ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Reinhard Griebenow, Vorstand der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Reinhard Griebenow, Vorstand der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung

Warum braucht man Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten?

Korzilius, Heike

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Interessenkonflikte von Ärztinnen und Ärzten bergen die Gefahr, dass medizinische Entscheidungen sich nicht mehr am Wohl der Patienten ausrichten, sondern am eigenen Vorteil. Dabei spielen nicht nur finanzielle Interessen eine Rolle. Es kann auch um die Karriere oder Forschungsgelder für das eigene Institut gehen. Angesichts knapper öffentlicher Kassen ist jedoch insbesondere die medizinische Forschung zunehmend auf Geld aus der Wirtschaft angewiesen.

Warum braucht man Grundsätze zum Umgang mit
Interessenkonflikten?

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Griebenow: Interessenkonflikte bergen vor allem in der medizinischen Fortbildung große Risiken. Denn die Fortbildung zielt darauf, Therapieentscheidungen von Ärztinnen und Ärzten zu beeinflussen.

Es gibt verschiedene Kriterien, um zu überprüfen, ob eine Information, die für die Patientenbehandlung relevant ist, glaubwürdig ist. Das beginnt mit der Frage nach dem Studiendesign, also wie gut die zugrunde liegenden Daten erhoben worden sind. Es geht weiter mit der Frage, ob die Studie stringent durchgeführt worden ist, ob alle Bedingungen eingehalten worden sind, und endet mit der Frage, wie anschließend die Ergebnisse dargestellt worden sind. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man veröffentlicht sie oder man trägt sie mündlich vor. Die mündliche Darstellung wird sicherlich in der Wertigkeit als sekundär betrachtet, sie ist aber die sehr viel häufigere Vermittlungsform im Anschluss an die Publikation und hat von daher ein entsprechend großes Potenzial, Probleme hervorzurufen oder sogar Schaden anzurichten, wenn der Überbringer der Botschaft noch durch andere Interessen geleitet wird, die den Zuhörern nicht bekannt sind.

Man kann bei Interessenskonflikten nicht von prinzipiell gut oder schlecht sprechen. Sie gehören zum Leben. Wir müssen akzeptieren, dass es nicht ohne geht. Man muss außerdem akzeptieren, dass es in der Medizin nicht die glasklare Wahrheit gibt, sondern dass wir in allen Bereichen sehr große Grauzonen haben. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass man umso transparenter macht, warum man in der Grauzone eher zu Weiß oder zu Schwarz hin tendiert. Das ist der Punkt, um den es eigentlich geht. Letztlich soll es ja das Ziel sein, eine beste Entscheidung für den Patienten zu treffen. Und die kann man nur dann treffen, wenn man neben dem Nachdenken und Diskutieren über die Daten auch die Frage einbezieht, ob das, was die Beteiligten sagen, vielleicht noch durch andere Interessen mitgeleitet sein könnte. HK

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