ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Soziale Medien im Medizinstudium: Ausbaufähiges Angebot

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Soziale Medien im Medizinstudium: Ausbaufähiges Angebot

Seiler, Frederik; Bals, Robert; Belvederesi-Kochs, Rebecca

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Social Media sind bei Medizinstudierenden gefragt. Die Medizinischen Fakultäten sind darauf noch nicht eingestellt.

Zur Information über Themen aus Studium, Medizin und Wissenschaft werden Social Media von angehenden Ärzten noch wenig genutzt. Foto: Fotolia/kritiya
Zur Information über Themen aus Studium, Medizin und Wissenschaft werden Social Media von angehenden Ärzten noch wenig genutzt. Foto: Fotolia/kritiya

Die Nutzung sozialer Medien wie Facebook, Twitter, WhatsApp, LinkedIn oder Xing hat beinahe sämtliche Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens erreicht und die Art der Kommunikation nachhaltig verändert. Da sich Social Media einer breiten Akzeptanz in den jüngeren Altersgruppen erfreuen, wird dieser Kommunikationsweg auch zügig in das Gesundheitswesen und die Medizinischen Fakultäten Einzug halten. Verschiedene Kommunikationsbeziehungen sind hier vorstellbar:

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  • Patienten – Patienten: Austausch über Krankheiten und Anbieter im Gesundheitswesen, Austausch von Erfahrungsberichten und von Behandlungserfahrungen
  • Patient – Ärzte: Erweiterung klassischer Kommunikationswege mit Patientengruppen oder einzelnen Patienten
  • Studierender – Studierender: Austausch über Inhalte des Medizinstudiums, Bewertung von Dozenten und Lehrangeboten, Bewertung von künftigen Arbeitsplätzen
  • Medizinische Fakultät – Studierender: Darstellung des Lehrangebots, Vermittlung von Lehrinhalten, Bewertung von Lehrangeboten.

Die Nutzung von Social Media durch Medizinstudierende rückt zunehmend in den Fokus der Fakultäten und Fachgesellschaften, sei es mit dem Ziel, innovative Lehrangebote zu etablieren oder neue Wege zur Nachwuchsrekrutierung zu finden. In einer Umfrage an der Universität des Saarlandes wurden Nutzung und Akzeptanz von sozialen Medien bei Medizinstudierenden untersucht. Befragt wurden 122 Studierende im ersten klinischen Semester (Durchschnittsalter 23,1 +/– 0,7 Jahre).

Die Voraussetzungen für eine breite Anwendung sozialer Medien sind gegeben: Von den Studierenden besitzen 92 Prozent einen Computer, beinahe 80 Prozent nutzen Smartphones und 22 Prozent verfügen über einen Tabletcomputer.

Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, Social Media täglich zu nutzen. Interessant ist der Blick auf die Beliebtheit der einzelnen Plattformen, insbesondere weil Medien von einem Rückgang der Nutzung klassischer Plattformen berichteten. Vorne liegen hier Facebook (93 Prozent Nutzung), YouTube (87 Prozent) und WhatsApp (73 Prozent). Weniger beliebt sind Twitter und Instagram mit weniger als zehn Prozent. Die unter jungen Internetnutzern zuletzt immer wichtiger werdenden Anbieter Reddit und Tumblr haben unter Medizinstudierenden derzeit keine Bedeutung.

Lehrvideos auf YouTube

Hinsichtlich der Nutzung von Social Media zur Information über Themen aus Studium, Medizin und Wissenschaft scheinen die angehenden Ärzte noch zurückhaltend zu sein. Lehr- und Infovideos auf YouTube werden noch von 54 Prozent genutzt, Facebook-Inhalte nutzen nur knapp 40 Prozent für diese Zwecke. Und auch hier wird gerne auf Bewährtes zurückgegriffen – am beliebtesten sind die Social-Media-Auftritte klassischer deutschsprachiger Mediziner-Communities wie Medi-Learn oder Doccheck, deren Profile sich im Wesentlichen auf Links zu Inhalten der jeweiligen Homepage beschränken. Weit dahinter liegen die Auftritte von Fachgesellschaften oder wissenschaftlicher Zeitschriften.

Grundsätzlich fehlendes Interesse erklärt dies jedoch nur zum Teil. Lediglich bei circa 20 Prozent der Befragten besteht generell kein Interesse an der Nutzung sozialer Medien für Informationen zu Studium und Medizin. Andere Studierende geben hingegen an, passenden Content einfach nicht zu kennen oder mit den bestehenden Angeboten unzufrieden zu sein. Ein großes Thema ist zudem die Zuverlässigkeit der Informationen aus sozialen Medien, die 56 Prozent der Teilnehmer anzweifeln.

Gesucht: hochwertige Inhalte

Es gibt also durchaus eine Nachfrage für qualitativ hochwertige Inhalte von seriösen Anbietern. Interesse besteht beispielsweise an Newsformaten aus Medizin und Forschung, aber auch an fakultätsspezifischen Informationen und Austauschmöglichkeiten zur Lehre.

Hier sind die Fachgesellschaften und Fakultäten gefragt, dieses Angebot auszubauen und entsprechende Inhalte zu generieren. Während bereits viele Kliniken beispielsweise Facebook-Seiten zur Öffentlichkeitsarbeit betreiben, werden Social Media von den Fakultäten bisher kaum genutzt, obwohl sich Plattformen wie Facebook oder Twitter zum Beispiel für die Publikation von Neuigkeiten gut eignen. Auch für die Nachwuchsrekrutierung könnten sich Chancen ergeben, indem etwa durch E-Learning-Videos oder Podcasts das Interesse der Studierenden für ein bestimmtes Fach gefördert werden könnte.

Frederik Seiler, Prof. Dr. med.
Dr. rer. nat. Robert Bals

Klinik für Innere Medizin V – Pneumologie, Allergologie, Beatmungsmedizin,
Universitätsklinikum des Saarlandes

Rebecca Belvederesi-Kochs

belvederesi Kommunikations- und
Unternehmensberatung, Aachen

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