ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2014Psychotherapeutin im Film: Realistisch mit Kunstfreiheiten

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Psychotherapeutin im Film: Realistisch mit Kunstfreiheiten

PP 13, Ausgabe November 2014, Seite 523

Bühring, Petra

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Im Mittelpunkt des Spreewaldkrimis „Die Tote im Weiher“ steht eine Psychotherapeutin. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Eine „echte“ Psychotherapeutin hat den Drehbuchautor beraten.

„Die Tote im Weiher“, D 2014, Regie: Sherry Hormann, Drehbuch: Thomas Kirchner. Aspekt Telefilm- Produktion für das ZDF. Der Film läuft am Sonntag, dem 16. November, um 20.15 Uhr in ZDF_neo und am 17. November um 20.15 Uhr im ZDF. Foto: ZDF, Hardy Spitz
„Die Tote im Weiher“, D 2014, Regie: Sherry Hormann, Drehbuch: Thomas Kirchner. Aspekt Telefilm- Produktion für das ZDF. Der Film läuft am Sonntag, dem 16. November, um 20.15 Uhr in ZDF_neo und am 17. November um 20.15 Uhr im ZDF. Foto: ZDF, Hardy Spitz

Die junge Carola Kubitz, gespielt von Anna Maria Mühe, steigt nachts in einen Weiher im Spreewald und ertränkt sich. Sie hat vor fünf Jahren bei einem anscheinend selbst verschuldeten Autounfall ihre neun Monate alte Tochter verloren und leidet seitdem an einer schweren Schuldpsychose, wegen der sie in Behandlung bei der Psychologischen Psychotherapeutin Jenny Trumaschek ist. Kommissar Krüger forscht bei der Psychotherapeutin nach, deren ambivalentes Verhalten ihn bestärkt, die näheren Umstände des Autounfalls zu untersuchen. Dabei stößt er auf einen weiteren Patienten der Therapeutin, den Kommunalpolitiker Charlie Matzke. Es scheint eine Verbindung zwischen ihm und der toten Carola Kubitz zu geben, die offenbar nur die Psychotherapeutin kennt. Diese verweist jedoch beständig auf ihre Schweigepflicht.

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Eine Psychotherapeutin im Mittelpunkt eines Spreewaldkrimis, dieser geheimnisvoll-rätselhaften ZDF-Filmreihe, die in der mystischen Spreewaldlandschaft im südlichen Brandenburg spielt: Für Drehbuchautor Thomas Kirchner Grund genug, sich professionelle Beratung zu suchen. Er fragte bei der Psychotherapeutenkammer Berlin nach und wurde an die Psychologische Psychotherapeutin Dr. phil. Renate Degner verwiesen, die zu der Zeit im Vorstand der Kammer für die Medien zuständig war.

Die Berliner Psychotherapeutin Dr. phil. Renate Degner stand dem Drehbuchautor beratend zur Seite. Foto: Petra Bühring
Die Berliner Psychotherapeutin Dr. phil. Renate Degner stand dem Drehbuchautor beratend zur Seite. Foto: Petra Bühring

„Wir trafen uns am Rande einer Fortbildungsveranstaltung, haben uns zwei Stunden intensivst unterhalten und Kakao getrunken“, erinnert sich Degner an ihre erste Begegnung. „Er hatte ein grobes Konzept, hat dann in das Drehbuch aber noch vieles eingearbeitet, worüber wir gesprochen haben.“ Die Expertin nimmt schließlich Einfluss auf die verschiedenen Drehbuchfassungen.

Wie gelungen ist die Psychotherapeutin im Film, gespielt von Birge Schade? „Sie stellt einen bestimmten Typ dar, eher der gesetzte damenhafte, in die Tiefenpsychologie gehende Typ“, sagt Degner. Der Zuschauer sehe es „rattern in ihrem Kopf, was sie sagt und was nicht“. Sie kenne ja als Einzige das Geheimnis um den Autounfall. „Es ist sehr typisch für unseren Beruf, dass wir stark abwägen, welche Informationen wir raus-
geben“, betont Degner. Birge Schade habe eine starke Präsenz in dem Film, spiele sensibel und stark zugleich, äquivalent zur starken Rolle des Kommissars. „Gut ist auch, dass die Rolle der Psychotherapeutin weiblich besetzt ist und dass sie Psychologin ist“, sagt Degner. „Denn das ist realitätsnah: in den meisten Filmen sind Psychotherapeuten männlich und Ärzte“.

Die Ratschläge Renate Degners wurden nicht an allen Stellen berücksichtigt. So gab es eine „gewisse Kunstfreiheit“ bei der Anwendung einer EMDR-Technik, dem sogenannten Tapping. „Die Form stimmte, aber die Intention ist eine andere: Beim Tapping sollen die Emotionen schwächer werden zur traumatischen Situation, im Film werden sie wiedererinnert. Außerdem wurde EMDR auch ein wenig vermischt mit Hypnose“, bedauert Degner. Einfluss auf die Regie hatte sie letztendlich nicht. Auch über die „klischeehafte“ Couch in der Praxis hat sich Degner ein wenig geärgert, „denn nur fünf Prozent der Behandlungen sind ja Psychoanalysen auf der Couch“.

Nichtsdestotrotz, Renate Degner findet diesen Spreewaldkrimi gut gelungen: „Auch wenn der Film seine Kunstfreiheiten hat, deckt er die realistischen Aspekte unseres Berufes zum großen Teil ab.“ „Die Tote im Weiher“ laufe zudem zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr und werde damit einem Millionenpublikum ein relativ realistisches Bild von Psychotherapie vermitteln. Abgesehen davon ist dieser siebte Spreewaldkrimi, mit dem herausragenden Spiel von Anna Maria Mühe als nach dem Tod ihres Kindes traumatisierter Frau, spannend und unbedingt sehenswert.

Petra Bühring

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