ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2014Krankenhaus: Was Ärzte erwarten (können)

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Krankenhaus: Was Ärzte erwarten (können)

Dtsch Arztebl 2014; 111(46): [2]

Stüwe, Heinz

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Vergütung von Überstunden, Teilzeitstellen für Ärzte in Weiterbildung – das allein reicht nicht. Kliniken, die gute Ärzte für sich gewinnen wollen, müssen mehr bieten.

Foto: Fotolia/Minerva Studio
Foto: Fotolia/Minerva Studio

Dann überlege ich mal, ob ich bei Ihnen arbeiten möchte.“ Das hören Chefärzte und Personalchefs häufiger am Ende eines Vorstellungsgesprächs. Zumindest dann, wenn es um die Besetzung einer ärztlichen Stelle im Krankenhaus geht. Solche Äußerungen sind für Personalverantwortliche, die auch andere Zeiten erlebt haben, immer noch gewöhnungsbedürftig. Aber so ist es es eben: Der Arbeitsmarkt für Ärzte ist ein Bewerbermarkt. „Wir stehen im Wettbewerb um Ärzte,“ stellte Dr. med. Axel Paeger, Vorstandsvorsitzender der Klinikgruppe Ameos, Zürich, auf der Fachmesse „Zukunft Personal“ in Köln fest. Wie können Krankenhäuser bei einem derart engen Arbeitsmarkt gute Leute gewinnen und an sich binden, ohne Budgets und Kostenziele aus den Augen zu verlieren? Darüber gab es auf der internationalen Fachmesse einen regen Austausch, wobei sich zumindest Klinikgeschäftsführer und Personalleiter in vielen Punkten einig sind.

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Ziemlich breiter Konsens besteht zunächst darüber, was heute nicht mehr geht. „Die Chefärzte von heute haben über 10, 20 Jahre viel und hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo sie sind“, sagte Jutta Kappel, Personalleiterin beim Katholischen Hospitalverbund Hellweg, Unna, zu dem drei Krankenhäuser und zwei Altenpflegeeinrichtungen gehören. Im Gespräch mit Bewerbern aus der Generation Y prallten Welten aufeinander. Denn die junge Ärztegeneration sei nicht bereit, den gleichen Weg zu gehen wie ihre Chefs. Sie erwarteten eine 40-Stunden-Woche und die Bezahlung von Überstunden. Andererseits hat sich auch für diejenigen, die es auf eine Chefarztposition schaffen, gegenüber früheren Jahrzehnten Grundlegendes geändert: Die goldenen Chefarztverträge mit einer Verpflichtung auf Lebenszeit seien Vergangenheit, berichtete Georg von Mylius, Personalberater in Pulheim bei Köln, der sich auf die Besetzung von Führungspositionen in Krankenhäusern spezialisiert hat.

Was aber erwarten Ärztinnen und Ärzte vom künftigen Arbeitgeber? Für Assistenzärzte steht eine gute strukturierte Weiterbildung im Vordergrund. Arbeitgeber müssten den Weg zum Facharzt ebnen, stellt Klinikinhaber Paeger, selbst Arzt, heraus. „Assistenzärzte haben es heute nicht mehr nötig, jährlich die Stelle zu wechseln, um irgendwann die Voraussetzungen für die Facharztprüfung zu erfüllen.“ Ameos, von Paeger 2002 gegründet und inzwischen auf 47 Krankenhäuser, 21 weitere Einrichtungen und 12 000 Mitarbeiter angewachsen, könne jungen Ärzten bieten, ihre Weiterbildungszeit komplett in Kliniken der Gruppe zu absolvieren, unabhängig davon, für welches Fach sie sich entschieden.

Balance zwischen Arbeit und Beruf ermöglichen

Für Assistenz- wie Oberärzte ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute gleichermaßen wichtig. Dass habilitierte Oberärzte Elternzeit in Anspruch nehmen, war vor Jahren ebenso undenkbar wie Teilzeitstellen für Ärzte. „Vor 15 Jahren hätten Kollegen einem den Vogel gezeigt“, sagte Paeger. Wer sich dagegen heute, wo die Medizin mehrheitlich weiblich werde, Teilzeitangeboten und Job-Sharing verweigere, könne Stellen nicht mehr besetzen.

Wenn Arbeitsplätze im Krankenhaus, die eine Balance von Beruf und Freizeit gestatten, mehr oder weniger selbstverständlich sind oder werden, womit kann sich dann der sehr gute Arbeitgeber von der Masse abheben? Kappel skizziert eine Unternehmenskultur, die nicht nur nur Krankenhäuser anstreben sollten: Führungskräfte müssten glaubwürdig sein und den Mitarbeitern Wertschätzung zeigen. Für wichtig hält sie Transparenz durch gute Informationen. So gebe es in den Häusern des Katholischen Hospitalverbunds Hellweg regelmäßig die Möglichkeit, Projekte mit der Geschäftsleitung zu diskutieren.

Ameos-Chef Paeger ist überzeugt davon, dass Chefärzte und Oberärzte über die Patientenbehandlung hinausgehen möchten. „Für sie ist es wichtig, dass sie mit ihren Vorstellungen zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung Gehör finden.“ Bei Ameos sei das der Fall. Medizinische Konzepte, die wirtschaftlich tragfähig seien, würden realisiert. Immer werde schnell entschieden.

Die Klage vieler Ärzte, ihnen gehe durch Bürokratie und andere medizinfremde Arbeiten Zeit für die Patienten verloren, kennen selbstverständlich auch die Personalveranwortlichen in den Krankenhäusern. In Zukunft wird es ihrer Ansicht nach verstärkt darum gehen, Ärzte, aber auch Pflegekräfte von Aufgaben zu entlasten, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehörten. Das zielt auf Dokumentationsarbeiten, aber auch beispielsweise auf die Blutabnahme bei Patienten, die statt von Assistenzärzten gut von Pflegekräften vorgenommen werden könne. Essen verteilen könnten andererseits auch Servicekräfte, dafür seien keine voll ausgebildeten Pfleger nötig.

Nichtärztliche Tätigkeiten delegieren

Tätigkeiten müssten den Berufsgruppen zugeordnet werden, die dafür richtig qualifiziert seien, forderte Paeger. Er sieht die Leistungsdelegation von Ärzten an die Pflege durch die Haltung von Bundes­ärzte­kammer und ärztlichen Berufsverbänden erschwert, ohne dies zu erläutern. Keinen Zweifel ließ er daran, dass es bei der Verbesserung der Organisationsabläufe im Krankenhaus nicht nur um Zufriedenheit im Beruf, sondern auch um Ökonomie geht. „Wenn ein Arzt eine Patientenakte suchen muss, erbringt er keine Wertschöpfung.“ Ameos hat, wie Paeger berichtete, mit der Implementation klinischer Pfade gute Erfahrungen gemacht. Wenn für einen Patienten mit Herzinsuffizienz Diagnostik und Behandlung in den ersten drei Tagen niedergelegt sei, könne zum Beispiel die Pflege angeordnete Röntgenuntersuchungen eigenständig organisieren. Insgesamt sei es gelungen, die Anzahl medizinfremder Tätigkeiten für Ärzte um zehn bis 15 Prozent zu verringern.

Für die Ausbildung künftiger Ärzte und das Berufsbild insgesamt sagt Personalberater von Mylius einen Wandel voraus. Die Vielzahl von Studiengängen, die Ärzten Managementkenntnisse und -fähigkeiten vermitteln sollen, deutet seiner Ansicht nach auf ein Defizit in Medizinstudium und ärztlicher Weiterbildung hin. Krankenhäuser müssten Ärzten in Zukunft differenzierte Ausbildungs- und Karrierewege eröffnen – und zwar für medizinische Spezialisten, fachlich breit aufgestellte Ärzte sowie für Ärzte, die ins Medizinmanagement strebten.

Heinz Stüwe

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