ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Sepsis: Volumentherapie mit Kristalloiden und Humanalbumin

PHARMA

Sepsis: Volumentherapie mit Kristalloiden und Humanalbumin

Dtsch Arztebl 2014; 111(47): A-2082

Eiden, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Mortalitätsrate konnte bei Patienten mit schwerer Sepsis oder septischem Schock in Studien durch Albumin gesenkt werden.

Patienten mit schwerer Sepsis oder septischem Schock sollten gemäß der internationalen Leitlinie der Surviving Sepsis Campaign als initiale Volumenersatztherapie Kristalloide erhalten. Von Hydroxyethylstärke (HES) wird abgeraten (1). „Es zeigte sich in mehreren Studien eine erhöhte Sterblichkeit unter HES bei Sepsis“, erklärte Prof. Dr. med. Josef Briegel, Universität München. Bei Patienten, die substanzielle Mengen Kristalloide benötigen, wird der Einsatz von Humanalbumin empfohlen (1).

Albumin in Studien geprüft

Anzeige

Auch die S3-Leitlinie zur intravasalen Volumentherapie spricht sich für kristalloide Lösungen aus und rät ebenso von HES bei kritisch kranken Patienten ab. Lässt sich eine akute Hypovolämie dadurch nicht ausreichend ausgleichen, kann darüber hinaus Gelatine und Albumin zum Einsatz kommen (2). Dr. med. Ole Bayer vom Universitätsklinikum Jena warnte aber, denn „Gelatine wurde vor 60 Jahren ohne ausreichende klinische Prüfung zugelassen, Daten aus großen Studien fehlen“. Zudem habe sie wohl ein ähnliches Nebenwirkungspotenzial wie HES, so sein Fazit.

Laut Briegel basieren die Empfehlungen für die Gabe von Humanalbumin auf mehreren Studien. In einer Post-hoc-Analyse der SAFE-Studie war die Sterblichkeit in der (vorab definierten) Subgruppe der Patienten mit schwerer Sepsis bei Gabe von Albumin um vier Prozent im Vergleich zur Gabe von Salzlösung signifikant reduziert (Odds Ratio nach multivariater Analyse 0,71, p = 0,03) (3).

In den sich anschließenden Studien EARSS und ALBIOS erhielten Patienten mit schwerer Sepsis oder septischem Schock als Volumenersatztherapie eine kristalloide Lösung mit beziehungsweise ohne 20-prozentiger Albuminlösung (4, 5). Bei der ALBIOS-Studie (n = 1 818) verfolgten die Ärzte in der Albumin-Gruppe das Ziel, während des Aufenthaltes auf der Intensivstation oder bis zu 28 Tage nach Randomisierung den Albuminspiegel auf 30 g/L zu halten. In der EARSS-Studie (n = 794) wurden 180 g Albumin nach einem starren Schema über drei Tage verabreicht.

Gemäß Briegel konnte in der bislang nicht publizierten EARSS-Studie die 28-Tage-Mortalität in der Gruppe mit zusätzlichem Albumin absolut um 2,2 Prozent (p = 0,42) und relativ um 8,4 Prozent reduziert werden (4). In der ALBIOS-Studie zeigte sich weder nach 28 noch nach 90 Tagen ein signifikanter Unterschied in der Mortalität zwischen den Gruppen (5).

In einer Post-hoc-Analyse reduzierte Albumin die relative 90-Tage-Sterblichkeit in der Subgruppe mit septischem Schock bei Randomisierung jedoch signifikant (p = 0,03). Zudem habe sich bei sekundären Endpunkten eine deutliche Überlegenheit gezeigt. So bewirkte Albumin häufiger in 24 Stunden eine hämodynamische Stabilisierung, eine kürzere Dauer der Vasopressionstherapie und eine frühere negative Flüssigkeitsbilanzierung.

Ergebnisse waren konsistent

Eine Metaanalyse der publizierten gepoolten Intend-to-treat-Daten der drei Studien ergab einen signifikanten Behandlungsvorteil für Albumin (6). „Die Ergebnisse waren konsistent“, betonte Briegel, was die Autoren auf die immunologischen Effekte von Albumin zurückführen. „Albumin korrigiert nicht nur den kolloidosmotischen Druck, sondern hat auch ausgeprägte antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften; zudem ist es ein Trägerprotein für eine Reihe von Substanzen“, erläuterte er. Die Studien SAFE und ALBIOS hätten darüber hinaus gezeigt, dass Albumin als Kolloid im Rahmen einer kristalloidbasierten Volumentherapie bei schwerer Sepsis und septischem Schock sicher sei, fügte Briegel hinzu.

Diplom-Biochemikerin Petra Eiden

Quelle: Satellitensymposium „Kolloide in der Intensivmedizin – Neubewertung 2014“ im Rahmen des HAI 2014, in Berlin; Veranstalter: CSL Behring

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit4714
oder über QR-Code

1.
Dellinger RP, et al.: Surviving sepsis
campaign: international guidelines for
management of severe sepsis and septic shock: 2012. Crit Care Med 2013; 41: 580–637. CrossRef MEDLINE
3.
SAFE Study Investigators: Intensive Care Med 2011; 37: 86–96. CrossRef MEDLINE
5.
Caironi P, et al.: N Engl J Med. 2014; 370: 1412–21. CrossRef MEDLINE
6.
Wiedermann CJ, Joannidis M: Albumin replacement in severe sepsis or septic shock. N Engl J Med 2014; 371: 83. CrossRef MEDLINE
1.Dellinger RP, et al.: Surviving sepsis
campaign: international guidelines for
management of severe sepsis and septic shock: 2012. Crit Care Med 2013; 41: 580–637. CrossRef MEDLINE
2. S3-Leitlinie Intravasale Volumentherapie beim Erwachsenen. AWMF-Register-Nr. 001/020. Stand 6. 8. 2014.
3.SAFE Study Investigators: Intensive Care Med 2011; 37: 86–96. CrossRef MEDLINE
4. Mira JP: Early albumin resuscitation during septic shock. Clin Trial Gov NCT00327704. Presented at ISICEM 2011.
5.Caironi P, et al.: N Engl J Med. 2014; 370: 1412–21. CrossRef MEDLINE
6.Wiedermann CJ, Joannidis M: Albumin replacement in severe sepsis or septic shock. N Engl J Med 2014; 371: 83. CrossRef MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema