ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Diabetes Mellitus: Fenofibrat bei Frauen ebenfalls kardioprotektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes Mellitus: Fenofibrat bei Frauen ebenfalls kardioprotektiv

Heinzl, Susanne

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Fenofibrat wird seit den 1970er Jahren zur Senkung erhöhter Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegel eingesetzt. Allerdings wurden 2010 Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD) Lipid-Studie publiziert, nach denen Fenofibrat bei Frauen möglicherweise keinen Nutzen hat. Dies warf Fragen zur Rolle von Fenofibrat bei diabetischen Frauen auf, die zu einer Sicherheitswarnung der Food and Drug Administration (FDA) im Jahr 2011 führten. Nun wurden in einer vordefinierten Analyse der 2005 publizierten FIELD-Studie (Fenofibrate Intervention and Event Lowering in Diabetes) Wirksamkeit und Verträglichkeit des Lipidsenkers in Abhängigkeit vom Geschlecht untersucht.

Kumulative Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten unter Fenofibrat oder Placebo
Grafik
Kumulative Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten unter Fenofibrat oder Placebo

In die doppelblinde, Placebo-kontrollierte FIELD-Studie waren 9 795 Patienten, davon 3 657 Frauen, mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeschlossen worden, die randomisiert über fünf Jahre täglich 200 mg Fenofibrat oder Placebo erhielten. Fenofibrat hatte keinen Einfluss auf den primären Endpunkt der Studie, nämlich die Rate kardiovaskulärer Ereignisse (nicht tödliche Herzinfarkte und kardiovaskulär bedingte Todesfälle). Aufgrund der hohen Zahl an Frauen, die in die Studie eingeschlossen worden war, konnten Wirksamkeit und Verträglichkeit des Lipidsenkers in Abhängigkeit vom Geschlecht genauer untersucht werden.

Die aktuelle Analyse zeigte nun, dass Fenofibrat die Spiegel von Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin, Non-HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B bei Frauen stärker senkte als bei Männern, und zwar unabhängig vom Menopausenstatus und unabhängig von der Einnahme von Statinen. Am Ende der Studie hatte sich die Zahl der Frauen mit Dyslipidämie in der Fenofibrat-Gruppe nahezu halbiert, von 42,7 auf 23,9 % (p < 0,001), in der Männergruppe sank sie von 34,0 auf 20,2 % (p < 0,001). Damit wirkte Fenofibrat bei Frauen signifikant besser auf die Fettstoffwechselstörung (p = 0,04). Die für Kovariablen adjustierte Zahl kardiovaskulärer Ereignisse war bei den Frauen der Fenofibrat-Gruppe um 30 %, bei den Männern um 13 % geringer als unter Placebo. Die unerwünschten Wirkungen von Fenofibrat unterschieden sich bei Männern und Frauen nicht.

Fazit: Fenofibrat wirkt bei Frauen mit Diabetes mellitus Typ 2 vergleichbar gut auf die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse wie bei diabetischen Männern. Der Lipidstoffwechsel besserte sich bei Frauen mit dem Lipidsenker stärker als bei Männern. Diese Daten bestätigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Fenofibrat bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Bei Frauen und Männern kann deshalb sein Einsatz zur Kardioprotektion in Erwägung gezogen werden.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

d’Emden MC, et al.: Favourable effects of fenofibrate on lipids and cardiovascular disease in women with type 2 diabetes: results from the Fenofibrate Intervention and Event Lowering in Diabetes (FIELD) study. Diabetologia 2014; 57: 2296–303.

Kumulative Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten unter Fenofibrat oder Placebo
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