten Woche verabschiedeten Not-Resolution, die von Vertretern aus mehr als 40 Staaten diskutiert und beschlossen wurde. Die Erfahrungen aus den betroffenen Gebieten zeigten, dass der Mangel an fachkundigen Helfern, an Materialien wie Schutzkleidung und Betten, aber auch eine unzureichende Vorbereitung und Ausbildung der Helfer die Seuchenbekämpfung vor Ort überaus erschwerten.

Die Ärzteversammlung hat deshalb die internationale Gemeinschaft aufgefordert, „die notwendige Versorgung mit Ausrüstungen zum Schutz von Ärzten und vor Ort helfenden Mitarbeitern unverzüglich bereitzustellen und damit das Risiko von Ansteckungen zu vermeiden“.

Gleichzeitig sollten sich alle an der Abwehr beteiligten Organisationen auf eine angemessene Vorbereitung und Ausrüstung für den erforderlichen Infektionsschutz verständigen.

Die WMA appelliert an die in den Krisengebieten Verantwortlichen, die Aufklärung der Bevölkerung über grundlegende Schutzmaßnahmen gegen die Infektion zu intensivieren. An die WHO ging die Aufforderung, Maßnahmen zu ergreifen, die künftig eine schnellere und effektivere internationale Intervention in solchen Krisenfällen ermöglichen. Darüber hinaus sollten auch noch nicht von der Seuche betroffene Nationalstaaten verbesserte Kontrollen und Modelle zum Nachvollzug von Kontakten und damit zur Eingrenzung von Infektionen ermöglichen.

Die Vertreter des WMA wurden über die Resolution aufgefordert, ihre nationalen Regierungen ausdrücklich dazu anzuhalten, im Sinne dieser Resolution zu handeln.

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