ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2014Randnotiz: Alles für das Mutterglück

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Randnotiz: Alles für das Mutterglück

PP 13, Ausgabe November 2014, Seite 485

Gerst, Thomas

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Herzlichen Glückwunsch nach Göteborg, wo von einer Großtat der Hochleistungsmedizin berichtet wird! An der Universitätsklinik ist im September ein Baby per Kaiserschnitt zur Welt gebracht worden, nachdem der 35-jährigen Mutter ein Jahr zuvor die Gebärmutter einer 61-jährigen Freundin der Familie transplantiert worden war. Der Mutter vor der Transplantation entnommene und eingefrorene Eizellen wurden in vitro mit den Spermien ihres Mannes befruchtet; einen der so gewonnenen Embryonen pflanzte man in den transplantierten Uterus ein. Weitere Frauen, denen man die Gebärmütter ihrer Mütter transplantiert hat, warten noch auf ihr Mutterglück. Dem frisch gebackenen Kind samt Mutter, die bereits zu Hause sind, soll es gut gehen; das Operationsteam sei überglücklich, wird berichtet, und könne an den Erfolg seiner Arbeit noch nicht so recht glauben.

In der Tat kann es an dieser Stelle nicht schaden, etwas inne zu halten und darüber nachzudenken, ob das alles so richtig ist. Welcher Aufwand ist gerechtfertigt für eine wunscherfüllende Behandlung ohne medizinische Indikation (lässt man einmal den allumfassenden WHO-Gesundheitsbegriff außer Acht)? Mutet es nicht fast makaber an, wenn angesichts des Elends, in das viele Kinder dieser Welt hineingeboren werden, so gut wie nichts unversucht gelassen wird, Einzelnen zu einem eigenen Kind zu verhelfen? Und damit nicht genug: Die eingepflanzten Uteri werden den Frauen wieder entfernt, wenn sie – nach möglichst kurzer Zeit – ein zweites Kind zur Welt gebracht haben. Anderenfalls müssten sie lebenslang Medikamente nehmen, um eine Abstoßung zu verhindern. Vielleicht ist ja noch eine Uterus-Zweitverwertung möglich.

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