ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2014Lorscher Arzneibuch: Meilenstein der Medizingeschichte

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Lorscher Arzneibuch: Meilenstein der Medizingeschichte

Dtsch Arztebl 2014; 111(44): [70]

KNA

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Der bayerische Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) hat vor kurzem das Lorscher Arzneibuch aus Anlass der Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO als „Meilenstein der christlich-abendländischen Medizingeschichte“ gewürdigt. Für ihn stelle es einen der besten Belege dar, dass sich das Engagement des Staats für den Erhalt eines solchen einmaligen Dokuments lohne, sagte Spaenle in Bamberg. Die Handschrift stammt aus der Feder des Benediktinerkonvents im südhessischen Lorsch zur Zeit des späten 8. Jahrhundert.

Das Lorscher Arzneibuch gehört heute zum Bestand der Staatsbibliothek Bamberg.
Das Lorscher Arzneibuch gehört heute zum Bestand der Staatsbibliothek Bamberg.

Das Lorscher Arzneibuch war gut 200 Jahre nach seiner Entstehung durch eine Stiftung Kaiser Heinrichs II. an das von ihm errichtete Bistum Bamberg gelangt. Durch die Säkularisation 1802/1803 kam es in bayerischen Staatsbesitz und gehört heute zum Bestand der Staatsbibliothek Bamberg. Der Minister bezeichnete den Erhalt und die Vermittlung dokumentarischen Kulturguts als „große Aufgabe“ des Kulturstaats Bayern. Dessen Archive und Bibliotheken wie etwa die Staatsbibliothek Bamberg leisteten Großartiges, erklärte Spaenle.

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Mit dem Codex Bambergensis medicinalis 1, wie das Arzneibuch auch genannt wird, spannte die geistige Elite des Reichs Karls des Großen die Brücke des Wissens zwischen der griechisch-römischen Antike und dem frühen Christentum. Die Mönche der Benediktinerabtei überwanden mit der Handschrift den Graben zwischen medizinischer Therapie und dem Heilswirken Gottes. Sie deuteten auch die medizinische Behandlung als Element der Caritas und damit als Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen.

Die enorme Rezeption des medizinischen Nachschlagewerks und Lehrbuchs lässt sich anhand von Nachträgen und Randbemerkungen aus dem frühen und hohen Mittelalter nachweisen. kna

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