ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1999Prophylaktische Mastektomie: Ein hoher Preis für die Sicherheit

SPEKTRUM: Akut

Prophylaktische Mastektomie: Ein hoher Preis für die Sicherheit

Dtsch Arztebl 1999; 96(13): A-808 / B-668 / C-624

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die bilaterale prophylaktische Mastektomie ist eine ebenso drastische wie sichere Methode zur Vorbeugung des Brustkrebses. Dies zeigt eine Studie der Mayo-Clinic, wo der Eingriff zwischen 1960 und 1993 an insgesamt 639 Frauen durchgeführt wurde (NEJM 1999; 340: 77-84). Davon hatten 214 Frauen eine autosomal dominante Prädisposition auf ein Mamma-Karzinom. Diese ist beispielsweise gegeben, wenn zwei oder mehr Verwandte ersten Grades bereits von einem Brustkrebs betroffen sind. Von den Schwestern der Patientinnen erkrankten nicht weniger als 38,7 Prozent an Brustkrebs. Die prophylaktischen Mastektomien ersparten den meisten Patientinnen dieses Schicksal. Nur bei dreien entwickelte sich in der Nachbeobachtungszeit von 14 Jahren ein Karzinom.


Auch in der zweiten Gruppe von 425 Frauen mit einem mittleren Brustkrebsrisiko - diese Frauen hatten Geschwister mit Brustkrebs, ohne daß eine autosomal dominante Prädisposition nachgewiesen werden konnte - war die Vorsorge erfolgreich. Hier gab es allerdings keine Kontrollgruppe. Die Angabe, daß auch hier 37,4 Prozent der Frauen später an einem Mamma-Karzinom erkrankt wären, beruht lediglich auf einer Berechnung. Hier kam es nach der Operation nur bei vier Frauen zum Brustkrebs. Obwohl es sich um eine retrospektive Untersuchung handelt, bei der methodische Fehler auftreten können, wird die Studie im Editorial (Seiten 137138) von Andrea Eisen und Barbara Weber (Universität Philadelphia) als wichtiger Fortschritt zur Klärung dieser sehr kontroversen Frage gewertet.

Denn zur Zeit müssen viele Gynäkologen Frauen beraten, die Träger der vor einigen Jahren entdeckten Brustkrebsgene BRCA-1 oder -2 sind. Leider konnte der Gentest bei den Studienteilnehmerinnen noch nicht durchgeführt werden, und die Autorinnen des Editorials halten eine Übertragung der Ergebnisse auf diese Gruppe für fraglich. Ferner weisen sie auf eine andere mögliche Interpretation hin. Immerhin mußten 621 Frauen eine entstellende Operation an sich vornehmen lassen, damit 18 Frauen das Leben gerettet wurde. Von den Operierten starben zwei Frauen, in der Kontrollgruppe waren es "nur" 20. Bei den anderen wurde der Brustkrebs rechtzeitig erkannt. In einem weiteren Artikel weist Kelly-Anne Phillips (Toronto) darauf hin, daß das
Risiko, an einem Brustkrebs zu sterben, im Alter von 40 bis 50 Jahren am höchsten ist, später aber deutlich abnimmt (Seiten 141-144). Rüdiger Meyer

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