ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Altersabhängige Makuladegeneration – VEGF-Inhibition: aus feuchter wird trockene AMD

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Altersabhängige Makuladegeneration – VEGF-Inhibition: aus feuchter wird trockene AMD

Gerste, Ronald D.

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Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache von Sehverlust und Erblindung bei Menschen jenseits des 65. Lebensjahres. Die feuchte (exsudative, neovaskuläre) Variante der Krankheit wird seit einigen Jahren mit Injektionen von VEGF-Inhibitoren in den Glaskörper des erkrankten Auges behandelt, gegen die trockene (geografische, atrophische) Form gibt es bislang keine effektive Therapie.

Bei der Auswertung der Daten von 1 024 AMD-Patienten aus den Comparison of Age-related Macular Degeneration Treatments Trials (CATT), in denen die Betroffenen intravitreale Injektionen des für die Therapie zugelassenen Ranibizumab (Lucentis®) oder des off-label eingesetzten Bevacizumab (Avastin®) erhalten hatten, zeigte sich jetzt, dass fast ein Fünftel der Patienten im Laufe von zwei Jahren einen Übergang der feuchten in eine geografische AMD erleiden: Nach einem Jahr lag bei 10,6 %, nach zwei Jahren bei 18,3 % eine Atrophie der Makula nach – im morphologischen Sinne – erfolgreicher Behandlung der für die feuchte Form charakteristischen Neovaskularisationen vor. Die Autoren identifizierten mehrere Risikofaktoren für diese unerwünschte Konversion. Ein initial sehr schlechter Visus (zwischen 20/100 und 20/320) war mit einem Risikofaktor 2,65 im Vergleich zu jenen Patienten assoziiert, bei denen die Anti-VEGF-Therapie mit einer Sehschärfe zwischen 20/25 und 20/40 begonnen wurde – da eine schlechte Funktion das Ausmaß des bereits erfolgten Untergangs von Photorezeptoren und deren Stützgewebe widerspiegelt, überrascht die häufige Atrophie bei diesen schwer geschädigten Augen nicht. In erhöhtem Maße zur Ausbildung der trockenen AMD nach intravitrealer Therapie neigen ferner Patienten mit trockener AMD im Partnerauge (RR 2,07) und mit intraretinaler Flüssigkeit in der Fovea (RR 2,10). Deutlich seltener trat die Konversion in eine Atrophie bei Patienten mit subretinaler Flüssigkeit (RR 0,51) und subretinaler Gewebeverdickung (RR 0,32) sowie bei einer Blockade der Fluoreszenz in der Angiographie (RR 0,49) auf. Und: jene mit häufigen intravitrealen Injektionen (monatlich) bekamen häufiger (RR: 1,59) eine trockene AMD als Pro-re-nata-Behandelte.

Fazit: Die Studie macht deutlich, dass für einen Teil der AMD-Patienten die Gefahr einer Konversion in die Atrophie besteht und dass dieses Risiko auch mit der Injektionshäufigkeit assoziiert ist. Die Ergebnisse könnten die Diskussion um die bestmögliche Behandlungsfrequenz unter dem neuen Gesichtspunkt des offenbar nicht seltenen Übergangs der AMD in die nicht (weiter) behandelbare trockene AMD wiederbeleben

Dr. med. Ronald D. Gerste

Grunwald JE, et al.: Risk of geographic atrophy in the comparison of age-related macular degeneration Treatments Trials.
Ophthalmology 2014; 121: 150–61.

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