ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2014Pay for Performance: Fremdschämen
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Was ist „qualitätsorientierend“, wenn ein Arzt im Hausarztvertrag seine ärztliche Unabhängigkeit verkauft und Geld dafür annimmt, Medikamente nach Rabattvertrag zu verordnen?

Wieso empfindet der ärztliche Kollege Jarmatz dies als „Mehrleistung und Qualitätsverbesserung“?

Die AOK bezeichnet es selbst in ihrem Informationsmaterial als „prozentuale Beteiligung an Einsparungen“ und „Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg durch Steuerung“ (Zitat: AOK-Vertragsunterlagen). Und das ist wenigstens ehrlich.

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Die teilnehmenden niedersächsischen Hausärzte (übrigens nur 19 Prozent aller niedersächsischen Hausärzte) mögen mit dem Modell „sehr zufrieden“ sein, ja – und auch einer Krankenkasse kann „etwas Besseres nicht passieren“, da stimme ich mit dem Kollegen überein. Aber trotzdem implementiere ich in meine Praxissoftware kein Kontrollmodul und exportiere meine Daten nicht am Quartalsende an die KVN.

Denn ärztliche Freiheit und Unabhängigkeit sind die unabdingbaren Voraussetzungen für die Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient, und die verkauft man nicht für zwei bis sechs Euro pro Patient!

Und wenn in Zukunft diese teilnehmenden Kollegen bei Erreichen bestimmter Quoten keine Regresse mehr befürchten müssen, dann ist das Ziel erreicht?

„Solchen Modellen gehört die Zukunft“, meint Herr Jarmatz.

Denken wir mal einen Schritt weiter: Die nicht teilnehmenden Kollegen – werden die dann besonders kritisch geprüft, weil sie nicht systemkonform sind? . . .

Dr. med. Elke Ravenscroft, 49586 Neuenkirchen

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