ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Pränataldiagnostik: Bedrohliche Entwicklung
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. . . Die Autorinnen Feyerabend und Huster-Sinemillioglu fragen, „wo die Grenze (liegt) zwischen dem Anspruch auf einen individuell erträglicheren Schwangerschaftsabbruch und der Praxis einer flächendeckenden Selektion . . .“. Auch fragen sie „(w)ie die . . . Inklusion von Menschen mit Behinderungen angesichts der – auch pränataldiagnostisch bedingten – Leistungsansprüche an Kinder zu . . . fördern (ist)?“

Diese Fragen sind nicht lösbar. Es ist nämlich nicht möglich, eine Grenze zwischen dem individuellen „erträglicheren“ Schwangerschaftsabbruch und der flächendeckenden Selektion zu ziehen. Selektion und Inklusion schließen sich zudem aus. Um mit den Worten des ehemaligen Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Hubert Hüppe zu sprechen, beginnt Inklusion schon vor der Geburt. Auch werden durch die nichtinvasive Pränataldiagnostik (NIPD) keine prinzipiell neuen Fragen aufgeworfen: Bereits vor NIPD wurden circa 97 Prozent aller Kinder mit Down-Syndrom in Deutschland abgetrieben. Diese Art der Diagnostik bringt aber diese Vorgehensweise auf den Punkt und zeigt sie in ihrer vollen Konsequenz auf. Die NIPD wurde nicht erst in dem Moment zum Skandal, indem sie drohte, bei einem großen Anteil aller Schwangeren eingesetzt zu werden und damit wegen einer hohen Falsch-positiv-Rate zur Abtreibung vieler nichtbehinderter Kinder vor der 12. Schwangerschaftswoche zu führen. Nein, sie war es von vorneherein, denn diese Methode ist allein zum Ausselektieren von „Menschen zweiter Klasse“ gedacht, ein Tun, das verwerflich und mit unserem Berufsethos nicht vereinbar ist . . .

Prof. Dr. med. Paul Cullen, 48163 Münster,
Dr. med. Michael Kiworr, 68305 Mannheim

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