ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2014Obstruktive Schlafapnoe: Druckinstabile Geräte mindern Therapieerfolg

TECHNIK

Obstruktive Schlafapnoe: Druckinstabile Geräte mindern Therapieerfolg

Dtsch Arztebl 2014; 111(42): A-1822 / B-1560 / C-1492

Rüller, Stephan

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Die Druckinstabilität von Therapiegeräten ist eine wenig bekannte Ursache für die Müdigkeit von Patienten trotz adäquater CPAP-Therapie.

CPAP-Maske: Viele CPAP-Geräte sind druckinstabil. Das ist häufig jedoch nur schwer zu erkennen. Foto: Lungenliga Schweiz
CPAP-Maske: Viele CPAP-Geräte sind druckinstabil. Das ist häufig jedoch nur schwer zu erkennen. Foto: Lungenliga Schweiz

In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen an Müdigkeit, die sich auf eine obstruktive Schlafapnoe zurückführen lässt. Die Standardtherapie wird mit einem CPAP-(Continuous Positive Airway Pressure-)Gerät durchgeführt, das mit leichtem Überdruck den Rachenraum offen hält. Viele Patienten können dadurch wieder erholsam schlafen und fühlen sich tagsüber leistungsfähig. 20 bis 30 Prozent der Patienten leiden aber weiter unter Tagesmüdigkeit, obwohl sie die Atemhilfe regelmäßig nutzen.

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Auch in Fachkreisen ist zu wenig bekannt, dass dies mit der Druckinstabilität der Therapiegeräte in Zusammenhang stehen kann. Kommt es während der nächtlichen Behandlung nämlich zu einem Druckabfall im Inspirationszyklus, muss der Patient dies mit erhöhter Atemarbeit ausgleichen, so dass die Schlafqualität beeinträchtigt ist.

Bei Patienten mit fortbestehender Müdigkeit trotz adäquater CPAP-Therapie wird üblicherweise zunächst die richtige Therapiedruckeinstellung überprüft, eine Kontrolle der regelmäßigen und korrekten Gerätenutzung durchgeführt sowie eine Differenzialdiagnostik für alternative Erkrankungen eingeleitet. Es wird sogar diskutiert, ob die fortbestehende Müdigkeit als Folgezustand der vor der Therapie über einen langen Zeitraum bestandenen Sauerstoffabfälle zu werten sei.

Mehr Atemarbeit macht müde

Im Schlaflabor der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel haben wir die Erfahrung gemacht, dass noch ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle spielt. So wird die nächtliche Atemarbeit als wesentliches Element für die vom Patienten empfundene Müdigkeit zu wenig beachtet.

Fest steht, dass bei Geräten mit einem Druckabfall im Inspirationszyklus die Atemarbeit für den Patienten größer wird. Hier saugt der Patient bei jedem Atemzug den Therapiedruck über einige Zehntelsekunden muldenförmig um einige Zehntelmillibar nach unten. Zwar haben verschiedene Fachkreise die Druckstabilität als Qualitätskriterium einer korrekten Therapie erkannt, aber bislang ist kaum bekannt, welche Auswirkungen wenige Zehntelmillibar Druckabfall auf den einzelnen Patienten haben. Genau diese Auswirkungen haben wir über mehrere Jahre hinweg bei den Patienten beobachten können.

Ist ein Patient trotz regelmäßiger Nutzung des CPAP-Gerätes weiterhin müde, können die Ursachen seiner Beschwerden manchmal darauf zurückgeführt werden, dass er ein Gerät mit unzureichender Druckstabilität nutzt. Bei diesen Patienten kann man in der Inspiration einen Abfall im hochaufgelösten Druckkanal feststellen, im Differenzdruckgeber der Luftstrommessung zeigt sich ein leicht verzögerter Anstieg der frühen Inspiration, und es lässt sich manchmal auch eine diskrete Phasenverschiebung in den Effortsignalen ausmachen. In diesen Fällen werden die Patienten auf ein druckstabiles Gerät umgestellt, mit dem die Müdigkeit dann schnell rückläufig ist.

Das Problem: Auf dem Markt gibt es druckinstabile Geräte, die nur schwer als solche zu erkennen sind. Ein Hamburger Forscherteam stellte deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den Geräten verschiedener Hersteller fest (Dtsch Arztebl 2011; 108[36]: A 1872). Von den dort getesteten Geräten schafften sieben von 30 die vorgegebenen Mindestanforderungen nicht, zum Teil stellten die Wissenschaftler sogar Abweichungen von rund 30 Prozent fest.

Informations-Website

Einen Überblick über die Druckstabilität der verschiedenen Geräte gibt die Seite www.respiratorcheck.de. Die Kenntnis dieser Geräteeigenschaften ist insofern wichtig, als der inspiratorische Druckabfall in der Polysomnografie oft übersehen wird, da die standardmäßig angewandten Filtereinstellungen und Skalierungen sowie die verwendeten Sensoren mit ihrer Software die relevanten Messgrößen zu stark maskieren. Wenn alle Beteiligten für dieses Thema vermehrt sensibilisiert werden, dann könnte das Problem „Müdigkeit trotz CPAP-Therapie“ deutlich zurückgehen.

Dr. med. Stephan Rüller

Schlaflabor der Medizinischen Klinik des
Forschungszentrums Borstel

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