ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Ausbildungsakademie Asklepios Klinik Seligenstadt: Vorbildliche Weiterbildung

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Ausbildungsakademie Asklepios Klinik Seligenstadt: Vorbildliche Weiterbildung

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1784 / B-1536 / C-1468

Spielberg, Petra

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An der Asklepios Klinik Seligenstadt geht die Abteilung für Innere Medizin neue Wege bei der Fort- und Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses. Das Modell könnte bundesweit Schule machen.

Üben am Dummy: Parallel zur Arbeit am Krankenbett können die Weiterzubildenden in Kursen ihre praktischen Fähigkeiten vertiefen. Foto: Petra Spielberg
Üben am Dummy: Parallel zur Arbeit am Krankenbett können die Weiterzubildenden in Kursen ihre praktischen Fähigkeiten vertiefen. Foto: Petra Spielberg

Für Dr. med. Nikos Stergiou ist die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses eine gesellschaftliche Verpflichtung, die mehr beinhaltet als die simple Erfüllung der Weiter­bildungs­ordnung. „Ich wollte schon immer gerne ausbilden und dabei auch gestalterisch tätig sein, um Assistenzärztinnen und Assistenzärzten all das zu vermitteln, was sie befähigt, nicht nur gute Ärzte zu werden, sondern auch zu lernen, ihre Fähigkeiten im menschlichen Umgang mit den Patienten und in der interdisziplinären Kommunikation mit Kollegen zu verfeinern und jederzeit sicher auftreten zu können“, sagt der 47-jährige Internist.

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Mit Übernahme der Chefarztposition für Innere Medizin an den Asklepios Kliniken Seligenstadt im Jahr 2004 eröffnete sich für Stergiou schließlich die Möglichkeit, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Zwei Jahre später erteilte die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen der Abteilung für Innere Medizin eine volle Weiterbildungsermächtigung. Weitere drei Jahre später fiel dann der endgültige Startschuss für die Umsetzung eines Weiterbildungskonzepts mit dem Namen SKILL (Strukturiertes Konzept eines Internistischen Lehr- und Lernprogramms).

„Wir wollen nicht verschult rüberkommen“

„Das Besondere an dem Konzept ist, dass die Assistenzärztinnen und -ärzte parallel zur regulären Lehre am Krankenbett die Möglichkeit erhalten, an theoretischen und praktischen Ausbildungsmodulen teilzunehmen, um ihr Wissen und ihre praktischen Fähigkeiten zu vertiefen“, erläutert Stergiou. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist aus Sicht des Internisten die paritätische Beteiligung der Weiterzubildenden an ihrer Weiterbildung.

Deshalb haben die angehenden Fachärzte bei der Auswahl und der Festlegung der zeitlichen Reihenfolge der Kurse auch ein Wörtchen mitzureden. „Das Angebot soll schließlich nicht verschult rüberkommen“, ergänzt Dr. med. Andreas Grein, Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin und einer der acht Fachärzte, die sich zusammen mit ihrem Chef um die Umsetzung des Konzepts kümmern.

Das Programm umfasst 16 unterschiedliche Module, die über einen Zeitraum von zwei Jahren wiederholt angeboten werden, um den Jungmedizinern jederzeit einen Einstieg zu ermöglichen. Die Teilnahme an den Kursen ist freiwillig und für die Mitarbeiter der Abteilung kostenfrei. Der zeitliche Aufwand beträgt rund 150 Stunden pro Jahr.

An erster Stelle steht das Erlernen von Untersuchungstechniken in Endoskopie, Sonographie und Radiologie. Üben können die Jungmediziner diese an Dummys sowie an freiwilligen Probanden in eigens dafür eingerichteten Untersuchungsräumen. Darüber hinaus finden aber auch Kurse in Kommunikation, Stress- und Konfliktmanagement, Geriatrie, Neurologie und Palliativmedizin, ein intensivmedizinisches Curriculum, eine „klinische Visite“ mit Hausärzten sowie ein zweiwöchentliches Tumorboard statt.

Gute Weiterbildung zieht junge Ärzte an

„Die sogenannte interne Donnerstags-Fortbildung wiederum bietet unter anderem Raum zur Vorstellung aktueller Studien und Kongressberichte sowie zur Besprechung interessanter Fälle aus unserem Klinikalltag“, sagt Stergiou. Die angehenden Fachärzte können dabei selbst Vorträge zu einzelnen Fällen oder Themen halten.

Diese Art der konstruktiven Mitarbeit ist aus Sicht des Sprechers der Assistenzärzte, Dr. med. Christian Keller, von unschätzbarem Vorteil für die spätere eigenverantwortliche Arbeit. Auch schätzt der Jungmediziner, der in Kürze sein drittes Weiterbildungsjahr beginnt, dass die Fortbildung zu einem Teil während der Arbeitszeit erfolgt und kein Druck seitens der Weiterbilder auf die angehenden Fachärzte zur Teilnahme ausgeübt wird.

Asklepios Klinik Seligenstadt: Das 260-Betten-Haus ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Asklepios Klinken Langen-Seligenstadt
Asklepios Klinik Seligenstadt: Das 260-Betten-Haus ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Asklepios Klinken Langen-Seligenstadt

Da die Asklepios Klinik Seligenstadt mit ihren insgesamt 265 Betten zugleich Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt (GUF) ist, profitieren auch Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Humanmedizin der GUF von den Fortbildungsveranstaltungen sowie die während des Praktischen Jahrs in Seligenstadt beschäftigten Medizinerinnen und Mediziner.

Nach einer ersten Evaluation des Weiterbildungskonzepts im Jahr 2011 fiel die Entscheidung zu dessen Zertifizierung nach DIN-ISO-Norm, um die Qualität des Programms dauerhaft zu sichern. „Nur wenn wir immer qualitativ auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sind, können wir das hohe Ausbildungsniveau halten“, unterstreicht Stergiou. Dies führte zur Gründung einer offiziellen Ausbildungsakademie an der Asklepios Klinik in Seligenstadt. „Beide, die Ausbildungsakademie und SKILL, konnten Mitte 2011 erstmals erfolgreich nach internationalen Qualitätskriterien zertifiziert werden“, berichtet Stergiou. In diesem Jahr erfolgte eine erste Re-Zertifizierung.

Das Weiterbildungskonzept ist nach Aussage der Zertifizierungsgesellschaft bislang einmalig in Deutschland. In ihren Forderungen zur Zukunft der internistischen Weiterbildung bezeichnet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin das Modell daher auch als beispielhaft für die strukturierte Weiterbildung eines hoch qualifizierten internistischen Nachwuchses.

Die Finanzierung der Investitionskosten des Projekts erfolgte aus Drittmitteln sowie mit Geldern aus dem Förderverein der Klinik. Die Geschäftsführung der Klinik leistet darüber hinaus eine finanzielle Unterstützung der laufenden Kosten für das Modell.

Stergiou erhofft sich vom Alleinstellungsmerkmal auch eine besondere Anziehungskraft der Klinik auf engagierte junge Ärzte. Mit Erfolg, wie es scheint. Die 15 Assistenzarztstellen in der Inneren Medizin sind seit Jahren konstant besetzt und die angehenden Fachärzte sind nach Aussage ihres Sprechers alle überaus zufrieden mit ihrer Arbeitsstelle.

Will Vorbild sein: Für Nikos Stergiou beinhaltet gute Weiterbildung mehr als die Erfüllung der Weiter­bildungs­ordnung. Foto: Wronski
Will Vorbild sein: Für Nikos Stergiou beinhaltet gute Weiterbildung mehr als die Erfüllung der Weiter­bildungs­ordnung. Foto: Wronski

Elena Zattler, die im vergangenen Jahr ihre Facharztprüfung in der Inneren Medizin erfolgreich bestanden hat und derzeit eine Schwerpunktweiterbildung in Gastroenterologie absolviert, kann das nur bestätigen. Das Engagement der Weiterbilder und die Möglichkeit zur Mitwirkung seitens der Assistenzärzte wirke sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus. „Der Konkurrenzgedanke ist hier nicht so ausgeprägt wie in anderen Häusern“, meint Zattler.

Für SKILL einen Umzug in Kauf genommen

Die angehende Internistin Angela Arweiler fühlte sich durch das Weiterbildungsangebot ebenfalls sehr angesprochen. Die 27-Jährige war durch die Homepage der Klinik auf SKILL aufmerksam geworden und nahm hierfür auch gerne den Umzug vom Saarland nach Hessen in Kauf. Arweiler befindet sich derzeit im ersten Weiterbildungsjahr und fühlt sich im Team bereits gut aufgehoben.

Stergious Wunsch ist es auch, dass die jungen Assistenzärzte sich durch das Modell motiviert fühlen, später selbst einmal zukünftige Ärztegenerationen aus- und weiterbilden zu wollen. „Wir wollen natürlich auch eine Vorbildfunktion wahrnehmen“, betont der Internist. Zattler jedenfalls könnte ihm diesen Wunsch erfüllen. Sie sieht in der Weiterbildung junger Kolleginnen und Kollegen durchaus eine Aufgabe für ihr weiteres Berufsleben.

Petra Spielberg

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