ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Qualitätsmanagement: Kontra vertreten Minderheiten
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Da wird beharrlich geleugnet, dass Qualität nicht nur durch hehre Werte wie Engagement, Menschlichkeit, Zuwendung, Kenntnisse, Geschick und vor allem Erfahrung entsteht, sondern auch durch Struktur- und Prozessqualität, vor allem aber durch die systematische Organisation des arbeitsteiligen Krankenhauses. Dass der Verfasser Krankenhäuser ungern als Unternehmen sieht, mag man doch als sympathisch-naive Romantik abtun; auch ist dem Verfasser nicht vorzuwerfen, dass er die grundlegende staats- und wirtschaftswissenschaftliche Literatur zur Ordnung von Gemeinwesen und Behebung materieller Not mittels Wettbewerbsordnung nicht beherrscht. Bei Adam Smith könnte er zum Beispiel nachlesen, dass es bei Wettbewerb nicht um Kampf, sondern um Bemühen um die Gunst des Kunden geht, was eine ausgesprochen friedliche Veranstaltung ist.

Etwas problematischer wird es, wenn der Autor die überlegene Qualität von Krankenhausleistungen in spezialisierten, in der Regel auch zertifizierten Zentren (zum Beispiel Brustzentrum, Darmzentrum o. ä.) leugnet. Hier hätte man entsprechende medizinische Literaturkenntnisse erwarten dürfen. In der Summe bleibt festzuhalten, dass der Autor kaum über rückwärtsgewandte Traditionsromantik und streckenweise auch kaum über durch Ignoranz von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Praxistatsachen gekennzeichnete Ausführungen hinauskommt. Tröstlich bleibt festzuhalten, dass solche Meinungen 25 Jahre nach dem Mauerfall in West- und Ostdeutschland Minderheitspositionen darstellen dürften.

Dr. Georg Rüter, Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen gem. GmbH, 33615 Bielefeld

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Avatar #687217
upaschen
am Mittwoch, 5. November 2014, 19:13

Über welches QM wird denn hier geklagt?

Verehrter Prof. Costa, ich staune darüber, was Sie alles so für QM halten. wird das so in Ihrer Klinik gesehen?
Wenn ich Ihnen in einem zwei Minuten Statement erklären müsste, was QM ist, dann würde ich das so ausdrücken: natürlich machen wir die bestmögliche Medizin, natürlich wollen wir unsere Patienten wieder gesund machen oder ihnen zumindest helfen, mit ihrer Krankheit ein möglichst würdiges Leben zu führen. Aber wenn das jemand bezweifelt, was machen wir dann? Können wir die Güte, auf die wir uns berufen, dann beweisen? Wir tun uns damit oft schwer, mit unangenehmen Folgen: wir werden beschuldigt, Geld zu verschwenden, Fehler gemacht zu haben, nicht alle unsere Aufmerksamkeit auf den Patienten konzentriert zu haben, vielleicht sogar nachlässig oder gleichgültig gewesen zu sein. Die Kostenträger wollen nicht für etwas bezahlen, was nichts nützt. Wir müssen uns um unsere berufliche Anerkennung inzwischen einige Sorgen machen. Jammern hilft da nichts.
QM ist nun ein Vorgehen, das dabei helfen kann. Sein wichtigstes Anliegen ist die Darlegung der Qualität. Früher nannte man das etwas umständlich die „Qualitätsnachweisführung“. Manchmal ist das einfach, manchmal fast unmöglich. Oder können Sie beweisen, dass eine Infektion unvermeidbar war? Doch nur dann, wenn die Infektion trotz Einhaltung aller Hygieneregel eingetreten ist. Wie aber weist man das nach? Können Sie Sterilität sehen? Sie vertrauen darauf, weil Ihre Instrumente nach einem validierten und verifizierten Verfahren behandelt wurden. Sie haben eine nach Standard arbeitende Sterilisationsabteilung. vielleicht ist sie sogar nach DIN EN ISO 13485 zertifiziert – dann müssen Sie selbst nichts mehr kontrollieren. Sie haben das Zeugnis eines unabhängigen Sachverständigen über eine streng durchgeführte Prüfung. Zertifikate sind solche Zeugnisse – nicht, um sie im Eingangsbereich stolz aufzuhängen, sondern um es Ihnen vorzulegen. Sie brauchen das Zertifikat, um die Bürde Ihrer Verantwortung leichter tragen zu können.
So läuft das bei Arzneimitteln, bei Medizinprodukten, bei Lebensmitteln und vielen Produkten des Alltags. Auch die Industrie war darüber nicht immer erfreut. Aber die Verantwortung für die Produkte zwingt dazu, sich jederzeit zu vergewissern, dass das eigene Produkt hält, was es verspricht.
Ob das dem Patienten zu besseren Behandlungen verhilft? Das weiß ich auch nicht. Müssen wir die Wirksamkeit des QM erst in Studien nachweisen? Wenn wir uns bei jeder Behandlung vergewissern, ob die Ziele erreicht wurden, ob unsere Verfahren wirksam, sicher und annehmbar, ihre Durchführung zuverlässig sind und die Indikation angemessen ist, dann haben wir aber immer eins gewonnen: wir gründen unsere Überzeugung auf Nachweise. Das will QM. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn dabei nicht das eine oder andere, was unrund läuft, aufgedeckt und verbessert wird. QM will Vertrauen schaffen, mehr nicht. Für die Qualität Ihrer ärztlichen Behandlung sind allein Sie verantwortlich