ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1999Eckpunkte zur Gesundheitsreform: Helfer aus der „Szene“

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Eckpunkte zur Gesundheitsreform: Helfer aus der „Szene“

Dtsch Arztebl 1999; 96(13): A-805 / B-665 / C-621

Maus, Josef

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LNSLNS Vertrauliche Papiere neigen mitunter dazu, über kurz oder lang an die Öffentlichkeit zu dringen. In Bonner Regierungskreisen ist diese Erkenntnis nicht neu, sie wird nur immer wieder neu bestätigt. Das jüngste Beispiel, bekanntgemacht durch einen Bonner Informationsdienst, dürfte diejenigen aufhorchen lassen, die über Monate hinweg zunehmend frustriert auf den Dialog mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer zur "Gesundheitsreform 2000" gewartet haben. Jetzt weiß man, daß weite Teile der Eckpunkte aus der Feder einer Hamburger Consultingfirma stammen.
Daß sich Politiker bei schwierigen Reformvorhaben externen Rat einholen, ist weder sensationell noch skandalös. Bemerkenswert ist es im Falle von Andrea Fischer aber allemal. Immerhin haben Ärzte, Krankenkassen und zahlreiche Verbände aus dem Gesundheitswesen von Anfang an ihre Bereitschaft erklärt, fachkundige Hilfestellung bei der Gestaltung der Gesundheitsreform zu leisten. Die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin hat sich jedoch weder bei der Formulierung des Vorschaltgesetzes noch bei der Vorbereitung der Eckpunkte mit Ärzten oder Kassen an einen Tisch gesetzt. Statt dessen war in Bonn von einem "internen Zirkel" die Rede, der tatsächlich aber bis nach Hamburg reichte. Dort ist die Hildebrand GesundheitsConsult GmbH ansässig - geleitet von Helmut Hildebrand und dem Chirurgen Dr. Jörg Grüber. Während Hildebrand die hessischen Grünen seinerzeit bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD beraten hatte, gilt Dr. Grüber als Kenner der Krankenhausszene. Vergleicht man nun die inzwischen vorliegenden Eckpunkte mit den Vorschlägen der Hamburger Agentur, finden sich viele Übereinstimmungen. Das gilt besonders für die neue Rolle der Krankenkassen und die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Auch in puncto Patientenrechte bewiesen die Hamburger Berater ein hohes Maß an Kreativität.
Wie groß der Einfluß der Consultingfirma auf die Bonner Politik tatsächlich einzuschätzen ist, wird sich an den Ergebnissen der jetzt einsetzenden Diskussion mit Andrea Fischer ablesen lassen. Kommen die Eckpunkte im wesentlichen durch, lohnt ein zweiter Blick auf das vertrauliche Papier. Es enthält nämlich Anregungen für weitere Reformschritte, die den Krankenkassen noch mehr Möglichkeiten einräumen würden - zum Beispiel eigene stationäre und ambulante Versorgungsangebote vorzuhalten. Bei diesen wie auch bei anderen Vorschlägen spricht die Agentur von der "zweiten Stufe der Reform". Josef Maus
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