ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2014Qualitätsmanagement: Paradigmenwechsel
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Herr Prof. Costa ist dafür zu danken, dass er einige schwerwiegende Irrwege des Qualitätsmanagements benennt. Zu nennen sind hier vor allem die Fokussierung auf Struktur- und Prozessparameter, die zwar oft leicht zu messen, aber nicht selten irrelevant für das Behandlungsergebnis sind – der Patient kommt in vielen dieser Ansätze ja gar nicht vor. Dies führt zu dem beschriebenen Mangel an Akzeptanz bei Klinikern und der Entwicklung einer QM-Parallelwelt. Auch die (völlig überschätze) Nutzung von QM und Zertifizierung für Marketing ist eine solche Fehlentwicklung. Prof. Costa irrt jedoch, wenn er anschließend jedweden Ansatz diskreditiert, die Behandlungsqualität von Patienten durch systematische Maßnahmen zu verbessern. Auch die Behauptung, es gäbe bisher keine wissenschaftlichen Nachweise für den Nutzen von QM, ist falsch (auch wenn hier noch viel zu tun ist). Glücklicherweise ist ansatzweise auch im QM ein Paradigmenwechsel zu beobachten – einschließlich der Bereitschaft, bisweilen sogar zum Äußersten zu schreiten und Patientinnen und Patienten in QM-Maßnahmen einzubeziehen. Ein pragmatisches Beispiel dafür – sogar aus seinem Fachbereich – ist soeben publiziert worden. Durch Erfassen und Vergleichen einiger weniger, aber relevanter Parameter im Bereich postoperativer Schmerzen im Rahmen des QUIPS-Projektes (www.quips-projekt.de) konnten nicht nur bis dahin unbekannte Defizite identifiziert, sondern durch eine simple Intervention nachhaltig verbessert werden (Schmerzreduktion bei gleichzeitiger Opioideinsparung) – und eben nicht getriggert durch „QM-Kontrolleure“, sondern durch die unmittelbar beteiligten Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte.

Literatur beim Verfasser

Apl. Prof. Dr. Winfried Meißner, Universitätsklinikum Jena, 07740 Jena

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