ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Antibiotikatherapie: Wirkungsvolle Alternative mit physikalischem Wirkmechanismus

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Antibiotikatherapie: Wirkungsvolle Alternative mit physikalischem Wirkmechanismus

Dtsch Arztebl 2014; 111(43): A-1872

Bischoff, Angelika

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Proteine mit lytischer Aktivität sind in der Lage, pathogene gramnegative und grampositive Bakterien, einschließlich Antibiotika-resistenter Keime zu bekämpfen.

Die meisten Antibiotika greifen in den Metabolismus von Bakterien ein, was den Erregern eine breite Angriffsfläche für die Entwicklung von Resistenzen bietet. Grampositive Bakterien sind heute noch am empfindlichsten gegen Antibiotika. Gramnegative Bakterien wie Escherichia coli oder Pseudomonas (P.) aeruginosa sind durch eine äußere Membran vor dem Angriff von Antibiotika besser geschützt. Außerdem besitzt P. aeruginosa eine Reihe weiterer effektiver Abwehrmechanismen, so dass sich multiresistente Erregerstämme immer mehr verbreiten. Neue Substanzen, die dieses Resistenzproblem überwinden könnten, sind nicht in Sicht.

Mit der neuen Technologie-Plattform Artilysin® hat die Lysando AG jetzt eine Alternative zu Antibiotika entwickelt, die auch mit multiresistenten Erregern fertig wird. Artilysine sind artifizielle Designerproteine, die sich aus natürlichen Aminosäuren zusammensetzen und somit vollständig biologisch abbaubar sind. Sie enthalten Peptidoglycan-abbauende Enzyme mit Membran-penetrierender Aktivität, die die Zellwand der Bakterien destabilisieren.

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Die Proteine sind spezifisch dafür entwickelt, die Zellwand eines bestimmten Bakteriums zu durchdringen und zu öffnen, unabhängig davon ob es resistent ist gegen Antibiotika oder nicht. Der Wirkmechanismus ist rein physikalischer Art. Das Artilysin dockt spezifisch an das Bakterium an und greift die Zellwand enzymatisch an. Durch das in der Zellwand entstandene Loch tritt aufgrund des hohen Drucks im Zellinneren die Zytoplasmamembran aus und platzt innerhalb weniger Sekunden, wie Dr. Kristin Hasselt, stellvertretende Forschungsleiterin bei Lysando, ausführte.

Auch persistierende nicht stoffwechselaktive „ruhende“ Bakterien, die in Gegenwart von Antibiotika problemlos überleben können, werden durch Artilysin attackiert. Diese ruhenden Bakterien spielen eine wichtige Rolle bei chronischen Infektionen. Entwickelt wurden bisher Artilysine gegen P. aeruginosa, Campylobacter und Acinetobacter. Wie Studien zeigen, wirken die Desginerproteine außerordentlich rasch und gründlich. Beispielsweise konnte Artilysin-175, das sich spezifisch gegen P. aeruginosa richtet, die Keime bereits innerhalb von fünf Minuten zu 99,9 Prozent eliminieren, so Hasselt. Aktuell forscht Lysando an Lösungsansätzen gegen Gonorrhoe und Mukoviszidose.

Aufgrund des Plattform-Charakters der Technologie sind alle möglichen Anwendungsgebiete denkbar – von der Medizintechnik und Krankenhaushygiene über die Human- und Veterinärmedizin bis hin zur Landwirtschaft beziehungsweise Mast.

Dr. med. Angelika Bischoff

Quelle: Pressekonferenz „Durchbruch bei der Bekämpfung multi-resistenter Keime – Wirkungsvolle Alternative zu Antibiotika, Lysando, München

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