ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2014Metastasiertes Adenokarzinom der Lunge: Genotyp-angepasste Therapie verbessert Überleben

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Adenokarzinom der Lunge: Genotyp-angepasste Therapie verbessert Überleben

Dtsch Arztebl 2014; 111(45): A-1962 / B-1673 / C-1603

Siegmund-Schultze, Nicola

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In der Diagnostik und Therapie des Lungenkarzinoms vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Meist ausgehend von größeren Krebszentren und vernetzten wissenschaftlichen Institutionen wird nach molekularen Veränderungen gesucht, die Angriffspunkte für zielgerichtete Medikamente sein können, auch wenn sie teilweise noch in früher klinischer Prüfung sind oder bei anderen Tumorentitäten getestet werden.

Das US-amerikanische Lung Cancer Mutation Consortium hat an 14 onkologischen Schwerpunkt- und Exzellenzzentren mit Hilfe von Multiplex-Tests bioptisches Material auf 10 für das Tumorwachstum maßgebliche „Treibergene“ untersucht. Die Frage war, wie häufig mindestens eines dieser onkogenen Treibergene vorkommt und ob sich das Überleben durch eine dem Genotyp angepasste Therapie verbessern lässt.

Überlebenskurven von Patienten mit Lungenkarzinomen mit und ohne zielgerichtete Therapien beim Nachweis von onkogenen Treibermutationen im Tumor
Überlebenskurven von Patienten mit Lungenkarzinomen mit und ohne zielgerichtete Therapien beim Nachweis von onkogenen Treibermutationen im Tumor
Grafik
Überlebenskurven von Patienten mit Lungenkarzinomen mit und ohne zielgerichtete Therapien beim Nachweis von onkogenen Treibermutationen im Tumor

Zwischen 2009 und 2012 wurden Gewebeproben von 1 007 Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom der Lunge auf mindestens eines von 10 „Treibergenen“ analysiert und Tumoren von 733 Patienten auf alle 10 Gene. Bei 64 % von ihnen identifizierten die Forscher mindestens ein „Treibergen“: Am häufigsten spezifische Änderungen in den Genen KRAS (25 %), EGFR (17 %) und sogenannte ALK-Genrearrangements (8 %). Zwei und mehr onkogene „Treiberalterationen“ fanden sich bei 3 % der Tumoren.

Bei den 260 Patienten, bei denen eine den „Treiberveränderungen“ entsprechende Therapie erfolgt war, betrug das mediane Überleben 3,5 Jahre im Vergleich zu median 2,4 Jahren bei Patienten mit „Treibermuationen“ im Tumor aber ohne eine dem Genotyp angepasste Therapie (n = 318). Der Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,006).

Fazit: Eine auf Multiplex-Tests basierende Genotypisierung von Lungenkarzinomen ist eine praktikable und finanzierbare Basis, um Patienten mit Adenokarzinomen der Lunge für zielgerichtete Therapien zu stratifizieren. Das ist das Ergebnis einer Studie des amerikanischen Lung-Cancer-Mutation-Consortium-Teams. Die signifikanten Unterschiede beim Überleben zwischen Patienten mit „Treibermutationen“ im Tumor und einer dem Genotyp angepassten zur Gruppe ohne zielgerichtete Therapie müssten durch randomisierte, prospektive Studien überprüft werden, fordern die Autoren.

In Deutschland sind für bestimmte Aberrationen wie EGFR-Mutation oder ALK-Translokationen Testverfahren etabliert und auf Zuverlässigkeit untersucht, weitere werden geprüft. Grundsätzlich wird empfohlen, molekulare Analysen in Labors vorzunehmen, die auf Basis von Ringversuchen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie zertifiziert sind (2).

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Kris MG, Johnson BE, Berry LD, et al.: Using multiplexed assays of oncogenic drivers in lung cancers to select targeted drugs. JAMA 2014; 311: 1998–2006.
  2. Sebastian M, Niederle N, et al.: Molekulargenetische Untersuchungen bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom: praktische Relevanz. DMW 2014; 139: 2096–100.
Überlebenskurven von Patienten mit Lungenkarzinomen mit und ohne zielgerichtete Therapien beim Nachweis von onkogenen Treibermutationen im Tumor
Überlebenskurven von Patienten mit Lungenkarzinomen mit und ohne zielgerichtete Therapien beim Nachweis von onkogenen Treibermutationen im Tumor
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