ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2014Arbeiten in Österreich: Gute Chancen auf eine Stelle

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Arbeiten in Österreich: Gute Chancen auf eine Stelle

Dtsch Arztebl 2014; 111(46): [40]

Spielberg, Petra

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Aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation und fehlender Sprachschwierigkeiten sind deutsche Ärzte in der Alpenrepublik sehr willkommen.

Foto: Fotolia/Rawpixel
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Österreich ist für viele Deutsche eines der Top-Urlaubsziele, vor allem wegen seiner traumhaften Berglandschaften, der zahlreichen Seen und attraktiven Städte, die zum Wandern, Skifahren, Flanieren und zu kulinarischen Genüssen einladen. Für einige deutsche Ärzte sind diese Faktoren sogar so zugkräftig, dass sie ihr Heimatland verlassen, um ihr berufliches Glück in Österreich zu suchen.

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„Die Landschaft und das Freizeitangebot gehören zu den Hauptmotiven für deutsche Ärzte, sich um eine Stelle in einer österreichischen Klinik oder um eine Niederlassung zu bemühen“, berichtet Peter Grill, Geschäftsführer der Personalberatung GRP consult in Leonding. Das Unternehmen hat sich seit Beginn 2008 auf die Rekrutierung von Fachärzten aus dem In- und Ausland spezialisiert.

Dass deutsche Ärzte im Nachbarland keine sprachlichen Probleme haben, vereinfache den beruflichen Wechsel zusätzlich, so Grill. Grundlage für die Anerkennung der in Deutschland erworbenen Berufsqualifikation ist eine entsprechende EU-Richtlinie.

Viele landschaftliche Reize

Einer, der diesen Schritt vollzogen hat, ist Dr. med. Thomas Meinel. Seit Mai 2012 arbeitet der Radiologe im Landeskrankenhaus Feldkirch, rund 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. „Die Bodensee-Region hat mich immer schon gereizt“, sagt Meinel. Als dann das Angebot kam, als Oberarzt in dem 1 200-Betten-Haus zu arbeiten, habe er nicht lange gezögert. „Da ich schwerpunktmäßig im Bereich Onkologie tätig bin, war es für mich wichtig, im Klinikkontext zu arbeiten“, führt Meinel aus.

Seine Entscheidung hat der Radiologe, der zuvor unter anderem über zehn Jahre lang in zahlreichen Kliniken innerhalb und außerhalb Europas in der Forschung gearbeitet hat, nie bereut. Ausschlaggebend sei hierfür neben der inhaltlich interessanten Tätigkeit die gute zwischenmenschliche Arbeitsatmosphäre in der radiologischen Abteilung des Feldkirchener Krankenhauses. Gleichwohl sei es naiv zu glauben, eine ärztliche Tätigkeit in Österreich sei überall grundsätzlich einfacher, angenehmer und werde auch noch besser bezahlt.

Tarife variieren stark

So liegen die Ärztegehälter in Österreich im europäischen Vergleich im Schnitt unter denen deutscher Kollegen. „Die Tarife unterscheiden sich allerdings von Bundesland zu Bundesland mit einem gewissen West-Ost-Gefälle und können zudem je nach Klinik variieren“, erläutert Grill.

Nach Angaben der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Wien gibt es im Alpenland derzeit 36 verschiedene Dienstrechte. Das führt dazu, dass beispielsweise das monatliche Bruttogehalt eines 45-jährigen Oberarztes im zehnten Dienstjahr zwischen 2 800 und 4 000 Euro – ohne Zulagen für Überstunden, Journal- oder Nachtdienste – schwanken kann. Das Verhältnis von Grundgehalt und Zulagen liegt nach Aussage der ÖÄK bei 60 zu 40.

Neben Grundgehalt und Zulagen haben Klinikärzte zusätzlich die Möglichkeit, Honorare aus der Versorgung von Patienten mit einer privaten Krankenzusatzversicherung zu generieren. Diese Patienten werden als „Patienten in der Sonderklasse“ bezeichnet. Die entsprechenden Zusatzhonorare werden nach Informationen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zwischen den leitenden und den nachgeordneten Ärzten der jeweiligen Abteilungen geteilt. „Der Verteilungsschlüssel hängt dabei von den Honorarregelungen der einzelnen Bundesländer ab. Bei leitenden Ärzten können Sonderklassen-Honorare das Regeleinkommen bei weitem übersteigen“, heißt es dazu in einem KPMG-Gutachten.

Darüber hinaus ist es in Österreich üblich, dass Klinikärzte neben ihrer stationären Tätigkeit eine Ordination betreiben und als sogenannter Wahlfacharzt ohne Kassenzulassung Patienten gegen Privatliquidation ambulant behandeln. „Die Kombination aus Klinikstelle plus kleiner Praxis steht bei deutschen Ärzten hoch im Kurs, mehr noch als eine reine Niederlassung“, weiß Grill.

Wie gut die Integration bei der Arbeitsstelle und im Land insgesamt klappt, hängt nicht zuletzt aber vom Einzelfall ab. Vorbehalte gegenüber deutschen Ärzten gibt es dabei seitens der Österreicher offensichtlich kaum. „Der Umgang zwischen österreichischen und deutschen Ärzten ist sehr entspannt. Und auch mit den Patienten gibt es keine Probleme“, bestätigt Prof. Dr. med. Thorsten Fischer.

Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist seit 2011 als Ordinarius an der Universitätsklinik Salzburg tätig. Gereizt habe ihn vor allem die interessante und vielschichtige Arbeit an einer der größten Frauenkliniken Österreichs, betont der Gynäkologe.

Höflicher Umgangston

Wichtig für eine gute Integration ist aus seiner Sicht, dass man auch privat Kontakte zu Österreichern pflegt und sich auf deren Mentalität einlasse. „Konflikte werden hier anders ausgetragen als bei uns in Deutschland“, sagt Fischer.

Und auch Meinel betont, dass seiner Erfahrung nach der Umgangston in österreichischen Einrichtungen im Allgemeinen etwas höflicher ist, als in Deutschland. Entscheidend für ein gutes Arbeitsverhältnis, eine hohe Qualität der ärztlichen Leistungen und eine geringe Personalfluktuation sei außerdem die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und der Klinikverwaltung, was nicht zuletzt vom persönlichen Engagement der Chefärzte für ihre Mitarbeiter abhänge, so der Radiologe.

Während dies in Feldkirch offensichtlich sehr gut funktioniert, hat Prof. Dr. med. Heiner Welter weniger gute Erfahrungen gemacht. Zu Beginn des Jahres 2011 hatte der Chirurg aus Südbayern für drei Jahre eine Stelle als leitender Oberarzt in Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich übernommen.

„So gut die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aller Fachrichtungen auch war, die Arbeit wurde durch die mächtige Verwaltungsorganisation der zuständigen Krankenhausholding in St. Pölten deutlich beeinträchtigt“, bemängelt Welter. So konnte der Chirurg sein Spektrum der elektiven und Thoraxchirurgie nicht ausüben, obwohl er geglaubt hatte, eigens für diese Spezialisierung nach Waidhofen geholt worden zu sein. Auch habe die Holding einer Vertragsverlängerung mit Verweis auf die landesrechtlich festgesetzte Altersgrenze nicht zugestimmt. Dennoch ist Welter Österreich treu geblieben und pendelt seit Anfang des Jahres von seinem Wohnsitz in Bayern über die Grenze, um als Honorararzt zu arbeiten.

Auch sieht der Facharzt für deutsche Chirurgen aufgrund ihrer Qualifikation grundsätzlich gute Chancen, den Zuschlag für eine Stelle in Österreich zu bekommen, zumal der Personalbedarf seiner Meinung nach mit der Umsetzung des europäischen Arbeitszeitrechts zunehmen wird.

Noch greifen in den meisten österreichischen Einrichtungen die von der EU vorgegebenen restriktiven Arbeitszeitregeln nicht, auch wenn sich einige Klinikverwaltungen bereits darum bemühen, arbeitszeitgesetzkonforme Dienstpläne nach den EU-Vorgaben aufzustellen.

„Hier hängen die Österreicher den Deutschen hinterher“, räumt Grill ein. Die gesetzlich vorgeschriebene wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt somit im Durchschnitt noch 60 Stunden, mit der Möglichkeit, diese in einzelnen Wochen auf 72 Stunden auszuweiten.

Fachkräfte gesucht

Das nationale Arbeitszeitrecht wird allerdings zurzeit novelliert. Aufgrund einer Übergangsfrist wird in vielen Kliniken Österreichs aber vermutlich erst Mitte 2021 grundsätzlich die 48-Stunden-Woche gelten. Längere Arbeitszeiten bedürfen dann der Zustimmung jedes einzelnen Arztes. Hochrechnungen zufolge seien bei einer flächendeckenden Umsetzung je Bundesland voraussichtlich mehrere Hundert neue Arztstellen erforderlich, so Grill.

Und auch im niedergelassenen Bereich ist mit einem Fachkräftemangel zu rechnen. Schon jetzt haben immer mehr Vertragsärzte Probleme, einen Nachfolger für ihre Kassenordination zu finden. Wie in Deutschland mangelt es auch in Österreich vor allem an Allgemeinärzten. Im Spitalsbereich dagegen würden vor allem Fachärzte für Innere Medizin und Chirurgen gesucht. „Aber auch Psychiatrie und Gynäkologie könnten in Zukunft Mängel aufweisen“, so die ÖÄK.

Dr. med. Michael Huesmann hat vor kurzem im Nachbarland den Schritt in die freie Niederlassung gewagt. Der Dermatologe betreibt nun eine Ordination in Hallein, 20 Kilometer südlich von Salzburg. „Ich finde es sehr bereichernd, jetzt mein eigener Chef zu sein und bin hier sowohl beruflich als auch privat sehr herzlich aufgenommen worden“, sagt Huesmann.

Eine Vertragsarztstelle erschien ihm attraktiver als eine Niederlassung als Wahlarzt, da er sich durch Übernahme der Klientel seines Vorgängers nun nicht ausschließlich selbst intensiv um Patienten bemühen muss. Huesmann arbeitet in einer Einzelpraxis, die in Österreich nach seiner Aussage noch einen sehr hohen Stellenwert genießt. Die Vernetzung mit Kollegen ist für ihn aber ein wichtiger Aspekt, um dauerhaft in Hallein Fuß zu fassen .

Petra Spielberg

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