ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2014KBV-Nachwuchskampagne: Fit für die Praxis

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KBV-Nachwuchskampagne: Fit für die Praxis

Dtsch Arztebl 2014; 111(46): A-1993 / B-1697 / C-1625

Richter-Kuhlmann, Eva

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Medizinstudierende informierten sich über die Möglichkeiten einer künftigen Niederlassung. Eröffnet wurde der erstmals von der KBV veranstaltete Infotag in Berlin vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter.

Gute Bedingungen für Studium und Beruf versprach Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe. Fotos: Georg J. Lopata
Gute Bedingungen für Studium und Beruf versprach Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe. Fotos: Georg J. Lopata

Für Robin Charlotte Rätz steht fest: Sie möchte sich nach ihrer Facharztweiterbildung niederlassen. „Während meiner früheren Tätigkeit als medizinische Fachangestellte in einer Praxis habe ich die Vorzüge des ambulanten Arbeitens kennengelernt“, berichtete die Berliner Medizinstudentin beim Infotag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) „Fit für die Praxis?“ am 4. November an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

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Selbstbestimmt in ihrer Arbeitseinteilung und doch gleichzeitig im Austausch mit Kollegen möchte die junge Mutter, die gerade ihr zweites Kind erwartet, später ärztlich tätig sein. „Als niedergelassene Ärztin habe ich diese Möglichkeiten, gute Berufsperspektiven und keine Hierarchien“, resümierte sie. Mit großem Engagement beteiligte sie sich deshalb an der Nachwuchskampagne der KBV und der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen „Lass dich nieder!“ und war auf so manchem Großflächenplakat zu sehen. Unter dem Slogan: „Doktor werden. Mami bleiben.“ wies sie auf die guten Möglichkeiten im ambulanten Bereich hin, Beruf und Kinderbetreuung zu vereinbaren.

Der Diskussion mit den Studierenden stellten sich Regina Feldmann (li.) und Andreas Gassen (Mitte) auf dem Podium und im Niederlassungscafé (re.).
Der Diskussion mit den Studierenden stellten sich Regina Feldmann (li.) und Andreas Gassen (Mitte) auf dem Podium und im Niederlassungscafé (re.).

„Die Niederlassung bietet deutlich mehr Freiheiten als die Arbeit in der Klinik“, bestätigte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Ziel der Kampagne und des dazugehörigen, erstmals ausgerichteten Infotages sei es, künftige Ärztinnen und Ärzte über die Arbeit in einer eigenen Praxis zu informieren und Vorurteile auszuräumen. „Wir wollen möglichst viele Optionen aufzeigen und Freiheitsgrade schaffen. Dann müssen die jungen Kollegen selbst entscheiden, welchen beruflichen Weg sie gehen“, sagte er. Ihre Fragen zu den verschiedenen Möglichkeiten der ärztlichen Berufsausübung im ambulanten Bereich, zu Gründung und Finanzierung einer eigenen Praxis oder zur Anstellung in einer Praxis konnten die Medizinstudierenden beim Infotag stellen. Viele nutzten auch das „Niederlassungscafé“, um sich mit niedergelassenen Ärzten und Beratern direkt auszutauschen.

Ein offenes Ohr für die Sorgen und Wünsche der Medizinstudierenden hatte auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU). Die Bundesregierung wolle gute Rahmenbedingungen sowohl für das Medizinstudium als auch für eine künftige ärztliche Tätigkeit schaffen, versprach er bei der Eröffnung des KBV-Infotages. „Wir wollen hinhören, wie Sie sich diese vorstellen“, betonte der Minister und Vater von vier Kindern. Der Arztberuf und die jungen Menschen, die sich dafür entschieden, hätten seine hohe Wertschätzung: „Die persönliche Zuwendung und das fachliche Können der Ärzte sind auch durch immer größere Fortschritte in der Technik nicht zu ersetzen.“

Gleichzeitig verwies Gröhe auf laufende Gespräche seines Hauses mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Ein Runder Tisch befasse sich mit den Möglichkeiten einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Einige Ziele seien bereits erreicht: die Möglichkeit einer Aus- und Weiterbildung in Teilzeit oder der Fall der Residenzpflicht für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.

Prof. Dr. med. Adelheid Kuhlmey, Prodekanin für Studium und Lehre an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, betonte die Anstrengungen der medizinischen Fakultäten, die Studierenden möglichst praxisnah auszubilden. „In vielen reformierten Studiengängen kommen die Studenten von Anfang an mit realen Patienten in Kontakt“, sagte sie. „Wir brauchen einen guten Mix zwischen wissenschaftlich basierter Lehre und praxisnaher Ausbildung.“

Noch mehr Praxisanteile im Studium forderte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der KBV: „Der Weg in die Niederlassung muss den Nachwuchsmedizinern bereits früh im Studium aufgezeigt werden“, meinte sie. „Damit sie sich objektiv für eine Facharztweiterbildung entscheiden können, brauchen sie im Medizinstudium mehr Einblick in den ambulanten Bereich.“ Die Hausärztin setzt sich besonders für eine Förderung der Allgemeinmedizin ein. „Ländliche Regionen sind für die Studierenden von heute meist als Arbeitsort nicht interessant. Deshalb müssen wir die Attraktivität des Landarztes noch mehr stärken und die Studierenden frühzeitig im Studium mit dem Berufsbild vertraut machen“, sagte sie und plädierte für die Einführung eines Pflichtabschnitts Allgemeinmedizin im praktischen Jahr.

Antonius Ratte, Bundeskoordinator der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Ausbildung der bvmd, lehnt einen obligatorischen Abschnitt in der Allgemeinmedizin jedoch ab. „Die Allgemeinmedizin im praktischen Jahr sollte freiwillig bleiben“, betonte der Medizinstudent. Auch die Pflichtabschnitte in der Chirurgie und in der Inneren Medizin seien nicht mehr zeitgemäß. „Denkbar sind für uns frei wählbare Abschnitte in einem operativen und einem nicht-operativen Fach“, erklärte er. Die Medizinstudierenden seien vielseitig interessiert. Ausschlaggebend für eine Entscheidung für einen Facharzt seien hauptsächlich die Rahmenbedingungen bei der Aus- und Weiterbildung sowie bei der Arbeit.

Familie und Beruf glaubt Medizinstudentin Robin Charlotte Rätz (Berlin) am besten in der Niederlassung vereinbaren zu können.
Familie und Beruf glaubt Medizinstudentin Robin Charlotte Rätz (Berlin) am besten in der Niederlassung vereinbaren zu können.

Feldmann verwies auf die jüngste Studierenden-Befragung der KBV: Etwa die Hälfte der befragten Medizinstudierenden hätte angegeben, generell in der ambulanten Versorgung arbeiten zu wollen. Die meisten wünschten sich eine berufliche Tätigkeit mit direktem Kontakt zum Patienten und die Möglichkeit, ihr Wissen und Können umfangreich einsetzen zu können. Diese Nachwuchsmediziner gelte es für die Allgemeinmedizin zu begeistern, sagte sie. Dazu bedürfe es jedoch gemeinsamer Anstrengungen von Ärzteschaft und Politik.

Über die verschiedenen Niederlassungsmöglichkeiten und Beratungsangebote informieren können sich Studierende und junge Ärzte auch über das KBV-Portals www.lass-dich-nieder.de

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Hermann Gröhe über Nachwuchsmediziner

Niederlassung ist schön, weil...

Was Medizinstudierende erwarten...

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Avatar #672734
isnydoc
am Sonntag, 16. November 2014, 23:41

Da legst di nieder - lass mal lieber!

Gröhe-Sprechstunde im gesetzlichen Reform-Gepäck, Politik und Funktionäre spielen dessen ungeachtet einträchtig und salbungsvoll ihre Spiele mit der Desinformation ... niederträchtig&verachtungsvoll!

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