ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2014Grenzen für Antibiotikatherapie zu eng
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Mit Recht weisen die Autoren darauf hin, dass rein virale Infekte keiner Antbiotikatherapie bedürfen (1). Aber diese sind selten, weil eine bakterielle Superinfektion häufig hinzu kommt. Ich sah in 45 Jahren als Allgemeinarzt fast regelmäßig im Verlauf eines grippalen Infektes mit Husten beim Erwachsenen einen Übergang in einen eitrig-gelben Auswurf. So vermisse ich bei Holzinger et al. (1) die Erwähnung dieser häufigen bakteriellen Superinfektion. Der Pschyrembel (2) beschreibt bei der akuten Bronchitis als Ursache: „[...] einen viralen Infekt mit Myxoviren, ECHO-Viren, Adenoviridae oder Rhinoviren; primär bakterielle Bronchitiden sind eher selten, häufig ist dagegen die bakterielle Superinfektion einer vorbestehenden Bronchitis (vor allem mit Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Branhamella catarrhalis)“. Auch Herold et al. (3) beschreiben den eitrigen Auswurf bei sekundärer bakterieller Superinfektion sowie dann als Komplikation der viralen Bronchitis die Bronchopneumonie.

Die Forderung von Holzinger et al.: „Die Gabe von Antibiotika ist im Einzelfall bei Patienten mit schweren chronischen Krankheiten oder Immundefekten zu erwägen, weil hier Pneumonien oft schwer abzugrenzen sind“ scheint mir zu eng gefasst. Da ich auch aus der Chirurgie als Eitererreger keine Viren, sondern unter anderem Staphylococcus aureus kenne, gegen den Antibiotika eingesetzt werden (4), ist mir folgender Satz (1) nicht plausibel: „Auch bei gelb-grünem Sputum können Patienten dahingehend beruhigt werden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine virale Infektion vorliegt und eine Antibiotikagabe unnötig ist.“ Bei dem erwähnten gelb-grünen Sputum dürfte es sich also um eine bakterielle Superinfektion auf dem Boden eines Virusinfektes handeln, die ich immer bei der Grippebronchitis eines Erwachsenen erfolgreich antibiotisch behandelte und so das Entstehen einer komplizierenden Bronchopneumonie verhinderte.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0757a

Dr. med. Dieter Feldmann

Allgemeinmedizin, Bad Lauterberg im Harz

1.
Holzinger F, Beck S, Dini L, Stöter C, Heintze C: The diagnosis and treatment of acute cough in adults. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 356–63. VOLLTEXT
2.
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 260. Auflage. Berlin, New York: de Gruyter 2004.
3.
Herold G, et al.: Innere Medizin. Köln: Verlag Gerd Herold 2011; S. 362, 338.
4.
Nürnberger H, Hasse FM, Pommer A: Klinikleitfaden Chirurgie. 4. Auflage, München: Urban & Fischer 2006; S. 327.
1.Holzinger F, Beck S, Dini L, Stöter C, Heintze C: The diagnosis and treatment of acute cough in adults. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 356–63. VOLLTEXT
2.Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 260. Auflage. Berlin, New York: de Gruyter 2004.
3.Herold G, et al.: Innere Medizin. Köln: Verlag Gerd Herold 2011; S. 362, 338.
4.Nürnberger H, Hasse FM, Pommer A: Klinikleitfaden Chirurgie. 4. Auflage, München: Urban & Fischer 2006; S. 327.

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